Christliche Themen für jede Altersgruppe

Konsequent in der Liebe - Impuls zur Predigt

Jona 3,1-10 (in Auszügen) - Es geschah das Wort des Herrn zum zweiten Mal zu Jona: Mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was ich dir sage. Und als Jona anfing, in die Stadt hineinzugehen, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an. Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Konsequent in der Liebe

Impuls für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Jona 3,1-10.

Von Sandra Baier

Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen-Oppingen, Dekanat Blaubeuren. Foto: Privat

Als Mutter von zwei Kindern kenne ich Situationen, in denen man etwas androht, in der Hoffnung, dass das Kind dann folgt – aber was, wenn nicht? Sind wir dann als Eltern konsequent? Oder lassen wir unser Herz erweichen? Tatsächlich habe ich es auch schon erlebt, dass wir uns am Ende beide, das Kind und ich, weinend in den Armen liegen. Das Kind weint, weil es ihm leidtut, nicht auf mich gehört zu haben und ich, weil es mir leidtut, dass ich es deshalb strafen wollte. Aus solchen Situationen lernen beide. Daraus geht man verändert hervor.

Jona kann das nicht verstehen. Er ist stinksauer auf Gott, weil der sein Herz erweichen ließ, als die Bewohner von Ninive Reue gezeigt haben. Es war ja so klar, dass Gott vergibt. Warum hat er ihn dann bloß nach Ninive geschickt? Von Anfang an sträubte sich Jona gegen diesen Auftrag.

Sandra Baier ist Pfarrerin in Nellingen-Oppingen, Dekanat Blaubeuren. Foto: PrivatIch hatte in der Gemeinde auch schon öfter Gespräche mit den konsequenteren meiner Gemeindeglieder, die ganz ähnlich empfinden wie Jona. Gottes Vergebung darf nicht billig daherkommen, mahnen sie, wenn ich mal wieder mit Vorliebe von der Gnade und der Liebe Gottes predige. Wo bleibt da das Gericht? Wo bleibt die Gerechtigkeit? Da ist was dran. Vor allem im Hinblick auf Menschen, die Opfer wurden und Leid erlebt haben, ist es wichtig, das im Blick zu behalten: Die Gnade Gottes darf nicht billig daherkommen.

Gerade hier im Buch Jona sehe ich aber, dass es keine billige Gnade ist. Mich überrascht die konsequente und umfängliche Reue der Menschen aus Ninive. Mensch und Tier, Groß und Klein, Volk und König, alle bereuen zutiefst, fasten, hüllen sich in Sack und Asche und kehren um zu Gott, obwohl Jona nicht gerade eifrig gepredigt hat. Reue und Buße gehen der Gnade Gottes voraus. Ninive hat sich geändert und Gott bringt es dann einfach nicht mehr übers Herz, Ninive zu zerstören. Auch er bereut sein Vorhaben.

Verändert hervorgehen

Das berührt mich. Wir haben einen Gott mit Herz. Bildlich gesprochen sehe ich da, wie Gott und Mensch sich weinend in den Armen liegen, weil beide bereuen – wie Eltern und ihre Kinder nach einem Streit. Daraus geht man verändert hervor. Die Menschen von Ninive haben sich gewandelt.

Und trotzdem müssen wir uns die Frage stellen, ob Gott denn inkonsequent ist. Gott muss doch auch verlässlich bleiben. Ich verstehe, dass Jona hier hadert, aber ich glaube, dass Gott hier absolut konsequent ist. Konsequent in seiner Liebe zu uns Menschen.

Seine Gnade ist darum gewiss keine billige Gnade, sondern die wertvollste und teuerste, die es geben kann. Die Liebe zu uns lässt ihn nur manchmal anders handeln, als wir es erwarten würden. Auch wir sollten uns von solch einer Liebe leiten lassen, denn manchmal ist es gerade konsequent, wenn man sein Herz erweichen lässt.

Setzling. Foto: pixabay/congerdesignFoto: pixabay/congerdesign

 

Gebet

Gott, wie oft stehen wir vor dir und müssen unsere Schuld eingestehen. Aber du weist uns nicht ab.

Du begegnest uns in Liebe und schenkst uns einen neuen Anfang.

Danke für deine konsequente Liebe.

Amen.