Christliche Themen für jede Altersgruppe

Damit wir getröstet werden

Johannes 14,25–27 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Impuls zum Predigttext für Pfingsten: Johannes 14,23–27.  Von Christian Rose

Der promovierte Theologe Christian Rose ist Prälat der Prälatur Reutlingen.


„Bist du noch recht bei Trost?“, fragt der Volksmund und zweifelt am Verstand eines Menschen. Merkwürdige Redewendung. Verständlich wird sie, wenn man sich klar macht, dass der ursprünglich rechtliche Begriff „Trost“ irgendwann einmal zum Ausdruck für den inneren Halt, die innere Stärke eines Menschen wurde. Wer nicht recht bei Trost ist, der hat den inneren Halt, die innere Stärke verloren. Wer nicht recht bei Trost ist, weiß nicht mehr weiter im Leben.

So mag es den Jüngern Jesu gegangen sein, als sie sich verständnislos Jesu Abschiedsreden (Johannes 13,31–16,33) anhören mussten. Vielleicht klangen Jesu Worte für sie so: Liebe Freunde, ich bin nur noch eine kleine Weile bei euch, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen und ihr werdet mich suchen. Wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hingehen. Aber keine Angst, ich will euch nicht verwaist zurücklassen. Ich komme wieder zu euch. Freilich, ganz anders, als ihr Euch das vorstellt. Ich werde euch einen anderen „Tröster“, den Heiligen Geist, senden, der für immer bei euch sein wird (Johannes 14,15+16). Er wird euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Denkt an meine Worte, bleibt in meiner Liebe, haltet Frieden untereinander. Ich gebe euch meinen Frieden, der so ganz anders ist, als das, was ihr in Eurem Alltag erlebt.

Ich stell mir vor, wie sich die Jünger ratlos anschauen, irgendwie nur „Bahnhof“ verstehen. Sie verlieren den inneren Halt. Sie sind nicht recht bei Trost, als die Ereignisse in Jerusalem ihren Lauf nehmen: Jesus wird verhaftet, verhört, verspottet, verurteilt, gekreuzigt und ins Grab gelegt. Verwirrt stehen die Jünger unterm Kreuz, können nicht fassen, was da geschieht. Am Ostermorgen versammelt sich das Häuflein der verzagten Jünger hinter verschlossenen Türen. Es ist einer der Momente, in denen Menschen die Lebensbalance, die Contenance, verlieren und verzweifelt fragen: Was nun? Wie gehts weiter?

Es braucht schon ein Wunder, um die Zuversicht nicht zu verlieren. Johannes erzählt uns von einem solchen Wunder am Ostermorgen (Johannes 20,19–23): Durch verschlossene Türen hindurch tritt Jesus mitten hinein in den Kreis derer, die nicht mehr weiterwissen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und er bläst die Jünger an: Nehmt hin den Heiligen Geist!“

Bei Johannes fallen das Oster- und das Pfingstwunder zusammen! Am Ostermorgen empfangen die Jünger den Heiligen Geist. Johannes nennt ihn „Paraklet“. Er ist in auswegloser Situation „Beistand“, damit die Jünger getröstet werden. Damit sie ihren inneren Halt, ihre innere Stärke finden. Pfingsten ist für Johannes dazu da, damit wir getröstet werden! Eine getröstete Kirche ist eine Kirche bei Verstand, die darum weiß, woher sie die Kraft nimmt für die anstehenden Zeiten.

Mit der Eingangsfrage des Heidelberger Katechismus gefragt: „Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?“ Johannes würde antworten: dass du deinen inneren Halt beim Parakleten hast. Johannes verwendet den Begriff Paraklet, für den Heiligen Geist (Johannes 14,16+26) und für Jesus Christus (1. Johannes 2,1). Im Parakleten ist der auferstandene Christus selber präsent. Ostern und Pfingsten fallen zusammen! Welch ein Wunder!

Wenn Menschen mich fragen, welche Vision von Kirche ich habe, dann möchte ich an Pfingsten 2015 antworten: Meine Vision ist eine Kirche, die bei Trost ist. Eine Kirche, die ihren inneren Halt nicht verliert. Eine Kirche, die aus der Kraft des Heiligen Geistes lebt. Eine getröstete Kirche ist eine Kirche, die sehr genau weiß, woher sie ihre Zuversicht nimmt für die Zeiten, die da kommen. Die Pfingstbotschaft des Johannes will unser Herz erreichen, damit wir getröstet werden. Trost und Klugheit im Leben und im Sterben.

 

Ihr Gebet





Gebet

Unser Vater im Himmel, wir bitten dich:
Gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir fähig werden,
den kleinen und doch so großen Schritt zu wagen:
heraus aus dem Trost, mit dem wir uns selber trösten.
hinein in die Hoffnung auf dich.
Lass nicht zu, dass wir etwas ohne dich beginnen.
Zeige uns, wie gut es ist,
dir zu vertrauen und auf dich zu hören.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 260.