Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine von acht Milliarden - Impuls zur Predigt

5. Mose 7,6-8 Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

Eine von acht Milliarden

Impuls zum Predigttext für den 6. Sonntag nach Trinitatis: 5. Mose 7,6-12.

Von Christina Hirt


Christina Hirt ist Pfarrerin in Grötzingen im Kirchenbezirk Nürtingen. Foto: Privat

Während einer Autofahrt werde ich auf ein Lied im Radio aufmerksam. Es ist ein Liebeslied. Der Sänger staunt darüber, wie wunderbar seine Beziehung mit einer Frau zustande gekommen ist. Im Kehrvers wird öfter wiederholt: „Ich weiß es nicht, doch ich frag es mich schon: Wie hast du mich gefunden? Einer von achtzig Millionen.“

Was für ein Gefühl ist das, der Auserwählte zu sein! Noch wunderbarer, wenn man sich gar nicht beworben hat. Wenn man einfach so „gefunden“ und geliebt wurde. Ganz ohne Wahlkampf, ohne Präsentation der eigenen Vorzüge, ohne Ausstechen unter Konkurrenten. Da wird man plötzlich einzigartig und besonders, obwohl man doch eigentlich ganz normal ist.

„Ich habe dich erwählt“, sagt Gott in unserem Text. Er sagt es zum Volk Israel. „Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt.“ Und zwar aus keinem anderen Grund als „weil er euch geliebt hat“.

Für das Volk Israel war und ist das Wissen um die Erwählung durch Gott identitätsstiftend. Die Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei ist darin so etwas wie die erste und entscheidende Begegnung. Dass der Liebesbund dabei nicht nur Privilegien mit sich brachte, wird in der wechselvollen Geschichte dieses Volkes deutlich. Sie hatten gute und böse Tage miteinander. Aber Gottes Treue bleibt.

Als Christen stehen wir hier erst einmal wie Zuschauer am Rand. Wir sind so etwas wie die Hochzeitsgäste, die sich über diese Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk mitfreuen sollen.

Trotzdem können wir den Grundgedanken dieses Textes in einem zweiten Schritt auch auf das eigene Leben und den eigenen Glauben beziehen. Denn Gottes Liebe weitet sich im Lauf der biblischen Geschichte. Durch Jesus Christus geht sie schließlich als Einladung an die ganze Welt. An ihm können Christen den Beginn ihrer Liebesgeschichte mit Gott festmachen. Bei ihm finden sie Gottes Zeichen der Treue und erkennen seine mächtige Hand, die Erlösung schafft. So gehören sie zu ihm. Seine Treue gilt auch ihnen, in guten wie in bösen Tagen. Auch sie sind Auserwählte. Ist das zu exklusiv gedacht? Zu überheblich?

„Ich habe dich erwählt“, sagt Gott

Wenn die eigenen Vorzüge bei der Auswahl keine Rolle spielten, dann werden sie auch danach nicht die entscheidende Rolle spielen können. Es ist also nicht angebracht, sich als etwas Besseres zu betrachten. Es ist eher angebracht zu fragen: Wozu bin ich berufen, wenn ich Gottes Wahl annehme und sage: „Ja, ich will“? Jesus gibt seinen Jüngern jedenfalls mit: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt“ (Johannes 15,16).

Heute aber soll die Basis dieser Beziehung im Fokus stehen und das Staunen darüber, wie sie zustande kam. Die Freude darüber, dass ich von Gott geliebt bin. Ein ganz normaler Mensch ohne besondere Vorzüge oder Qualifikationen. Ich weiß es nicht, doch ich frag es mich schon: Wie hast du mich gefunden? Eine von acht Milliarden. □

Mädchen genießt die Sonnenstrahlen. Foto: Melissa Askew/UnsplashFoto: Melissa Askew/Unsplash

 

Gebet

Herr, du kennst mich, und du hast mich erwählt.

Nimm mich also, wie ich bin, und zeige mir, wie du mich haben willst.

Amen.

 

Christina Hirt ist Pfarrerin in Grötzingen im Kirchenbezirk Nürtingen.

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