Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bitte um neuen Segen - Impuls zur Predigt

Psalm 85,10-12 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.

Bitte um neuen Segen

Impuls für den drittletzten Sonntag des Kirchenjahres: Psalm 85,1-14.

Von Katja Pfitzer

Katja Pfitzer ist Pfarrerin an der Amanduskirche in Bad Urach.

 

Die Tage sind dunkler im November. Auch die Gedanken werden schwerer. Der nahe Winter, fallende Blätter und kalte Winde erinnern uns an unsere Vergänglichkeit. So vieles belastet und verunsichert: die Corona-Pandemie, Unwetterkatastrophen, die Veränderung des Klimas, Trauer und Abschied. Manchmal sind wir zuversichtlich, gestärkt aus allen Herausforderungen hervorzugehen. Solche Erfahrungen betreffen auch unsere Beziehung zu Gott. Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen Vertrauen auf der einen und Zweifel und Enttäuschung auf der anderen Seite.

Psalm 85 nimmt die Bandbreite der Erfahrungen auf, die Menschen mit Gott machen. Nicht jeder und jede erlebt ihn jederzeit gütig und zugewandt. Viele könnten wohl einstimmen in die Frage in Vers 7: „Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann?“

Katja Pfitzer ist Pfarrerin an der Amanduskirche in Bad Urach. Foto: PrivatIn die Unsicherheit unserer Gottesbeziehung und die Sehnsucht nach einer friedlichen und lebenswerten Welt hinein spricht Psalm 85, der in der Lutherbibel 2017 überschrieben ist mit „Bitte um neuen Segen“. Damit wird vorausgesetzt, dass es bereits Erfahrungen mit Gottes Zuwendung und Segen gibt, auf die zurückgeblickt werden kann: Herr, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast erlöst die Gefangenen Jakobs.

Paul Gerhardt dichtete 1653 „Herr, der du vormals hast dein Land mit Gnaden angeblicket“ (EG 283). Er hatte als Kind den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges miterlebt und seine Eltern verloren. Er hat dennoch, wie die Betenden im Psalm, bei aller Erfahrung von Leid und Not sein Gottvertrauen nicht verloren. Wie der Psalm endet Paul Gerhardts Lied mit der tiefen Zuversicht: „Der Herr wird uns viel Gutes tun.“

Der Ausblick auf eine heilvolle Zukunft beginnt in Vers 10: Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne.

In den folgenden Versen wird die Heilszeit mit wunderbaren Bildern beschrieben: dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.

Ausblick auf eine heilvolle Zukunft

Was für ein anschauliches Bild, dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen! Wie ein Liebespaar, innig und vertraut. Dies ist so anders als oftmals unsere Erfahrungen mit menschlicher Gerechtigkeit und Frieden. Gerechtigkeit, die doch nicht allen gerecht werden kann, und Friede, der oft mehr einem fragilen Waffenstillstand gleicht als einem alle Lebensbereiche heilsam umfassenden Zustand der Geborgenheit und Sicherheit.

Im Psalm wird eine Bewegung aus vier Richtungen beschrieben: Gerechtigkeit vorausgehend und folgend, vom Himmel herabschauend, und Treue, die von der Erde hinauf zum Himmel wächst. So entsteht der Eindruck allumfassender Gerechtigkeit und Geborgenheit. Gerechtigkeit und Güte werden von Gott geschenkt. Sie werden von den Betenden erfleht und ersehnt, weil wir Menschen sie nicht selbst verwirklichen können.

Wie die Betenden können wir Hoffnung schöpfen, indem wir uns auf die Bewegung des Psalms einlassen. Gott hat bereits früher Segen geschenkt, er schenkt erneut Segen und Heil. Indem wir dem Ende des alten Kirchenjahrs entgegensehen, sehen wir gleichzeitig dem neuen Kirchenjahr entgegen. Dem Advent und der Aussicht auf den wiederkommenden Herrn, der schon einmal vom Himmel auf die Erde herabgekommen ist. □

Foto: unsplash/S. B. VonlanthenFoto: unsplash/S. B. Vonlanthen

Gebet

Barmherziger Gott, Lachen und Weinen, Zweifel und Zuversicht – alles ist bei dir geborgen.

Wir bitten dich: Bewahre uns vor Verzweiflung.

Schenk uns Zuversicht und ein getröstetes Herz im Vertrauen auf dich