Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den Heiland sehen - Impuls zur Predigt

Lukas 2,29-32 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

 

Den Heiland sehen

Impuls für den 1. Sonntag nach dem Christfest: Lukas 2,29-32.

Von Anne-Kathrin Kruse

Anne-Kathrin Kruse ist Dekanin des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall.

Dekanin Anne-Kathrin Kruse, Schwaebisch Hall. Foto: PrivatSimeon spricht dieses denkwürdige Gebet. Und unendlich viele Münder singen, sprechen, flüstern oder beten seine Worte nach – jeden Abend im Komplet, dem Nachtgebet der Kirchen. Denn der Schlaf ist wie ein kleines Sterben, eine Einübung ins Loslassen. Simeon ist ein Geistbegabter. Einer, der auf Zeichen des Trostes für das jüdische Gottesvolk horcht und erhört wird. Die Bildende Kunst zeigt ihn als Greis mit dem kleinen Jesus auf seinen steifen Armen. Man könnte meinen, dass er morgen früh nicht mehr von seinem Lager aufstehen wird. Das Lukasevangelium selbst weiß nichts von seinem Alter. Zum Loslassen, ja zum Sterben bereit zu sein, muss nicht heißen, dass der Tod unmittelbar bevorsteht. Eine solche Lebenshaltung verändert das Leben in jeder Lebensphase, macht es tiefer.

Als Simeon den Säugling endlich in den Armen hält, gehen ihm die Augen über. „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht sattsehen …“ Wohl jeder und jede sehnt sich danach, ihn einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen in all seiner Herrlichkeit. Gott wird Mensch. Er lässt sich berühren in einem kleinen Kind, so klein, so zart – ein Wunder. Und kommt uns darin ganz nah. Er wird einer von uns. Aber mehr noch: Gott wird ein jüdisches Kind – wird wie jedes jüdische Kind beschnitten und bekommt einen jüdischen Namen. Seine Mutter bringt Gott ein Dankopfer. Sein Vater löst ihn als Erstgeborenen, der Gott gehört, aus. So erzählt es Lukas. Und Jesus bleibt ein praktizierender Jude – bis zu seinem Tod am Kreuz. Das macht ihn uns zugleich zu einem Fremden, Anderen, der uns entgegenkommt. Wir tun uns oft schwer mit diesem Gedanken und verstehen ihn nicht. Warum ist Jesus ausgerechnet ein Jude? Vielleicht, weil unsere Befreiung von außen kommen muss. Jesus gehört uns nicht, er gehört uns nicht allein.

Als solcher ist er ein Licht für uns Menschen aus der Völkerwelt. Er macht uns vertraut mit der Segensgeschichte Gottes mit seinem Volk und nimmt uns mit hinein. Er bringt uns die Schrift nahe, die Weisungen Gottes, die uns Hilfen zum Leben sein wollen, zuallererst das Gebot der Nächstenliebe, die wunderbaren Gebete der Psalmen, den lebenspendenden Gottesdienst, die großartigen Verheißungen der Propheten. Durch ihn wird es hell im Todesschattenland. Stellvertretend für sein Volk wird Jesus für uns zu dem Menschen, der Gott vorbehaltlos dient und damit dem Gottesvolk selbst alle Ehre macht – so wie wir ihm alle Ehre machen sollen. Was bedeutet das für uns in einem Land, in dem im Durchschnitt täglich vier Straftaten gegen Jüdinnen und Juden gemeldet werden?

Gott wird Mensch

„Ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“ Eine wunderbare und zugleich eine beunruhigende Erkenntnis. Wirkliches Erkennen und Wahrnehmen hat mit Liebe zu tun. Eines Tages, wenn es Gott gefällt, werden wir durch seine unglaubliche Großzügigkeit und Liebe im Licht stehen und seine Herrlichkeit sehen. Vielleicht auch schon heute.


Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht sattsehen;

und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer,

dass ich dich möge fassen!

EG 37,4

Krippe. Heiland. Retter. Jesus. Foto: Vickie McCarty, pixabayHeiland. Retter. Jesus. Foto: Vickie McCarty, pixabay

Gebet

Wunderbarer Gott, „und wir sahen seine Herrlichkeit.“ So wünschen wir uns heute, deine Herrlichkeit zu sehen.

Wir wünschen es denen, die im Dunkel leben.

Hilf uns hoffen und sehen und lieben, dass deine Herrlichkeit in uns allen hell wird.

Amen.

 

Anne-Kathrin Kruse ist Dekanin des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall.

 

 

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