Christliche Themen für jede Altersgruppe

Anspruch und Wirklichkeit - Impuls zur Predigt

2. Korinther 5,6-10 So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.

Anspruch und Wirklichkeit

Impuls für den vorletzten Sonntag des Kirchenjahres: 2. Korinther 5,1-10.

Von Heiko Zürn

Heiko Zürn ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Ohmenhausen in Reutlingen. Foto: Privat

 

Anspruch und Wirklichkeit klaffen manchmal ganz schön auseinander. Wahrscheinlich haben sie das auch schon erlebt. Man möchte gerne etwas besonders gut machen oder man weiß, was eigentlich zu tun wäre und doch scheitert man, mitunter kläglich, am hehren Anspruch. Aber nach außen soll das möglichst nicht dringen. Am besten soll es niemand wissen. Weil man ungern als jemand dasteht, der es nicht richtig macht. Paulus hält dieser Angst vor dem Gesichtsverlust und dem Versagen mit sehr persönlichen Worten entgegen, dass es bei Gott anders ist. Er erzählt den Korinthern und Korintherinnen, worauf er seine Hoffnung setzt. Bei Gott empfängt „ein jeder nach dem, was er getan hat im Leib es sei gut oder böse“. Vor dem Richterstuhl Christi kommt alles auf den Tisch, ist nichts vergessen. Bei Gott gibt es keine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, sondern Gerechtigkeit von „Angesicht zu Angesicht“. Gott löst ein, was wir hier nur zeitlich begrenzt und unvollständig erfahren können. Bei Gott wird alles offenbar.

Das Erstaunliche finde ich, dass dieser Gedanke bei Paulus keine Furcht auslöst oder Unruhe oder ein schlechtes Gewissen. Paulus bleibt gelassen, weil er auf Gottes Gnade vertraut und aus dieser Gnade lebt.

Heiko Zürn ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Ohmenhausen in Reutlingen. Foto: privatDann wird auch die Sehnsucht verständlich, von der Paulus den Korinthern schreibt. Von der Sehnsucht, daheim zu sein bei Gott, aus der er die Kraft für seinen Aposteldienst auch im Hier und Jetzt zieht. Die Vorfreude auf die ungetrübte Gottesgemeinschaft spornt den Apostel an, mit seinen Taten Gott zu gefallen, also entsprechend den Geboten Gottes zu leben.

Paulus malt mit seiner wunderbaren Jenseitshoffnung ein Trostbild für seine Gemeinde heute. Auch wenn diese ungebrochene Jenseitshoffnung nicht von allen Christen und Christinnen mehr so geteilt wird.

Doch so verstanden gewinnt das Bild des Richterstuhls Christi etwas Tröstendes und verliert den Schrecken, der manches mal in der Geschichte der Kirche arg strapaziert wurde. Denn nicht die Furcht vor Strafe gibt Paulus Kraft. Ihn lockt die Verheißung der Gottesgemeinschaft, in der vollumfängliche Gerechtigkeit herrscht. Noch bleibt diese ungetrübte Gemeinschaft, in der Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinanderklaffen, eine Zukunftsvision, eine Hoffnung, die uns tragen soll.

Bei Gott wird alles offenbar

Auf dem Weg dahin ist es gut und wichtig, wenn sich Christen einsetzen für eine Welt, in der diese Gottesgemeinschaft erfahrbar wird, immer wieder.

„Deswegen ist es für uns eine Ehrensache, ihm zu gefallen. Das gilt, ob wir schon zu Hause bei ihm sind oder noch hier in der Fremde leben“ so übersetzt die Basisbibel Vers 9. Das finde ich eine sehr schöne Formulierung. Es ist für Christen eine Ehrensache, sich für das Gute einzusetzen, Gerechtigkeit und Frieden zu suchen und so Gott zu gefallen. Und keine Angst davor zu haben, mit diesem Anspruch auch mal baden zu gehen.

Denn wenn etwas für mich Ehrensache ist, dann möchte ich es doch so gut machen wie ich kann.

Leser auf der BAnk. Foto: unsplash/Ben WhiteFoto: unsplash/Ben White

 

Gebet

Gott, halte in uns die Sehnsucht wach nach deinem Reich, in dem Gerechtigkeit und Friede herrschen.

Schenke uns Kraft und Mut, damit wir mit unserem Leben dir gefallen.