Christliche Themen für jede Altersgruppe

Doppeltes Totengedenken - Allerheiligen und Allerseelen

Allerheiligen ist für evangelische Christen kein unbekanntes Datum. Das katholische Fest wird jedes Jahr am 1. November begangen und gilt in fünf Bundesländern als gesetzlicher Feiertag. Doch welche Geschichte hat es durchlaufen und wie verhält es sich mit der kleinen Schwester Allerseelen am 2. November? Fragen, die auch für Nichtkatholiken von Interesse sind.

 Grabkerze. Erinnerung an Verstorbene. Foto: Goran Horvat, PixabayGrabkerze. Erinnerung an Verstorbene. Foto: Goran Horvat, Pixabay

Anfang November fallen rote Lichter auf geschmückten Gräbern ins Auge. Wenn diese besondere Stimmung auf den Friedhöfen herrscht, gedenken katholische Christen ihrer verstorbenen Angehörigen und der Heiligen. Beide Feiertage bilden seit dem 10. Jahrhundert ein Doppelfest und sind als Totengedenktage miteinander verbunden. Viele Bräuche, wie die der Grablichter, des Friedhofbesuchs oder der Gräbersegnung, sind auch in evangelischen Regionen bekannt. Aber was verbirgt sich eigentlich religionsgeschichtlich dahinter?

Das katholische Hochfest Allerheiligen wird zu Ehren der offiziellen und unbekannten Heiligen gefeiert. Am Anfang stand ein Fest für Märtyrer, die in den ersten Jahrhunderten nach Christus für ihren Glauben gestorben waren. Später kamen dann, nach den offiziell von der katholischen Kirche heiliggesprochenen Personen wie beispielsweise Franziskus von Assisi, die vielen Unbekannten dazu, denen kein eigener Feiertag zugeteilt wurde. Da es mehr als 6000 heilig- und seliggesprochene Frauen und Männer gibt, entstand Allerheiligen als Sammelgedenktag.

Der „Herrentag aller Heiligen“ geht auf Johannes Chrysostomos zurück, im vierten Jahrhundert Erzbischof von Konstantinopel. Der Tag wurde am Sonntag nach Pfingsten gefeiert und stand in direktem Zusammenhang mit Ostern. Das Leben der Heiligen spiegelte nach der Lehre der Ostkirche das Heilsgeschehen der Auferstehung aus 1. Korinther 15,23 wider. Orthodoxe Christen feiern das Fest auch heute noch am Sonntag nach Pfingsten.

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Eine zweite Wurzel des Festes ist römischen Ursprungs. Am 13. Mai 609/610 weihte Papst Bonifatius IV. in der Westkirche das den antiken Göttern geweihte Pantheon in Rom als christliche Kirche für die Jungfrau Maria und alle Märtyrer. Das jährliche Fest wurde am Freitag nach Ostern begangen, da der theologische Zusammenhang mit Ostern immer noch präsent war. Ein Jahrhundert später erweiterte Papst Gregor III. das Fest auf alle Heilige und legte für Rom den Feiertag auf den 1. November fest. Da der Feiertag mit seinem neuen Datum in der Westkirche beliebt war, erfolgte 835 durch Papst Gregor IV. die endgültige Festlegung für die gesamte römischkatholische Kirche auf den 1. November.

Parallel dazu beeinflussten keltische Traditionen, die von irischen Mönchen auf den Kontinent gebracht wurden, die zeitliche Verschiebung: Der 1. November war ein zentraler Termin des keltischen Jahres, weil er als Jahresbeginn zugleich mit dem Winteranfang zusammenfiel. Die in vielen Ländern von Kindern praktizierten Halloweenbräuche am Abend des 31. Oktober („All Hallows Eve“, der Abend vor Allerheiligen) gehen auf diese Tradition zurück. Insgesamt macht die religionsgeschichtliche Entwicklung deutlich, dass der direkte Zusammenhang mit Ostern im Laufe der Zeit schwächer wurde. Stattdessen setzte sich die Vorstellung eines bäuerlichen Jahres mit seinem Werden und Vergehen der Natur durch, über der die unvergängliche Welt der Heiligen sichtbar wird.

Und Allerseelen? Die Fürbitte um Heiligung aller Verstorbenen bei Gott steht bei diesem Fest im Vordergrund. Früher stand dahinter die Lehre vom Fegefeuer, die inzwischen als überholt gilt. Abt Odilo vom Kloster Cluny führte das Fest 998 für die Toten der Abtei Cluny ein, von wo es sich rasch ausbreitete. Seit dem II. Vaticanum (1962 – 1965) wurde es für katholische Christen zu einem kleinen Osterfest in der dunklen Jahreszeit, an dem Verstorbene durch Gott geheiligt werden. Das ist ein schöner Gedanke, den auch Protestanten gut teilen können.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der EKD in der Rubrik "Stille Zeit"

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