Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den Glauben vermitteln - Mit Kindern den Glauben leben

Nicht nur zur Weihnachtszeit beim Krippenspiel – an jedem Tag im Jahr kann im Alltag mit Kindern der Glaube gelebt werden. Das findet die Buchautorin Christine Schniedermann und meint damit mehr als nur das Gebet am Abend oder das Vorlesen biblischer Geschichten.

Was dem Vater Halt gibt, stützt auch das Kind. Foto: adobe stock/ KostiaWas dem Vater Halt gibt, stützt auch das Kind. Foto: adobe stock/ Kostia

„Was würdest Du machen, wenn Jesus heute zu Dir nach Hause käme?“ – „Ich würde Jesus meinen Hamster zeigen, weil ich den so lieb habe.“ Dieses Zitat eines fröhlichen Kinds ist gleichzeitig der Titel eines Buchs von Christine Schniedermann. Die katholisch sozialisierte Mutter zweier Kinder hat sich damit beschäftigt, wie Eltern ihre Kinder im Alltag an Glaubensdinge heranführen.

Ausgangspunkt für sie war ihre Beobachtung, dass der Glaube in modernen Familien eine immer geringere Rolle spiele. Viele Eltern sehen gar keine Notwendigkeit mehr dafür, den Glauben an ihre Kinder zu vermitteln. Warum sie das falsch findet, schreibt Schniedermann gleich zu Beginn: „Weil ich denke, dass Glaube Halt geben, zum Nachdenken anregen und ein guter Lebensrat sein kann: Was kann ich Mitmenschen Gutes tun? Was tun, wenn ich Mist gebaut habe? Wie verhalte ich mich gegenüber Schwächeren oder Ausgegrenzten?“ Für sie ist „die große Botschaft von Jesus die Liebe und sie ist das Beste überhaupt, denn Liebe kann so viel erreichen! Dies meinen Kindern mitzugeben, finde ich sehr wertvoll und sinnvoll.“ Mit manchem, was in der Kirche passiert, hadert Schniedermann, doch „vieles von dem, was in der Bibel steht, eignet sich als Rüstzeug für den gesamten Lebensweg“.

Zentrale Botschaft ist die Liebe

Ähnlich sieht das auch der Pfarrer und Religionspädagoge Frieder Harz. Für den Autor zahlreicher Bücher ist Glaube „kein vom sonstigen Leben abgegrenzter Bereich, kein Sahnehäubchen zu den Ereignissen des Lebens“, sondern „das Salz in der Suppe“. Etwas, das tief im Leben wurzelt. Glaubenserfahrungen sind für ihn Wegweiser, die der Lebensreise Sinn und Ziel geben, ein Halt gebender Anker. „Kinder brauchen Halt und Vertrauen, Mut zum Leben, Lebensfreude“, sagt Harz weiter. Der Glaube gebe solchen Erfahrungen „eine Tiefe, die noch weiter reicht als das, was Menschen geben können“. Das Ziel in der religiösen Erziehung sei, eine hilfreiche Gottesbeziehung zu entwickeln, die ihren Ausdruck in Ritualen, Geschichten, Liedern, Gebeten, Gesprächen und Festen findet.

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Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Christine Schniedermann erzählt in ihrem Buch sehr konkret, wie Glaube im Familienalltag eine Rolle spielen kann. Ehrlich, in einfacher, lebensnaher Sprache und mit einer gehörigen Portion Humor beschreibt sie, wie in der eigenen Familie der Advent vor lauter Stress aus dem Ruder läuft, wie das Tischgebet dem Mittagshunger zum Opfer fällt, wie sich die Sprachlosigkeit angesichts des Todes anfühlt. In so mancher Szene werden sich viele – auch kirchenferne – Familien wiederfinden.

Christine Schniedermann hangelt sich dabei zunächst am Kirchenjahr entlang, ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Advent und Weihnachten. Hier ermuntert sie, die vielen Termine, Aktivitäten und Erledigungen im Advent nicht als To-Do-Liste sondern als Teil von Jesu Botschaft der Liebe zu betrachten. Bei schweren Themen wie Karfreitag lässt sie ihren eigenen Gedanken und Gefühlen Raum und weist praxisnahe Wege, wie Eltern Leiden, Tod und Auferstehung erklären können.

