Christliche Themen für jede Altersgruppe

Paulus - Vollkommene Hingabe - Die Jünger Jesu (Teil 8)

Nach dem Kreuzestod Jesu fing die Mission des Saulus erst richtig an: Alle Anhänger des Gekreuzigten sollten verfolgt werden. Bis er sich selbst zu Jesus bekehrte. Fortan kämpfte er als Paulus mit derselben Inbrunst und Hingabe dafür, Menschen für Jesus zu gewinnen.

Hingabe. Kreuz. Foto: Gerd Altmann. PixabyHingabe. Kreuz. Foto: Gerd Altmann. Pixaby

Über keinen anderen im Neuen Testament, nicht einmal über Jesus, wissen wir so viel wie über Saul von Tarsos, genannt Paulus. Saul war ein jüngerer Zeitgenosse Jesu. Er stammte aus Kilikien, heute die türkische Mittelmeerprovinz Mersin. Saul wird in den Zwanzigern gewesen sein, als sich die Ereignisse um den galiläischen Messias in Jerusalem zuspitzten.

Saul war ein leidenschaftlicher Eiferer für den jüdischen Glauben, ein Pharisäer. Er fühlte sich in jeglicher Hinsicht, Herkunft, Stand und Gesinnung als ein wahrer Hebräer: Ein Mann aus dem angesehenen Haus Benjamin, Angehöriger des auserwählten Volkes Israel. Zeit seines Lebens war er sich dessen bewusst (Philipper 3,4+5).

Die Ereignisse, die nach der Hinrichtung des Nazareners geschahen, das Gerücht, jener sei von den Toten auferstanden und habe sich dadurch als wahrhaftiger Sohn Gottes erwiesen, stießen bei ihm auf inbrünstige Ablehnung. Er erbot sich, die Anhänger in den Reihen seiner Volksgenossen aufzuspüren und auszuliefern. Ein Denunziant aus Überzeugung – bis zu jenem Moment, der seinem Leben eine vollständig andere Richtung geben sollte: die Begegnung mit dem Auferstandenen.

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Wie Saulus zum Paulus wurde, erzählt dramatisch die Damaskusgeschichte. Paulus selbst bleibt merkwürdig knapp, wenn es um dieses Ereignis geht. Er deutet seine Bekehrung an, aber spricht nicht in derselben Ausführlichkeit darüber, wie es Apostelgeschichte 9,1-9 tut. Nicht, dass er ein Geheimnis darum machen will, sonst hätte er in seinen Briefen nicht darauf hingewiesen (wie in Galater 1,13). Aber das, was während jener Offenbarung in ihm vorging, ließ sich selbst für einen so wortmächtigen Schriftgelehrten wie Paulus kaum ausdrücken. Er ist sich bewusst, dass, bei aller Hochschätzung, die er Wort und Predigt entgegenbringt, nichts überzeugender spricht als das Leben selbst. Er ist das Buch, in das Christus schreibt, und jeder soll allein Jesus an Paulus erkennen. Paulus ist mit aller Hingabe Zeuge.

Der Apostel Paulus wurde um 1630 von Rembrandt gemalt. Das Gemälde ist im Kunsthistorischen Museum in Wien. Foto: akg-imagesDer Apostel Paulus wurde um 1630 von Rembrandt gemalt. Das Gemälde ist im Kunsthistorischen Museum in Wien. Foto: akg-images

Hingabe, das ist die größte Gemeinsamkeit mit dem alten Saulus und zugleich der größte Unterschied zu ihm: Hemmungslose Hingabe für die Einhaltung des Gesetzes ließ ihn zum Verfolger werden. Die gleiche bedingungslose Hingabe machte ihn zum Apostel Jesu, nur ohne den furchtbaren Fanatismus, der Saul, den Pharisäer und Schriftgelehrten, angetrieben hatte. Diese Hingabe hat einen völlig anderen Charakter als Fanatismus. Sie ist nicht verblendet, sondern aufrichtig. Sie sucht nicht die Selbstrechtfertigung, sondern streckt sich nach dem anderen aus. Sie kennt das Böse, aber sie gesteht ihm nicht die Macht des letzten Wortes zu. Die verwandelnde Erfahrung, die Saulus zu Paulus werden ließ, war jedoch eine Hingabe anderer Art. Diese wird umfangen von einer unendlich größeren, nämlich der, dass Gott seinen Sohn hingegeben hat. Diese Hingabe in Worte zu fassen ist unmöglich. Sie ist so unfassbar, dass sie unserer begrenzten Vernunft unzugänglich und deshalb als Torheit und Irrsinn erscheinen muss.

Paulus, gerade weil er Schriftgelehrter war, kannte diese Grenze. Er versuchte erst gar nicht, sie durch Theologie zu überwinden. Er wusste vielmehr, wenn es überhaupt etwas gibt, das unsererseits an Gottes Hingabe heranreicht, kann dies nur die eigene Existenz sein. Und so fasste er im Römerbrief die Schau seines Lebens in drei kurzen Sätzen zusammen; vielleicht die stärksten und schönsten Worte für das, was es bedeutet, als Christ zu leben: „Keiner von uns lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Also, ob wir leben oder sterben, sind wir des Herrn“ (Römer 14,7+8). □

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