Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bartimäus - kurze Biographie eines Nachfolgers

In wenigen Worten schildert das Evangelium nach Markus die Geschichte vom blinden Bartimäus. Er schreit nach Jesus, obwohl alle versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Er wird von Jesus geheilt und danach sein Jünger.  Dazu trennt sich Bartimäus von allem, was er besitzt.

 

 

Wenn die Bibel einen Namen nennt, geschieht das nicht beiläufig. Es soll dadurch etwas unterstrichen und betont oder eine Verknüpfung hergestellt werden zu einer Gestalt, von der man womöglich schon gehört hatte. Unter denen, die die Bibel beim Namen nennt, ist auch Bartimäus. Er gehört nicht zu den bekannten Jüngern des inneren Kreises um Jesus. Er wird nicht einmal von allen Evangelisten beim Namen genannt. Der Evangelist Markus aber tut es (Markus 10,46-52). Er will dadurch sagen, hier geschieht etwas so Bedeutsames, dass man sich an diesen Namen erinnern soll.

Seine Lebensgeschichte ist in einem Satz zusammengefasst: Bartimäus, Sohn des Timäus, ein blinder Bettler aus Jericho, saß am Wegrand. Was er besaß, trug er bei sich, seinen Mantel. Obwohl er am äußersten Rand der Gesellschaft stand, wusste er dennoch Bescheid über das, was in ihr vorging. Er war blind, aber nicht taub, und an der Straße hörte er, was die Leute sprachen. Als der Lehrer Jesus, der „Rabbi“, die Stadt erreichte, wusste Bartimäus, wer er war.

Die erzählerische Kunst des Evangelisten Markus besteht darin, dass er die Geschichte mit dem richtigen Maß an kräftigen und feinen Strichen erzählt. Bartimäus’ Leben ist in wenigen Worten knapp skizziert. Er ist ein hoffnungsloser Tropf. Aber dann ändert sich der Ton, wird dramatischer, zugespitzter: Bartimäus schreit nach Jesus, als der sich mit vielen Menschen nähert. Er nennt ihn „Sohn Davids“, also Messias, und „Rabbuni“, also „mein Meister“. Ist das nun das ­übliche Bettlertheater, um dem ­berühmten Wunderprediger (oder seinen Begleitern) etwas aus den Rippen zu leiern? Den Umstehenden ist das peinlich und sie befehlen ihm, er solle den Mund halten. Das ist auch eine eigenartige Selbstverständlichkeit: Wenn man ganz unten steht, haben alle das Recht, ­einem zu sagen, was man darf. Ein blinder Bettler hat kein Recht, für sich selbst einzustehen. Bartimäus setzt sich aber darüber hinweg und brüllt umso lauter. In diesem Geschrei tritt Bartimäus als Person hervor. Er ist nicht nur ein blinder Bettler. Er ist Bartimäus.

Konzentriert man den weiteren Verlauf der Geschichte auf Bartimäus, so tut dieser vier Dinge: Als Jesus ihn rufen lässt, wirft er ­seinen Mantel fort und läuft zu ihm. Auf die Frage Jesu, was er für ihn tun solle, fleht er, sehen zu können, und nachdem Jesus ihn geheilt hat, wird er sein Jünger. Markus ist ein einzigartig brillanter Erzähler: Er zeigt in wenigen, schlichten Sätzen, wie ein Mensch zum Jünger wird.

Indem Bartimäus seinen Mantel fortwirft, trennt er sich von allem, was er besitzt. Das ist eine bedeutende Geste, denn einige Verse zuvor vermochte der reiche Jüngling eben gerade dies nicht (Markus 10,22). Die Frage Jesu, was er für ihn tun solle, wirkt überflüssig; Bartimäus ist blind und verspricht sich – ja was wohl? – Heilung davon.

Es ist typisch für Jesus, dass er von denen, die zu ihm kommen, verlangt, sich ihm gegenüber klar zu äußern. Pauschalen Erwartungen oder unausgesprochenen Bitten kommt er nicht nach. Jesus ist kein Notzauberkünstler. Es mit ihm zu tun zu haben, bedeutet aufrichtig zu sich selbst zu sein. Beides, Aufrichtigkeit und seinen Mantel zurückzulassen, machen Bartimäus bereit, ein Jünger zu werden. Und genau das tut er. Während der reiche Jüngling traurig in sein altes Leben zurückkehrt, folgt Bartimäus Jesus von nun an.

Es ist die Kurzbiografie eines Nachfolgers, die Markus hier geschrieben hat. Doch was er damit auf den Punkt bringt, ist die existentielle Frage, was man zurücklässt um des Glaubens willen.

Uwe Metz

 

 

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