Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf dich kommt es an!

Jer 1,4–9  Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis: Jeremia 1,4-10.  Von Konrad Mohl



Auf dich kommt es an, Jeremia! Dich brauche ich, sagt Gott. Schon lange hat er einen Plan mit dem Priestersohn aus Anatot. Gott kennt uns, ehe es uns gibt. Noch bevor wir geplant, gezeugt und geboren wurden, hat er etwas mit uns vor. Ob uns das passt oder nicht. Das muss auch Jeremia erfahren. Begeistert ist er nicht, dass Gott ihn in Dienst nehmen will. Such dir einen anderen, würde er Gott am liebsten zurufen, als er von seinem Auftrag hört.
Jeremia wehrt sich! Er stellt sich als Taugenichts dar, hält sich für ungeeignet, verweist auf sein jugendliches Alter, die fehlende Erfahrung.
Doch Gott lässt das nicht gelten. Sage nicht: Ich bin zu jung. Sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Gott duldet keinen Widerspruch. Ähnlich wie bei Mose, der sich auch windet, bleibt Gott beharrlich. Doch er befiehlt nicht nur. Er gibt Jeremia auch die Kraft, diesen Auftrag auszuführen. Und er sagt ihm seine Hilfe zu: Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten!
Wo Gott uns sendet, da rüstet er uns aus. Er kennt den Weg für uns und gibt uns die Kraft ihn zu gehen. Wie reagieren wir, wenn wir spüren, Gott hat eine Aufgabe für uns? Verstopfen wir unsre Ohren? Ducken wir uns weg? Suchen wir das Weite wie Jona? Rufen wir wie Jesaja: „Hier bin ich. Sende mich!“?
Vielleicht halten wir uns für wenig geeignet. Mag sein. Es gibt immer jemand, der etwas besser kann als wir. Doch wir sind gefragt. Mit unserer kleinen Kraft, mit unserem schwachen Glauben, mit Fragen und Zweifeln, mit unseren Träumen und unserer Trägheit, mit unserem Perfektionismus und unseren faulen Kompromissen.
Wir sind gefragt. Denn was geschieht, wenn sich niemand mehr einmischt? Unsere Gesellschaft krankt daran, dass sich keiner mehr exponieren will. Politiker mit Format zu finden, ist nicht leicht. Denn die Kritik derer, die sich selber nicht trauen und stattdessen in den sozialen Netzwerken beißende Häme ausgießen, ist allgegenwärtig. Die Gewissenhaften belasten damit ihr Gewissen. Kein Wunder, wenn sich am Ende oft genug die mit großer Klappe durchsetzen, an deren riesigem Ego jegliche Kritik teflongleich abperlt.
Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Und nur wer nichts tut, macht angeblich keine Fehler. Wir müssen nicht perfekt sein. Wenn Gott uns so gewollt hätte, hätte er uns so gemacht.
Gottes Bodenpersonal ist selten makellos, da gibt’s den Totschläger Mose und den Ehebrecher David. Und unter den Anhängern Jesu finden wir neben Zöllnern und Prostituierten den Leugner Petrus und den Zweifler Thomas.
Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben. Er kann aus den Bruchstücken unseres Lebens etwas Neues und Ganzes machen, wenn wir sie ihm hinhalten. Gottes Geist wirkt in uns und durch uns. Darauf können wir vertrauen. Jeremia hat etwas zu sagen, nicht weil er so clever und eloquent ist, sondern weil Gott mit ihm ist und ihm die Worte in dem Mund legt.
Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Wo will Gott mich haben? Was hat er mit mir vor? Wo kann ich mich einbringen mit meinen Gaben, meinem Schwung? Gott will uns dabeihaben, wenn er sein Reich unter uns baut. Wir dürfen mithelfen, mit unseren Fähigkeiten und Grenzen. Gelassen und getrost, weil wir wissen: „Es kommt auf dich an, aber es hängt nicht von dir ab.“ (Pierre Stutz)

Gebet
Tritt du zu mir und mache leicht
Was mir sonst fast unmöglich deucht
Und bring zum guten Ende,
Was du selbst angefangen hast
Durch Weisheit deiner Hände.

Aus: Evangelische Gesangbuch Nr. 497,9; Paul Gerhardt