Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lieder machen Leute

Kolosser 3,12–14.16 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Kantate Kolosser 3,12–16.  Von Philipp Dietrich

Philipp Dietrich ist Pfarrer in Neuenstadt und Kirchenmusikpfarrer im Kirchenbezirk.


„Cantate Dominum canticum novum“ – zu Deutsch: „Singet dem Herrn ein neues Lied!“ Der Leitvers aus Psalm 98, der dem 4. Sonntag nach Ostern seinen Namen gab, macht ihn traditionellerweise auch zum Sonntag der Kirchenmusik. Neben vielgestaltigem Gemeindegesang sind da insbesondere unsere Chöre gefragt. Doch was ist das für ein neues Lied, das erklingen soll? Sind damit geistliche Popsongs gemeint, die in einem flotten Arrangement das jeweils Neue einer Generation zum Ausdruck bringen? Oder sollen wir uns womöglich an zwölftönigen Kirchenliedern versuchen?

Nimmt man jene Forderung nach dem Singen neuer Lieder ernst und will nicht Gesänge anstimmen, die lediglich modern oder zeitgenössisch sind, dann gehört da schon ein wenig mehr dazu: Neues, wirklich Neues und nicht nur etwas Altes in neuem Gewand, das setzt geradezu einen Quantensprung voraus. Da muss sich etwas ereignen, das alles zuvor Dagewesene auf einen Schlag uralt aussehen lässt.

Mit Ostern ist dieses radikal Neue in unsere Welt gekommen: Jesus Christus ist auferstanden. Und der Autor des Kolosserbriefes ergänzt kühn: Als Getaufte sind wir schon mit Christus auferstanden (Kolosser 3,1). Der frühchristliche Lehrer fordert uns auf, nun auch das Gewand des neuen Menschen anzulegen: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten…“ – Was ist das für eine Anrede! Kann er da überhaupt uns meinen? Wir mit unserem ewig gestrigen Denken und Reden, wir mit unserer immer gleichen alten Leier? Doch gerade darin liegt die Pointe dieser Anrede. Wir werden angesprochen als die, die wir in Gottes Augen schon sind. Es kommt nicht darauf an, ob wir auf unserer alten Erde ansehnlich daherkommen, entscheidend ist, dass Gott uns ansieht. Dass er uns ansieht als seine Auserwählten, Heiligen und Geliebten.

Das ist das neue Lied von Ostern. Und im Kolosserbrief wird dieses Lied nun in verschiedensten Tonlagen variiert. Weil wir von Gott angesehen sind, deshalb können wir in herzlichem Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld miteinander leben. Wir werden aufgefordert, Christus anzuziehen, uns neu einzukleiden mit allem, was das gemeinsame Leben fördert. Unser ganzes Leben soll Zeugnis geben davon, dass wir von Gott angesehen sind.

Ein wenig ernüchternd wirkt freilich die Fortsetzung: „ertrage einer den andern“. Manchmal ist es ja auch schon viel, wenn das gelingt. Möglich wird dies durch Gottes Vergebung, die wir einander weitergeben. Und schließlich kommt der Autor des Kolosserbriefes wieder auf das Bild vom Gewand zurück. Galten ihm die Tugenden, welche die Gemeinschaft untereinander fördern, sozusagen als Untergewand, das wir anziehen sollen, so ist die Liebe nun das Band, das alles zusammenhält. Es ist das flügelleichte Sonnengewebe der Liebe, das unser christliches Leben ausmacht.

Das ist das neue Lied von Ostern, auf das der Sonntag Kantate uns verweist. Davon sollen wir singen. Im Gottesdienst wie im Alltag. In der ganzen Bandbreite des Musizierens, das uns in der Kirche zur Verfügung steht. Auf alle Fälle auch mit brandaktuellen, „neuen“ Liedern. Doch wer weiß, vielleicht entdecken wir darüber auch so manches alte Lied wieder ganz neu. Und – das kennt jede Chorsängerin und jeder Chorsänger – was man sich einmal singend erarbeitet hat, das klingt in den Alltag hinein. Mitunter mehr als einem lieb ist. Denn Lieder machen Leute. Und das neue Lied von Ostern macht rundum erneuerte Menschen.


Ihr Gebet

 
Gebet

Barmherziger Gott,
ein neues Ostergewand
hast du mir in meiner Taufe übergestreift,
ein flügelleichtes Sonnengewebe der Liebe.
Lass mich diesen Mantel teilen
mit denen, die mir auf meinem Weg begegnen.
Amen.