Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ausschau halten - Impuls zur Predigt

Jeremia 23,5-6   Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.“

Ausschau halten

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag im Advent: Jeremia 23,5-8.

Von Regina Korn

Regina Korn ist Pfarrerin in Bad Mergentheim. Foto: Privat

„Nicht müde werden/ sondern dem Wunder/ leise/ wie einem Vogel/ die Hand hinhalten.“ Von Hilde Domin, der Dichterin des „Dennoch“, wie sie einmal genannt wurde, stammt dieses Gedicht. In ihren Worten lässt uns die Dichterin erwartungsfroh nach vorne schauen. 1954 war sie nach 22 Jahren Exil nach Deutschland zurückgekehrt und lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2006 in Heidelberg. Eigenes Erleben und ihre Gedanken in eine poetische Sprache zu fassen, war ihr zu dem geworden, was sie durch ihr Leben trug – gerade auch in schweren Zeiten.

Regina Korn, Pfarrerin in Bad Mergentheim. Foto: PrivatDas Gedicht, auf einer Karte aufgeschrieben, kann ich von meinem Schreibtisch aus sehen. Es hat mich durch eigene schwere Lebenssituationen hindurch begleitet. Früher schon manches Mal, aber vor allem im vergangenen Jahr, als mein Mann lebensbedrohlich erkrankt war. Was es heißt, eine solche Erkrankung mitten in der Corona-Pandemie durchzustehen, habe ich selbst erlebt und erfahren und kann mitfühlen, wenn andere davon erzählen. Wenn die Besuchszeiten im Krankenhaus eingeschränkt sind. Wenn die Angst, sich anzustecken und dem Lebenspartner dieses Virus hinzutragen, das Leben lähmt. Damals suchte ich nach guten Worten wie diesem Gedicht, die mir Vertrauen gaben und die Hoffnung in mir wachhielten, dass das Leben noch andere Geschichten für uns bereithält.

„Siehe“ – das hebräische Wort „Hineh“ setzt ein Ausrufezeichen. Es steht für einen Anfang. Jetzt beginnt etwas. Schaut nach vorne, auch wenn ihr noch nicht so weit sehen könnt. „Siehe“ – der Prophet Jeremia weist in Gottes Namen auf das hin, was in die Zukunft hineinreicht. Es reicht weiter, weit über das hinaus, was wir aus uns selbst heraus schon erahnen könnten. Da erzählt einer einem müde gewordenen Volk Hoffnungsgeschichten. Er erinnert an das, was war, wo Gott schon einmal geholfen hat. Und er erzählt davon, was einmal sein wird und wonach sich die Menschen sehnen. Sie sollen Hilfe erfahren, sie werden sicher wohnen und der, der da kommen wird, wird für Gerechtigkeit stehen.

Schaut nach vorne

„Nicht müde werden“ – in diesem zweiten Jahr der Corona-Pandemie nehme ich die Müdigkeit vieler Menschen wahr. Wir wollen doch endlich ohne die Angst, uns selbst und andere mit diesem Virus anzustecken, leben. Und wir sehnen uns auch danach, dass es für die anderen Probleme unserer Zeit Hilfen und eine hoffnungsvolle Zukunft geben kann. Ich denke da zum Beispiel an die Klimakrise und die weltweite Not der Menschen, die auf der Flucht sind. Vielleicht sind wir in unserem Erleben der Müdigkeit den Menschen der Zeit Jeremias näher als gedacht und daher auch für seine hoffnungsvollen Worte offen.

Mit dem Beginn der Adventszeit gehen wir Christinnen und Christen auf die größte Hoffnungsgeschichte unseres Glaubens zu. „Siehe, es kommt die Zeit.“ Da ist schon vor über 2000 Jahren in einem Stall in Bethlehem etwas Hoffnungsvolles geschehen. Und dies reicht weiter in unser Leben hinein und darüber hinaus. An Weihnachten erzählen wir wieder diese Hoffnungsgeschichte von der Geburt eines Kindes. Jetzt im Advent halten wir mit unseren Liedern und Gebeten Ausschau danach.

Kleinkind. Ausschau halten. Foto: unsplash/Paul HanaokaFoto: unsplash/Paul Hanaoka

Gebet

Wir strecken uns nach dir, in dir wohnt die Lebendigkeit.

Wir trauen uns zu dir, in dir wohnt die Barmherzigkeit.

Wir öffnen uns vor dir, in dir wohnt die Wahrhaftigkeit.

Wir freuen uns an dir, in dir wohnt die Gerechtigkeit.

Du bist, wie du bist: Schön sind deine Namen.

Halleluja.

Amen.

 

Nach Friedrich Karl Barth


Regina Korn ist Pfarrerin in Bad Mergentheim.