Christliche Themen für jede Altersgruppe

Israel lieben lernen – mit Paulus

Römer 9,2–5  Ich habe große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen. Denn ich wünschte, selbst verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch. Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch.  


Impuls zum Predigttext für den 10. Sonntag nach Trinitatis: Römer 9,1-5; 10,1-4.  Von Harry Wassmann

Blinder Hass gegen den Staat Israel richtet sich 2018 auch gegen jüdisches Leben in Deutschland. Einheimische und zugewanderte Schreihälse, verblendete Judengegner erheben ihre Stimmen. Was tun? Programme gegen Antisemitismus werden staatlicherseits aufgelegt. Reicht das? Was kann ein eigener Beitrag von Christen sein? Mit Paulus die Stimme erheben – hier und heute.
Paulus ist ein Mann voller Gefühle. Er zeigt sie. Scham und Freude. Tränen, Schmerz und Trauer. Eine unermessliche Angst vor Trennung erschüttert ihn. Es wäre schlimm, wenn er als Jude getrennt wäre von Israel und somit von seinen Brüdern und Schwestern im Glauben, weil er Jesus als Christus bezeugt. Um Gottes willen, nein! Unerträglich ist ihm diese Vorstellung. Wenn das nur irgendwie zu verhindern ist! Alles würde Paulus dafür geben. Auch sich selber hingeben, oder – in äußerster Konsequenz – sogar von Christus getrennt sein wollen. Aber warum?
Paulus spürt, dass er alles verlieren würde, was Israel eigen ist und damit alles, was ihm lieb und heilig ist. Das hieße ja: Getrennt sein von seinem Volk, getrennt von den Wurzeln seines Glaubens, von allem, was ihn trägt. Er wäre ein Christ ohne Verwurzelung im Glauben Israels, ohne Gottes Treuezusagen, ein Ungebundener, ein Gesetzloser, ein Outlaw vor Gott. Ein Christus-Gottgläubiger, ohne den Horizont der Erfahrungen Israels. So ein Christusglaube wäre ein geschichtsloser Erlösungsmythos. Ein Gottessohn ohne Vater im Himmel.
Und auch das wäre für Paulus verloren: der Gottesdienst Israels, die Gebete und Feste, die Geschichten und Gebote, die Verheißungen und Hoffnungen. Christ sein ohne Israelverbindung geht für Paulus gar nicht. Selbst der Christus wäre dann verloren. Denn der Christus, der Messias, ist Teil der Hoffnungsgeschichte des jüdischen Volkes. Jesus ist Jude.
Das alles schreibt Paulus an Heiden- und Judenchristen in Rom. Er bittet inständig: Kein Hochmut! Tut bloß nicht so, als seid ihr etwas Besseres! Die Wurzel, der Glaube Israels, trägt auch euch Heidenchristen, die ihr nicht aus dem Volk Israel stammt. Und wo es derzeit Differenzen gibt, gibt es Hoffnung, dass diese auch vergehen werden.
Paulus schreibt diese Worte im Jahr 58 n. Chr. aus Korinth nach Rom. Die Gräben zwischen Kirche und Israel sind seither tiefer geworden. Deswegen gibt es umso mehr Grund, auf Paulus Stimme zu hören. Was kann das heute bedeuten? Spurensuche ist angesagt. Brücken suchen nach einer so langen Geschichte der unsinnigen Trennungen und Abgrenzungen der Kirche vom Judentum. Ist in Vergessenheit geraten, wie tief uns unser Gottesdienst, das Herzstück christlichen Lebens, mit Israel verbindet? Vom Eingangswort über Psalmen, Predigt und Vaterunser bis zum Segen. Hier das Jüdische im Christlichen zu entdecken, zu verstehen und wert zu schätzen, ist ein Schritt hin zu einer Israelsympathie, für die  Paulus eintritt. Damit wahr wird, was Paulus vorausschickt: Nichts soll uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist (Römer 8,39).
Und was heißt das politisch-praktisch für heute? Das Wort des Paulus bewegt uns zu Israelsympathie. Das ist noch etwas anderes als Aufklärung und Information über Antisemitismus. Politische Kritik am Staat Israel ist möglich. Immer schon. In Israel und außerhalb Israels. Heute aber verdienen zuerst Diktaturen und Terrorregime, die Israel zu vernichten suchen, unsere entschiedene Kritik. Mit Paulus Worten gesprochen: Ich selber wünschte verflucht und von Christus getrennt zu sein, wenn ich da den Mund nicht aufkriege.

Gebet
Gott,
Du bist uns nah
in deinem Wort und Geist,
Juden wie Christen.
Wir loben Deinen heiligen Namen.
du bist unser Trost und unser Heil.
Nichts soll uns von Deiner Liebe trennen,
alle Tage – bis ans Ende der Welt.
Amen.