Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ostern und das echte Leben

1. Johannes 5,1–4 Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Jubilate: 1. Johannes 5,1-4  Von Viola Schrenk

Die promovierte Theologin Viola Schrenk ist Pfarrerin in Lorch-Waldhausen.


Wer liebt hier wen und warum? Jedes Kind Gottes liebt Gott, den Vater. Und jedes Gotteskind liebt auch die anderen Kinder Gottes als Geschwister. Interessant ist, wie sich diese Liebe unter Geschwistern äußert. Sie äußert sich nämlich darin, dass das väterliche Gebot Anwendung findet. Und dieses Gebot besteht wiederum in der Liebe, wie es unmittelbar vor diesem Bibelabschnitt festgehalten wird: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannes 4,21).

Bei so viel Liebe kann eigentlich nichts schief gehen. Der Haken an der Sache ist zum einen, dass sich Liebe unter Menschen – und seien es auch Christinnen und Christen – nicht verordnen lässt. Zum anderen ist dort, wo Liebe ist, unweigerlich auch Emotion. Und wo positive Emotionen sind, können sich auch negative entwickeln. Gerade mit den Menschen, denen wir am Nächsten stehen, haben wir auch die meisten Reibungsflächen. Wo viel Liebe ist, ist daher auch oft viel Auseinandersetzung. Und dennoch – oder vielleicht auch gerade deswegen – zieht es sich als roter Faden durch das biblische Zeugnis: Auf der Basis von Gottes Liebe gilt die dreifache Antwort des Menschen: Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben (Matthäus 22,39). Die damit einhergehende altbekannte Beispielgeschichte des Barmherzigen Samariters verdeutlicht: Mit Liebe ist hier vor allem tatkräftiger persönlicher Einsatz gemeint. In der tätigen Zuwendung zum Nächsten zeigt sich zugleich die Haltung zu Gott. Anders gesagt: Meine Haltung zu Gott wird in der Zuwendung zum Mitmenschen konkret.

Soweit die schön klingende Theorie. Doch wie verhält es sich mit unserer Lebenswirklichkeit? Lässt sich die Liebe durchhalten – und sei es nur die Liebe zu den Allernächsten? Wer kennt sie nicht, die Querelen, Diskussionen, Verletzungen, gegenseitigen Verurteilungen, die nicht zuletzt auch unter Christenmenschen gang und gäbe sind? Nein, leicht ist dieses Gebot in der menschlichen Umsetzung wirklich nicht. Es ist vielmehr eine bleibende Herausforderung für unser tägliches Dasein, gerade denen gegenüber, denen wir am nächsten stehen: in den Familien und Freundeskreisen, in der Schule und am Arbeitsplatz.

Im Rahmen des diesjährigen „Ökumenischen Kreuzweg der Jugend“ wurde diese Herausforderung eindrücklich in folgende Worte gefasst: „Stell dir vor: Die Nervensäge aus deiner Klasse oder von nebenan stürzt und schlägt auf den Boden. Was denkst du? Vielleicht – „Zu blöd zum Laufen!“ Und wenn sie liegen bleibt? Dann musst du dich zwingen, hinzugehen. Lust hast du nicht. Und doch ist es richtig. Und das weißt du.“

Um dieses grundsätzliche Wissen trotz aller menschlicher Hindernisse geht es am Sonntag Jubilate. Es geht um den Osterjubel darüber, dass die menschlichen Abgründe nicht das letzte Wort haben, und dass es im Glauben trotz allem menschlichen Scheitern im Miteinander doch auch das Andere gibt. Nämlich, dass Menschen im Glauben über sich hinaus wachsen und im Gottvertrauen Wege der Mitmenschlichkeit und Zuwendung erproben und miteinander gehen, auch dann, wenn diese Wege unpopulär sein sollten. So wie Jesu Weg der Gewaltlosigkeit und Zuwendung auf viel Unverständnis und Ablehnung stieß. Und doch ging und geht dieser Weg weiter und führt über diese Welt hinaus. „Denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“


Ihr Gebet

 
Gebet

Du Schöpfer aller Dinge,
wie du die Natur zum Leben erweckst,
so willst du auch uns Menschen erneuern und
einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen,
in denen Gerechtigkeit wohnt.
Belebe uns, wecke uns auf aus aller Verzagtheit,
dass wir den Mut haben zu glauben
und auferstehen zum Leben mit dir.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn.