Christliche Themen für jede Altersgruppe

Warme Füße und ein Wickeltisch

„Das ist unsere Kirche. Hier sind wir willkommen“. Oft brauchen Familien dieses Gefühl. In der Laurentius-kirche in Stuttgart-Rohr zum Beispiel könnten sie es haben. Der Wickeltisch, die Malbretter und Angebote wie der Krabbelgottesdienst signalisieren Familien: Wir mögen euch. Es könnte die Blaupause einer kinderfreundlichen Kirchengemeinde sein. 

Susanne Abrell weiß aus eigener Erfahrung, was Eltern sich wünschen. Sie versucht daher, genau dies nun anderen Eltern anzubieten. (Foto: Susanne Haag)

Dass junge Familien sich in der Kirche wohlfühlen, ist eigentlich ganz einfach zu erreichen: Man gibt den Kindern ein Blatt Papier und ein paar Buntstifte, und schon sind sie während des Gottesdienstes beschäftigt. In der Laurentiuskirche geht man über das Elementare hinaus. Kirchengemeinderäte, die die Gottesdienstbesucher persönlich begrüßen, überreichen den Kleinen ein Igel-Holzbrett als Malunterlage, es gibt viele Blätter für die Vielmaler, und die Stifte sind immer frisch gespitzt.  Außerdem steht ein ganzer Korb mit Bilder- und Kinderbüchern zur Verfügung. Eltern, die solche Gesten in Kirchengemeinden beobachten, können schon ahnen: Hier sind wir richtig.

Was gibt es noch für Indizien? Der Gottesdienst in Rohr beginnt für Jung und Alt gemeinsam, nach dem zweiten Lied werden die Mädchen und Jungen vom Kinderkirchteam abgeholt. Mit der Kinderkirchkerze und dem dazugehörigen Kreuz ziehen sie ins Gemeindezentrum im Untergeschoss, wo sie in einer kindgerechten Gottesdienstform Lieder singen und kreativ sein können. In einem weiteren Raum, der Krabbelstube, liegt ein großer Spielteppich. Dorthin können sich Eltern mit ihren Kleinkindern im Krabbel- und Lauflern-Alter zurückziehen und über eine Übertragungsanlage den Gottesdienst mitverfolgen. Und wer es drinnen nicht mehr aushält, geht auf den Spielplatz gleich neben der Kirche.

Platz für ganz verschiedene Bedürfnisse ist in der Laurentiuskirche genug. Die großen Vorräume und Eingangsbereiche der Kirche und des Gemeindezentrums sind ebenerdig zu erreichen, dort können Kinderwagen, Bobbycars oder auch Kinderroller abgestellt werden. Auch an einen Wickeltisch hat die Kirchengemeinde gedacht. In der Küche kann man bei Bedarf Fläschchen zubereiten und Gläschen erwärmen. „Selbstverständlich darf man auch im Gottesdienst stillen“, ergänzt Susanne Abrell, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Familien in der Kirchengemeinde Rohr engagiert.

An ganz simplen praktischen Faktoren können Eltern ebenfalls erkennen, dass an Familien mit kleinen Kindern gedacht wird: „Unsere Kirche ist im Winter immer warm“, erzählt Susanne Abrell, die diese Annehmlichkeit selbst sehr schätzt. Der moderne Kirchenraum aus dem Jahr 1980 mit seiner hohen Holzdecke wird von einer Fußbodenheizung erwärmt. So können die Kleinen auch mal auf dem Boden sitzen – und warme Füße finden sicherlich auch die anderen Gottesdienstbesucher angenehm.

Warme Füße und ein Wickeltisch sind zwar wichtig für Familien, aber das Angebot der Kirchengemeinde in Rohr geht weit darüber hinaus. „Als meine Kinder noch klein waren, habe ich mir überlegt, was ich gerne mit ihnen machen würde und was ich auch für andere anbieten könnte“, erinnert sich Susanne Abrell. Die Sozialpädagogin initiierte einen Krabbelgottesdienst, der heute als „Kirche für kleine Leute“  angeboten wird. Mittlerweile organisiert die Gemeinde auch eine Familienfreizeit in den Sommerferien und zweimal im Jahr Familiennachmittage, bei denen sich Eltern auf einen Kaffee treffen und zusammen mit ihren Kindern basteln.

Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, ihre Glaubensgemeinschaft aktiv im Alltag zu leben. Die ganz Kleinen kommen in den Krabbelgruppen und im Minikindergarten zum ersten Mal mit ihrer Kirche in Kontakt, in der Woche vor dem Osterfest wird eine Kinderbibelwoche angeboten,  der Kinder- und Jugendchor probt regelmäßig und führt einmal im Jahr ein Musical auf, die Konfirmanden gehen jedes Jahr auf eine Freizeit. Für Kinder und Jugendliche, die im Posaunenchor mitspielen wollen, gibt es eine zweijährige Jungbläserausbildung. Das Jugendwerk bietet Jungschargruppen und Konfi-Kreise an, und am Tag vor den Sommer- und Weihnachtsferien dürfen Kinder beim „Jungscharnachmittag spezial“ im Gemeindezentrum übernachten, bevor sie in die Ferien starten. Niederschwellige Angebote, wie ein Zum­ba-Kurs, der auch für kirchenferne Jugendliche interessant ist, stehen ebenfalls in Rohr auf dem Programm.

Was Familien mit schmalem Geldbeutel besonders schätzen: Die Teilnahme am Gemeindeleben soll für alle erschwinglich sein, deshalb wird ein großer Teil der Kosten von der Kirchengemeinde getragen. Falls es aber einmal am Geld scheitern sollte, so stehen finanzielle Hilfen zur Verfügung. Eine Stiftung übernimmt zum Beispiel bei Bedarf den Beitrag für die Konfirmandenfreizeit.

Aber mit der Finanzierung allein ist es nicht getan. Wer solche Aktivitäten in der Kirche entdeckt, der kann auch ahnen, dass es für so ein Angebot viele helfende Hände braucht. Von Pfarrerin Heike Meder-Matthis und Pfarrer Thomas Rumpf über die Kirchengemeinderäte bis zum Jugendwerk und vielen engagierten Ehrenamtlichen ziehen alle an einem Strang. Und irgendwann sind die Eltern auch selbst gefragt, ob sie das, was sie bekommen haben, nicht weitergeben wollen. So wie Susanne Abrell selbst aktiv wurde, ist es ihr wichtig, dass sich Familien immer wieder neu ins Gemeindeleben einbringen. Weil sich die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern und Kinder mit der Zeit ändern und weil sie so ihre Kirche für die Zukunft aktiv mitgestalten können.