Die Einblicke in die Erstkommunion-Vorbereitung sind auch für evangelisch Getaufte ein Gewinn, etwa wenn es in der „Hitliste“ der Bibel-Geschichten um den Kern der wichtigsten Erzählungen geht. Auch bei Festen wie Pfingsten, Erntedank und St. Martin findet Schniedermann hilfreiche und zeitgemäße Ansätze. Denn Kinder sind nicht nur für Laternenumzug und selbstgebackene Martinsgänse empfänglich, sondern auch für das Vorbild des Heiligen, der eben nicht wie so manches Instagram-Idol mit seinem coolen Mantel prahlt und weiterreitet, sondern die Not des anderen sieht und teilt.

Wann beginnt der Überdruss?

Christine Schniedermann beschreibt, wie der ganz normale Alltag voller Glaubens-Anlässe steckt – ob nun beim Tischgebet oder beim Backen. Das Geheimnis liegt also darin, Religion nicht nur an Sonn- und Feiertagen stattfinden zu lassen, sondern an sieben Tage die Woche. Neben vielen Tipps und konkreten Ideen für Gebete, Gottesdienstbesuche und Abendrituale erzählt die Autorin von den eigenen Unsicherheiten.

Denn auch das gehört zu einer authentischen Glaubensvermittlung: „Eltern sollten das praktizieren, zu dem sie selbst Zugang finden und das zusammen mit den Kindern gestalten“, bestätigt Frieder Harz. Dabei sei es wichtig, „von den Kindern zu lernen, neugierig zu sein, sich auf Gespräche einzulassen und den Gedanken und Fragen der Kinder mit Nachdenklichkeit statt schneller Antworten zu begegnen“.

Die Frage nach der Balance zwischen zu viel und zu wenig beschäftigt Christine Schniedermann genauso wie Frieder Harz. „Wenn ich im Alltag auf ein Thema stoße und mit den Kindern darüber spreche, frage ich mich, ob ich sie daran erinnern soll, dass es eine Bibelgeschichte dazu gibt, wo es auch schon Thema war. Hilft das weiter, es im Alltag einzuflechten, festigt es die Idee des christlichen Glaubens bei meinen Kindern oder kommt irgendwann der Überdruss?“ Für den Religionspädagogen Frieder Harz liegt der Schlüssel für das rechte Maß in den Kindern selbst: „Sie selbst gestalten die religiöse Seite ihrer Entwicklung, indem sie auf Angebote reagieren und das annehmen, was zu ihnen passt.“ Erwachsene Begleiter sollten dafür offen sein.

Wenn das gelingt, können Kinder auch mit Gegenwind oder Hänseleien aus dem Umfeld umgehen. Sie wissen, dass sie eigene Überzeugungen und Familientraditionen haben dürfen, stehen dazu und achten diese auch bei anderen. So vermittelt erleben Kinder beide Dimensionen des Glaubens: Die überzeitliche Dimension, die sich als roter Faden durch die Geschichte zieht und tragfähige Grundbotschaften für das Leben bereithält, und die Anknüpfung an das, was Menschen heute bewegt, ihre Erfahrungen, Bedürfnisse, ihre Freuden, Nöte und Fragen.

Das kann die große Frage nach dem Woher und Wohin des Lebens ebenso sein wie das bedrückende Gefühl nach einem Streit mit dem besten Freund. Oder, ganz einfach: die Liebe zum Hamster

Buch-Tipps

Christine Schniedermann:

Ich würde Jesus meinen Hamster zeigen!

Aus dem Glaubensalltag mit unseren Kindern.

Herder 2021

16 Euro

 

 

Frieder Harz:

Das große Bibel-Vorlesebuch.

Mit 35 Erzählungen durch das Kirchenjahr. 

Für Kita, Schule, Familie und Gemeinde.

Gütersloher Verlagshaus 2020

34 Euro

 

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