Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den Segen hautnah spüren

Eine Berührung sagt oft mehr als tausend Worte. Das gilt für viele Situationen, doch ganz besonders dann, wenn man den anderen mit Reden gar nicht mehr erreicht. Drei berührende Beispiele aus der ­Lebenswelt von Demenzkranken, Sterbenden und Alltagsmenschen.

Die Hand, die dich hält: Zuspruch und Berührung sind für Sterbende und Demenzkranke besonders wichtig. (Foto: epd-bild)

Dekan Erich Hartmann aus Calw liebt seinen blauen Stein. Irgendwann einmal hat er ihn gekauft und in seine Jackentasche gesteckt. Seither ist er sein ständiger Begleiter. Immer da, wenn man ihn braucht. Man kann ihn direkt anfassen oder mit ihm still und heimlich auf Tuchfühlung gehen.

Der blaue Stein ist eine Perle des Glaubens. Ein Stück von jenem Armband, das vor Jahren einmal in Mode kam. Erich Hartmann hat seine Perle ganz bewusst gewählt: Es ist die blaue Perle der Gelassenheit, die er für sich ausgesucht hat. Sie hilft ihn „im Umgang mit schwierigen Themen und anderen Menschen“.

Schwierige Themen gibt es genug für den Dekan eines Kirchenbezirks und da ist es gut, „nicht zu schnell und zu ungestüm zu reagieren und barmherzig zu sein im alltäglichen Miteinander“. Daran erinnert ihn seine Perle immer wieder.

Perlen sind auch die Menschen, die sich um Sterbenskranke kümmern. Alleine 300 Ehrenamtliche engagieren sich im Hospiz Stuttgart, sitzen am Bett der Patienten, halten Hände, sprechen ihnen einen Segen zu.

„Die Kombination von Zuspruch und Berührung ist besonders wirksam“, sagt Elisabeth Kunze-Wünsch, „wirksamer als wenn der Segen nur gesprochen wird.“ Die Pfarrerin leitet das Hospiz, das vom Kirchenkreis Stuttgart getragen wird und 500 Menschen jährlich ambulant betreut. Acht stationäre Pflegeplätze gibt es für die, die niemanden zu Hause haben, der sich um sie kümmert.

Kümmern ist ein weiter Begriff. Da gibt es die Grundversorgung, das Waschen, Einreiben und Verbinden. Aber auch das, was mit diesen intimen Momenten verbunden ist: Zuwendung, achtsamer Umgang, Annäherung mit Respekt, Berührung, die guttut.

Das will gelernt sein. „Wir trainieren das mit Rollenspielen“, sagt Pfarrerin Kunze-Wünsch, die weiß, dass dabei keine Grenzen überschritten werden dürfen: „Es kann ein Zuwenig, aber auch ein Zuviel an Berührung geben.“

Sensibilität ist auch im Umgang mit Demenzkranken erforderlich. Auch hier spielen Berührungen im Alltag eine sehr große Rolle. Sie sind sogar Teil der Therapie und werden professionell geschult. „Basale Stimulation“, heißt etwa eine Methode, die ursprünglich für den Umgang mit Behinderten entwickelt wurde. Alle Sinne sollen dadurch angesprochen werden. Christina Führding, Pflegedienstleiterin im Demenzzentrum Haus am See in Heilbronn-Böckingen, hat damit viele gute Erfahrungen gemacht.

Dabei ist die Berührung der Körperhaare von großer Bedeutung: Streicht man gegen die Wuchsrichtung, wirkt es anregend, mit der Wuchsrichtung hingegen beruhigend. Je nach dem, was gebraucht wird. „Vor einigen Jahren“, sagt Christina Führding, „hätte man vielleicht Tabletten gegeben.“

Auch Worte können helfen und das gilt sogar für Demenzkranke, die ihren Sinn nicht immer verstehen. Der Klang der Stimme, das einfühlsame Gesprochene kann Wunder wirken und auf eine ganz eigene Art berühren.