Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Emmausjünger - Gottes Wort wirkt

Wenn der Glaube erschüttert ist, zieht es viele wieder zurück zu dem Leben, wie es vorher war. So ging es auch den Emmaus-Jüngern. Ihre Biographie bringt uns zu unserer Lebensgeschichte, die durch Gottes Wort verändert werden will.

Außer dem Namen des einen erfahren wir über die Jünger von Emmaus nahezu nichts. Kleopas und sein Freund waren während der Ereignisse um Karfreitag und Ostern 30/31 nach Christus in Jerusalem. Von dem
Auferstehungsgerücht hatten sie wohl gehört, aber geglaubt haben sie es nicht. Vermutlich befanden sie sich auf dem Heimweg nach Emmaus, einem kleinen Ort bei Jerusalem, etwa elf Kilometer entfernt.

Dass so wenig über die beiden bekannt ist, konzentriert die Aufmerksamkeit ganz auf das Geschehen. Zugleich aber wie in jeder großen Erzählung öffnet die Geschichte der Emmaus-Jünger die Möglichkeit, sich selbst in die Situation zu versetzen. Literarisch gesehen, sind diese 22 Verse ein Meisterstück. Kleopas und sein Freund waren auf dem Heimweg. Sie hatten in Jerusalem erlebt, wie ihre Hoffnung starb. Sie gehörten dem Rabbi Jesus von Nazareth an. Auf ihn hatten sie alle Hoffnung gesetzt. Hoffnung ist eine der stärksten Lebenskräfte. Sie hebt den Blick aus tiefer Dunkelheit und lässt nach dem Licht Ausschau halten, das man noch nicht sieht. Doch ohne Hoffnung fallen wir „fort von allen Sonnen“ (Nietzsche). Jenseits
der Sonnen, das ist der Ausgangspunkt. Jesus, ihre Hoffnung war tot. Mehr noch – und es ist erstaunlich, dass es hier ein „Mehr noch“ gibt: Er war gekreuzigt worden.

Die Kreuzigung war eine öffentliche Todesfolter. Sie war ein pragmatisches, von Rom inszeniertes Grauen.
Ihr Zweck war nicht nur, eine Hinrichtung durchzuführen, sondern auch den Zuschauern zu demonstrieren, was denjenigen passiert, die sich Rom widersetzen. Die Hoffnung, die Kleopas und sein Freund in Jesus gesetzt hatten, war also nicht nur tot. Sie war bis in die Wurzel ausgerottet und der Boden, in dem
sie gediehen war, mit Salz gedüngt. Der Weg nach Emmaus war kein Heimweg. Er führte aus dem Abgrund
in den Abgrund. Nach solch einer Erschütterung, wie sie Kleopas und sein Freund erlebt haben, kommt man nicht mehr heim und macht einfach da weiter, wo man aufgehört hat.

Aber wo hätten sie sonst hingehen sollen? Die Hoffnungslosigkeit, diese Hoffnungslosigkeit zu ermessen,
ist beinahe kaum möglich. Die „Rede des toten Christus“ des Dichters Jean Paul versucht es und
sie ist ihm selbst so unerträglich, dass er sie in den Rahmen eines Traumes setzt, aus dem der Leser erwachen kann. Paulus selbst macht sich nichts vor und schreibt, „wenn Jesus tot ist, dann sind die Christen die Elendsten unter allen Menschen“, vielleicht die Stelle in seinen Briefen mit der gewaltigsten existenziellen Wucht (1.Korinther 15,39). Und dann fährt er lapidar fort, „nun ist Christus aber auferstanden von den Toten“. Soweit waren Kleopas und sein Freund zunächst nicht. Es ist erstaunlich, dass die Bibel nicht nur ein Glaubens, sondern auch ein Unglaubensbuch ist. Das zeigt sich in den Emmaus-Jüngern beispielhaft deutlich. Menschen ohne Glauben können natürlich nur den Kopf schütteln über die, die glauben. Aber wie ist es mit denjenigen, die glauben, aber es gibt nichts, an das sie glauben können, den unfreiwilligen Nihilisten?

Genau an diesen Punkt bringt einen der Evangelist Lukas in der Geschichte. Kleopas und sein Freund verhalten sich wie jeder, der eine erschütternde Enttäuschung erlebt hat: Sie kehren zurück zu dem, was sie kennen, ihr altes Leben, und lassen ihre Gedanken darum kreisen, wie es zu dieser Erschütterung kam.
Wenn man in der Geschichte der Emmaus-Jünger nach Biographie sucht, dann stößt man auf seine eigene Biographie. Wer jetzt zur Bibel greift und die Geschichte der Jüngervon Emmaus in Lukas 24,13ff. aufschlägt um zu schauen, wie es mit ihnen weitergeht, der folgt instinktiv dem, was die tiefe Absicht der Bibel ist. Thomas Merton schrieb: „‚Gottes Wort‘ wird an konkreten Erfahrungen erkannt, weil es mit jedem, der es tatsächlich ‚hört‘, etwas macht. Es verwandelt seine ganze Existenz.“
Genau das geschieht jetzt.

Uwe Metz

 

 

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