Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bewusst erleben - Advent - Zeit der Besinnung

Advent – eigentlich eine Zeit der Besinnung, der Vorbereitung auf Weihnachten. In der modernen Welt allerdings ist diese Zeit eher von Hektik und Stress geprägt. Da tut es gut, sich auf die Ursprünge zu besinnen. Ein kleiner Einblick.

Die Kerzen am Adventskranz anzünden und sich bewusst Zeit nehmen. Foto: adobe stock/ S.H.exclusivDie Kerzen am Adventskranz anzünden und sich bewusst Zeit nehmen. Foto: adobe stock/ S.H.exclusiv

Der Duft von Tannen und Plätzchen, die Vorfreude auf Weihnachten – das verbinden viele Kinder mit der Adventszeit. Erwachsene fühlen sich oft eher im Stress, wollen möglichst noch viel erledigen, haben zum Jahresende hin viel zu tun und wünschen sich, dass das Jahr bald herum ist. Doch Advent muss nicht von Hektik bestimmt bleiben. Ein Blick auf Ursprung und Bräuche kann dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.

Das Wort Advent bedeutet Ankunft; wir als Christen meinen damit die Ankunft von Jesus Christus, die wir an Weihnachten feiern. Aber auch die Ankunft Jesu am Ende der Zeiten. Über die Jahrhunderte hindurch wurde die Zeit vor Weihnachten, der Advent, als Vorbereitung auf das Fest begangen.

Deshalb war der Advent kirchlich gesehen ursprünglich eine Fastenzeit, die 40 Tage umfasste. Je nachdem, ob man die Sonntage einbezog oder nicht, begann die Fastenzeit am 25. oder am 11. November, und sie endete am 6. Januar, damals das Weihnachtsfest. Die orthodoxen Kirchen feiern Weihnachten auch heute noch an diesem Datum.

Heilendes Gebäck

Dass es im Advent Plätzchen gibt, passt scheinbar wenig zu einer Fastenzeit. Doch schon in der Bezeichnung „Lebkuchen“ steckt ein Hinweis auf seinen Sinn: Das Wort „leb“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Heil- und Arzneimittel“. In Klöstern wurden Gärten für Arzneimittel angelegt, die Pflanzen und daraus gewonnenen Säfte wurden als Arznei häufig in Gebäckform verabreicht. Lebkuchen ist also in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Heilsgebäck. Nach altem Brauch sollen Lebkuchen mit siebenerlei oder neunerlei Gewürzen gebacken werden, und das hat Gründe.

So galt die Zahl Sieben im Mittelalter als Ausdruck der Vollendung. In sieben Tagen kommt die Erschaffung der Welt zu ihrem Abschluss: Nach sechs Tagen ruhte Gott einen Tag. Sieben Tage hat die Woche – und die sieben Gewürze waren im Mittelalter ein Sinnbild dafür, dass jeder Tag der Woche vom Segen Gottes durchdrungen sein soll.

Lebkuchen. Foto: adobe stock/ la_vandaLebkuchen. Foto: adobe stock/ la_vanda

Doch welche Gewürze genau zu den sieben gehören, ist ein Geheimnis der Lebkuchenbäcker. Zu den Klassikern gehören Zimt, Nelken, Piment, Koriander, Ingwer, Kardamom und Muskatnuss oder Macis, es können aber auch Gewürze ausgetauscht werden. Die neunerlei-Gewürze sind da schon genauer definiert: Piment, auch Nelkenpfeffer genannt, Zimt, Ingwer, Anis, Koriander, Kardamom, Muskat, Nelken und Fenchel. Die Neun stand im Mittelalter für den „vollendeten Lobpreis Gottes“: drei Mal drei. Drei Elemente Erde, Luft und Wasser, Himmel, Erde und Hölle, und natürlich auch der dreieinige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Symbol des Sieges

Der Adventskranz ist im Vergleich zum Lebkuchen eine recht junge Erscheinung: 1839 gab es den ersten, Johann Hinrich Wichern gilt als sein Erfinder. Der Gründer des „Rauhen Hauses“ in Hamburg, ursprünglich ein „Rettungsdorf“ für verhaltensauffällige und auch straffällige Jugendliche. Wichern stellte im Betsaal der Einrichtung ein Holzrad mit jeweils vier weißen Kerzen für die Adventssonntage und je einer roten Kerze für die Werktage auf. Jeden Tag wurde eine neue Kerze angezündet.

So wollte Wichern den Jugendlichen die Wartezeit bis Weihnachten verkürzen. In evangelischen Haushalten setzte sich der Adventskranz bis zum Ende des 20. Jahrhunderts durch – freilich mit weniger Kerzen, eine für jeden Adventssonntag. Das Tannengrün kam um 1860 dazu. Der Kranz gilt übrigens als Zeichen des Sieges; er entstand in Anlehnung an den Lorbeerkranz in der Antike. Todeskränze sind so gesehen ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. Der „originale“ Adventskranz wird übrigens heute noch in Einrichtungen des Rauhen Hauses aufgestellt, auch in der Hamburger Kirche St. Michaelis und im Hamburger Rathaus gehört er dazu.

Der Wichern’sche Adventskranz gilt auch als Vorläufer des Adventskalenders. Aus der Tradition, für jeden Tag der Adventszeit eine Kerze anzuzünden, entstanden vielfältige weitere Formen: Familien mit Kindern hängten 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven auf oder malten für jeden Tag im Advent einen Kreidestrich an die Tür.

Adventskalender. Foto: adobe stock/ familyifestyleAdventskalender. Foto: adobe stock/ familyifestyle

1902 veröffentlichte die evangelische Buchhandlung Friedrich Tümpler den ersten gedruckten Adventskalender, ein Jahr später druckte der Münchner Verleger Gerhard Lang einen Bogen mit 24 Bildern zum Ausschneiden sowie einen zweiten Bogen mit 24 Feldern, in die die ausgeschnittenen Teile eingeklebt werden konnten.

Im Laufe der Zeit erfand Lang immer weitere Varianten. Mit dem Nationalsozialismus fand der Adventskalender sein vorläufiges Ende. Die Regierung schaffte den Begriff Advent kurzerhand ab und brachte einen Kalender mit dem Titel „Vorweihnachten“ heraus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Adventskalender wiederbelebt.

In vielen Städten und Gemeinden hat sich darüber hinaus der „Lebendige Adventskalender“ etabliert: Treffen im Freien, bei denen es eine Andacht gibt oder ein Lied, manchmal beides, vor der Pandemie auch gerne mit einem Glas Punsch.

Lieder, die prägen

Das Warten auf den wiederkommenden Herrn und die künftige Erlösung sind auch typische Themen in den Adventsliedern. „Tochter Zion“ beispielsweise bezieht sich auf Sacharja 9,9: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze“. 1826 dichtete Friedrich Heinrich Ranke zu dieser Bibelstelle einen Text, der auf eine Melodie von Georg Friedrich Händel passte. Weil das Lied die Ankunft von Jesus feiert, wurde es sehr schnell zu einem der beliebtesten Adventslieder.

Ein weiterer Klassiker ist das von Georg Weissel 1642 gedichtete „Macht hoch die Tür“. Pietisten in Halle erfanden mehr als 80 Jahre später dazu die Melodie, die uns heute noch so geläufig ist. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Lied; heute ist es nicht mehr wegzudenken. Viele andere Lieder gehören zum Advent, im Evangelischen Gesangbuch sind es allein schon 22. Es lohnt sich, sie erneut zu entdecken und zu Hause zu singen! □