Christliche Themen für jede Altersgruppe

Maria Magdalena - Trauer und Freude - Die Jünger Jesu (Teil 6)

Von Anfang an gab es Spekulationen über sie und ihr Verhältnis zu Jesus. Dass Maria von Magdala einfach dem Weg Jesu folgte, ist und war auch in der Vergangenheit für viele Menschen schlicht nicht vorstellbar. Doch die Berichte in den Evangelien über diese Jüngerin sind zugeschnitten auf das Geschehen an Ostern. Das steht im Mittelpunkt.

Auferstehung, Kreuze. Foto: Gerd Altmann / PixabyFoto: Gerd Altmann / Pixaby

Mirjam, griechisch Maria, war ein verbreiteter Vorname zur Zeit Jesu. Seinen Töchtern den Namen der großen Sängerin und Prophetin Israels zu geben, war offenbar sehr beliebt. Deshalb hat man  Maria Magdalena nach ihrer Herkunft, dem Ort Magdala am See Genezareth benannt, um sie von den anderen Marien zu unterscheiden, die ebenfalls mit Jesus unterwegs waren.

Das Erstaunliche an Maria Magdalena ist, dass sie von Anfang an Spekulationen herausforderte, was die Beziehung zwischen ihr und ­Jesus betraf. Das Neue Testament sagt wenig über sie. Die Tradition hingegen um so mehr – bis heute. Man weist ihr die Rolle als Gefährtin Jesu zu. Der Messias war also nicht notwendig ledig. Einige außerbiblische Evangelien wandeln dies um in ein rein geistiges Liebesverhältnis. Weil Jesus ihr so sehr nahestand, hat sie von ihm tiefere Erkenntnisse des Göttlichen erhalten. In Dan Browns Bestseller „Sakrileg“ wird sie gar mit Johannes, dem Jünger, der Jesu liebte, identifiziert und hat mit Jesus eine Familie gegründet. Es macht offenbar Mühe zu akzeptieren, dass Jesus sich ganz seinem Weg hingab und dass Maria von Magdala ihm auf diesem Weg folgte. Selbst die freiesten Geister bleiben den Konventionen treu,  dass es zwischen Jesus und Maria zugehen muss, wie es zwischen Frauen und Männern nun einmal zugeht.

Was die Evangelien über Maria Magdalena erzählen, ist, wie gesagt, nicht eben viel. Wenig ja. Aber wohl platziert. Maria Magdalena übernimmt am Ende von Jesu Leben eine tragende Rolle. Vorher wird über sie nur gesagt, dass Jesus sie von einer schweren Krankheit geheilt hat und sie sich daraufhin den Frauen und Männern anschloss, die zu ihm gehörten. Nicht Geliebte und Ehegenossin, sondern Begleiterin und Nachfolgerin. Sie wird Zeugin der Ereignisse in Jerusalem, und führt Christen damit vor Augen, was mit einem Menschen wiederfährt, der unfassbare Trauer und – was noch unglaublicher ist – die vollkommene Wendung dieser Trauer erlebt. Der Schock der Kreuzigung, die Wucht der Trauer und der Schrecken der Auferstehung erschütterten Maria Magdalena bis ins Mark.

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Folgt man den Evangelien, ist der Fokus bei Maria Magdalena nicht auf die Beziehung zu Jesus, sondern auf Ostern gerichtet. Mit ihr stehen Christen vor dem Grab wie vor einer verschlossenen Kiste und sind überzeugt, dass Jesus tot sein muss, dass er unbedingt tot sein muss, weil es einfach nicht anders sein kann. Und während sie noch am Rand des Grabes stehen, wird Maria Magdalena  in den Strudel der Auferstehung hinein­gezogen. Der Evangelist Markus hebt den Schrecken ­dieses Augenblicks hervor. Die Frauen am Grab sind entsetzt, sie haben furchtbare Angst, verstummen gar  (Markus 16,8). Später heißt es, Maria Magdalena habe den Jüngern erzählt, was geschehen war, aber die glaubten ihr nicht (Markus 16,11).

Danach verliert sich ihre Spur in den Evangelien. Sie taucht wieder auf als populäre Heilige in der mittel­alterlichen Heiligensammlung „Die Goldene Legende“, in den erwähnten außerbiblischen Evangelien und als ­Romanfigur.

Was gibt einem die Erzählung von Maria Magdalena, wenn man in den Grenzen des Neuen Testaments bleibt? Die einzigartige Hoffnung, die einem die Auferstehung gewährt, schließt den Schrecken und die Erschütterung ein, ja sie werden zum Bestandteil dieser Hoffnung. Maria Magdalenas Glauben ist menschlich bis ins Mark.

    

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