Christliche Themen für jede Altersgruppe

Johannes - Seine Herrlichkeit sehen - Die Jünger Jesu (Teil 7)

Er gilt als der Lieblingsjünger Jesu, er war Apostel und schrieb ein Evangelium. Die Rede ist von Johannes. Die Bibel berichtet von einer großen Nähe zwischen dem Jünger und Jesus, doch die Hauptbotschaft der Erzählungen ist eine andere.

 

 

I love Jesus. Foto: Jakob Kowalsky / PixabyFoto: Jakob Kowalsky / Pixaby

Wenn man Menschen, die mit der Bibel vertraut sind, nach ihrem Lieblingsevangelium fragt, ist die Antwort sehr oft das Johannesevangelium. Dafür gibt es vermutlich zwei Gründe: Das Johannesevangelium ist das Abendländischste unter den Evangelien. Es schmiegt sich der Art unseres Denkens an und wir finden uns schneller hinein als beispielsweise in das spröde Markusevangelium. Der zweite Grund ist, dass der Autor des Johannesevangeliums mit dem Jünger Johannes identifiziert wird, demjenigen, von dem es heißt, er sei der Lieblingsjünger Jesu gewesen. Nur im Johannesevangelium wird die außergewöhnliche Nähe zwischen den beiden erwähnt, eine Nähe, an der man selbst teilhaben möchte.

Traditionell wird der Apostel darüber hinaus auch als Autor der Johannesbriefe und der Offenbarung gesehen. Zu jener außergewöhnlichen Beziehung tritt eine ­außergewöhnlich vielseitige Schaffenskraft.

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Liest man die Briefe, das Evangelium und die Offenbarung sehr aufmerksam, ist es schwierig zu behaupten, dass jener Jünger Jesu ihr Verfasser sein soll. Es gibt zwar Gemeinsamkeiten, aber die Widersprüche in Sprache und Glaubensauffassung lassen sich nicht ausräumen, insbesondere zwischen dem Evangelium und der Offenbarung. Tatsächlich ist es so, dass sich Johannes als Person verliert unter den vielen Rollen, die er als Apostel und Prophet, Gemeindeführer und Briefeschreiber einnimmt.

Es ist natürlich und selbstverständlich, dass wir uns in einer Erzählung mit einer Figur identifizieren wollen. Wir finden etwas von uns in ihr. Die starken Bilder, die von Johannes, dem Lieblingsjünger ausgehen, bieten Anknüpfungspunkte: Er liegt an Jesu Brust beim letzten Abendmahl (Johannes 13,23) Er steht als einziger der Jünger unter dem Kreuz und nicht abseits (Johannes 19,26). Jesus vertraut ihm seine Mutter an, macht ihn zu ihrem Sohn (Johannes 19,27). Das sind Bilder, die eine starke Verbindung und Intimität ausdrücken. Aber diese Bilder beschreiben keine Person. Das Anliegen der Bibel ist nicht, Biographien der Apostel zu sammeln. Das Anliegen der Bibel ist, den Glauben an Jesus Christus auszudrücken. Deshalb stehen die Bilder im Vordergrund, nicht die Person, ihr Ansehen oder die Details ihrer Lebensgeschichte. Die Frage also ist, was diese Bilder auslösen, die über den Lieblingsjünger an mich herangereicht werden.

Tatsächlich löst Johannes, der Lieblingsjünger, der Evangelist, Seher und Briefeschreiber sehr gegensätzliche Reaktionen aus: Für die einen ist er derjenige, durch die sie das Evangelium unmittelbar erreicht, für die anderen ist die überbordende Nähe Jesu zu einem Jünger befremdlich, ja abstoßend. Die einen treffen die Worte des Johannesevangeliums mitten ins Herz, die anderen hören nur krudes, verworrenes „Gesummse“ (so der deutsche Theologe Yorick Spiegel).

Die idealisierenden, übertriebenen, überspitzten, kurz in allem ganz ungewöhnlichen Worte und Bilder zielen völlig auf die Botschaft ab, die der Lieblingsjünger in sich und zu uns trägt. Und diese Botschaft lautet: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Und wir sahen seine Herrlichkeit (Johannes 1,14).

Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, das ist die Erfahrung des Lieblingsjüngers. Das Johannesevangelium entfaltet diese Botschaft. Es rückt einen in die unmittelbare Nähe dieser Herrlichkeit. Kein anderes Evangelium steht derart kompromisslos, man möchte fast sagen übertrieben kompromisslos dafür ein, dass Jesus Christus Herr und Gott ist. Insofern ist es beinahe folgerichtig, dass das Evangelium des Johannes nur von Jesu Lieblingsjünger geschrieben werden konnte. □

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