Christliche Themen für jede Altersgruppe

Christus treu bleiben

Offenbarung 1,17–18  Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. 


Impuls für den letzten  Sonntag nach Epiphanias: Offenbarung 1,9-18.  Von Rainer Köpf


Rainer Köpf ist Pfarrer an der Stiftskirche in Beutelsbach.


Der „Seher“ Johannes lebte auf der Insel Patmos im ägäischen Meer. Wer die Insel umwandert, braucht dafür rund zwei Stunden. Es ist nur ein kleines Inselchen. Das Alcatraz der Verbannten. Ein Gefängnis mitten im Meer. Dorthin waren Leute ausgebürgert worden, die dem römischen Staat missliebig geworden waren, darunter viele Christen. Der römische Kaiser Domitian (51-96 n.Chr.) hatte verlangt, dass alle Welt ihn als Gott anbetete. Auf den Geldmünzen, die er prägen ließ, hatte sich Domitian so provozierend darstellen lassen, wie es kein Vorgänger gewagt hatte: als erhabener Gott im überirdischen Strahlenkranz. Sieben leuchtende Sterne sollten seine himmlische Allmacht demonstrieren. Beim staatlich verlangten Kaiseropfer musste ihm die Bevölkerung religiöse Verehrung zollen. Millionen römischer Untertanen gingen vor seiner Büste auf die Knie und nannten ihn Kaiser und Gott, Caesar und Kyrios. Die Christen haben an dieser Zeremonie nicht teilgenommen. Sie wollten nicht den „Herrlein“ dieser Welt, sondern allein dem auferstandenem Herrn Jesus Christus ihr „Kyrie“ entgegen singen. Diese widerständige Haltung ist sie teuer zu stehen gekommen. Sie wurden aus ihren Häusern vertrieben, als Galeerensklaven verkauft, ins Gefängnis gesteckt, den Löwen zum Fraß vorgeworfen oder wie Johannes auf Patmos in die Verbannung geschickt.

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Doch nun wird es Sonntag, der „Tag des Herrn“. Und inmitten dieser scheinbar hoffnungslosen Verfolgungssituation reißt der dunkle Himmel auf. Während eines Gottesdienstes hat Johannes eine Erscheinung. Er hört zunächst einen Ton und sieht dann ein Bild. Er hört eine „große Stimme, wie von einer Posaune“. Es ist der Klang des Schofarhornes. Als Signalinstrument kündigt es den Beginn einer neuen Zeit an. Der Sabbat, der im Judentum als Vorgeschmack der Ewigkeit gilt, wird mit dem Ruf des Schofar eröffnet. Der posaunenartige Weckruf soll sagen: „Pass auf, Johannes, jetzt öffnet sich der Vorhang und du schaust hinein in die Ewigkeit.“ Was der „Seher“ dann sieht, ist Jesus Christus selbst. Auch wenn dieser in der Bildbeschreibung nicht namentlich erwähnt wird, alle Indizien weisen auf ihn hin. Johannes sieht Jesus Christus in einem Licht, das alle Schatten dieser Welt überstrahlt. 

Drei Herrschaftssymbole sind Christus zugeordnet. Zum einen hält er „sieben Sterne in seiner Hand“. Das ist eine deutliche Zurückweisung des kaiserlichen Machtanspruches. Domitian mag schöne Münzen prägen, aber Jesus Christus hält die Gestirne tatsächlich in seiner Hand. Das zweite Symbol ist ein „scharfes, zweischneidiges Schwert“, welches aus Jesu Munde hervorgeht. Das Schwert ist Symbol für die Macht. Dass das Schwert nicht in der Hand, sondern im Mund Jesu liegt, zeigt: Wahre Macht wird nicht erkämpft, sondern kommt aus dem schöpferischen Wort Gottes. Das dritte Zeichen ist „der Schlüssel des Todes und der Hölle“, den der Auferstandene bei sich trägt. Schlüssel haben für die Verfolgten aller Zeiten eine bildhafte Kraft. Wer angekettet oder eingesperrt leben muss, sieht im Schlüssel ein Zeichen der Freiheit. Im Gefängnis sitzend meint man vielleicht, Kaiser Domitian habe die Schlüsselstellung in der Weltgeschichte. Doch der Blick hinter den Vorhang zeigt, dass Gott im Regimente sitzt. Er hat die wahre Schlüsselgewalt, die die herrliche Freiheit der Kinder Gottes bewirkt.
Manches mag uns an diesen alten Worten und Bildern fremd vorkommen, aber dass der Blick auf Christus tröstet und befreit, das bleibt durch die Jahrhunderte hindurch wahr. Gerade auch im Sonntagsgottesdienst wird es immer wieder von den Betrübten erfahren: „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt.“ (Bundespräsident a.D. Gustav Heinemann)

Gebet
Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis ins Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.
Johann Gottfried Herder in Evangelisches Gesangbuch Nr. 74, Strophe 4