Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Welt und ihr Retter - Impuls zur Predigt von Landesbishof Frank Otfried July

Matthäus 1,22-23 Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben“, das heißt übersetzt: Gott mit uns.

 

Die Welt und ihr Retter

Impuls zum Predigttext für die Christnacht: Matthäus 1,18-25.

Von Frank Otfried July

Frank Otfried July ist Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Evangelische Kirche Landesbischof July. Foto: PressbildIn jeder Nacht auf dieser Welt geschieht es: Kinder werden geboren. Manche in bestens ausgestatteten Kreißsälen, umgeben von Ärzten und Hebammen. Glücklich herbeigesehnt oder sorgenvoll erwartet. Oder aber: in vielen Ländern ohne medizinische Versorgung, in elenden sozialen Verhältnissen, begleitet von Ängsten. An jedem Tag und in jeder Nacht dieser Welt ist die Vielfältigkeit des Lebens den Gesichtern der Eltern und Kinder ansehbar.

In der Christnacht feiern wir die Geburt eines Kindes, eines einzigen Kindes. Warum? Warum gedenken wir in dieser Nacht dieses Kindes? Über ihm steht die Verheißung „Immanuel“ – Gott mit uns. An diese Verheißung wird Josef erinnert und auf ihre Erfüllung vorbereitet, so beschreibt es der Predigttext.

Gott mit uns. Das ist nicht das Hissen einer verbalen Kriegsflagge oder eine Parole. Es meint hier etwas völlig anderes. In die Verletzlichkeit unseres Lebens tritt Gott in dieser Nacht zu uns – selbst als Verletzlicher. Einer, der sich dieser Welt ausliefert. Auf dass niemals jemand wieder alleine sei, der auf und an dieser Welt zu leiden hat.

Mit der Geburt Jesu kommt Gott selbst in die irdischen Zusammenhänge hinein. Die bedrückenden Gesetzlichkeiten, unter denen Menschen leben, werden durch diese Gegenwart in ein neues Verhältnis gesetzt – durch den Christus, den Erlöser dieser Welt. Christus kommt in unsere oft grausame Realität hinein und erlöst uns von ihrer fesselnden Kraft. Er kommt zu uns und teilt Krankheit, Leiden, Schmerz und Tod.

Was das Matthäusevangelium ausdrücken will, das ist auch für uns eine bahnbrechende Botschaft: Christus beginnt eine neue Zeitrechnung. Sie beginnt bei seiner Geburt durch Maria. Eine Jungfrau wird ein Kind gebären. Das bedeutet, dass etwas völlig Neues beginnt. Etwas ganz anderes, noch nie Geschehenes, noch nie Gesehenes.

Denn eine Geschichte, die sich verheddert und verstrickt hat, braucht eine heilsame Unterbrechung. Die Gewaltspirale wird nur gestoppt, wenn einer aussteigt. Diese Erdengeschichte, verstrickt und dunkel, wie sie ist, braucht ein Weihnachten, damit sie neu beginnen kann in der Liebe.

Immanuel - Gott mit uns

Und das alles ist ein Gottesgeschenk. Nicht durch Menschenmühe zu erkämpfen, zu verdienen oder herbeizuführen. Der unverfügbare Gott macht sich selbst aus freiem Willen und ohne unser Zutun verfügbar und greifbar. Wie die Jungfrau zum Kind, so kommt die Welt zu ihrem Erlöser. Nicht, dass sie es verdient hätte oder hätte verdienen können oder müssen.

Es ist Gottes Gnade, die das Böse überwindet. Das Kind einer Jungfrau wird einst aus dem Tod auferstehen. Es nimmt den bösen Kräften der Welt ihre alles bestimmende Macht. Sie haben nicht das letzte Wort. „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden“, das ist der Zuspruch des erwachsenen Gottessohnes (Johannes 16,33).

Nach Monaten der Pandemie, mit einem Weihnachtsfest ohne die Möglichkeit vielfältiger Begegnungen, hören wir die Botschaft: Gott mit uns, auch in dieser Weihnachtsnacht. Uns geboren, zum Trost, zur Erlösung, zur Hoffnung. Gerade in diesem Jahr, in dunkler Nacht, ist das in besonderer Klarheit hör- und sichtbar: Gelobt sei Gott in Jesus Christus, seinem Sohn. □

 

Weihnachtskrippe. Foto: Dan Kiefer/UnsplashWeihnachtskrippe. Foto: Dan Kiefer/Unsplash

Gebet

Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit teil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil.

Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, Gott, Messias, bet ich an.

Christian Fürchtegott Gellert 1757,
EG 42,4.5


Frank Otfried July ist Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen