Christliche Themen für jede Altersgruppe

Petrus - widersprüchlich, impulsiv, sprunghaft - Die Jünger Jesus (Teil 2)

Simon Petrus, der „Fels“, auf den Jesus seine Kirche baute, wird in  der Bibel als widersprüchlich, impulsiv und sprunghaft beschrieben. Die Geschichten wollen aber nicht nur zeigen, dass Petrus auch nur ein Mensch war. Sie beschreiben nämlich nicht nur ihn, sondern auch die anderen. Und das führt uns zur Frage: Wie hätten wir gehandelt?

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Neben Paulus, dem letzten der Apostel, weiß man über Simon, den ersten, am meisten. Aber eine Biographie lässt sich trotz der häufigen Äußerungen über ihn kaum schreiben. Er stammte wie Jesus aus Galiläa, aus dem Ort Kapernaum. Dort hatte er Haus und Familie und betrieb mit seinem Bruder und seinem Vater Fischfang am See Genezareth. Sein Name war Simon Barjona. Petrus war kein Eigen-, sondern ein Ehrenname. Er bedeutet „Fels“.

Obwohl Simon unter den Jüngern eine unbestrittene Vorrangstellung einnahm, wird er im Neuen Testament nicht gerühmt, sondern als widersprüchlich, impulsiv und sprunghaft gezeichnet. Würde er sich mit seinem Lebenslauf heute auf eine Führungsposition bewerben, ist es fraglich, ob man ihn zum Bewerbungsgespräch einladen würde. Er zählte zwar zu den engsten Vertrauten, aber Jesus hat ihn mit schärfster Kritik bedacht, hat ihn „Satan“ genannt und ihm prophezeit, ein Verräter zu werden. Aber Jesus muss auch etwas in ihm gesehen haben, das ihn veranlasste über ihm auszusprechen „Du bist der Petrus, der Fels, auf dir will ich meine Gemeinde bauen“. Jesu Sicht über einen Menschen hat offenbar nichts gemein mit der einer Personalabteilung.

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Petrus‘ Verhalten hat auch Paulus herausgefordert. Paulus, konsequent bis zur Verbissenheit, mokiert sich über Petrus, weil er sich einerseits für die Mission unter den fremden Völkern ausspricht, mit den Heiden aber dann doch nichts zu tun haben will (Galater 2,11). Das ist typisch für die Weise, wie Petrus dargestellt wird, erst vollmundig, dann inkonsequent. Aber mit wem sitzen wir im Boot, wenn wir darüber den Kopf schütteln?

Eine der Episoden, in denen Petrus‘ Wechsel von Mut zum Versagen deutlich wird, ist die Geschichte vom Wandel auf dem See (Matthäus 14,22-33). Die Jünger werden auf dem See Genezareth von starkem Wind und Wellengang überrascht. Mitten in der Nacht kommt Jesus auf dem Wasser auf sie zu. Die Furcht der Jünger vor dem See wird noch übertroffen von der Angst vor Jesus, den sie für einen Geist halten. Aber in einem Anfall von Mutwillen verlässt Petrus das sichere Boot und geht tatsächlich ein paar Schritte auf den Wellen, bis er, des Windes gewahr werdend, im Wasser versinkt. Aber Jesus zieht ihn empor.

Wer von den übrigen Jüngern hat sich noch auf dieses unglaubliche Abenteuer eingelassen? Keiner. Alle sind sie als fassungslose Zuschauer im Boot geblieben. Diese Geschichte, obwohl sie kennzeichnend ist für Petrus, beschreibt eben nicht nur ihn, sondern auch die anderen. An dieser Stelle fordert sie einen auf, die eigene Biographie hineinzunehmen. Sie ist so eindringlich geschildert, dass das auch möglich ist.

Petrus hat viele solcher unglaublichen Situationen erlebt. Er reagiert am spontansten darauf. Doch immer wieder wird er von der eigenen Wechselhaftigkeit eingeholt und zurückgerissen; er schafft es einfach nicht, diesen Erfahrungen treu zu bleiben. Am Ende verleugnet er sogar seinen Messias und sagt, er habe nichts mit ihm zu tun.

Wird es Petrus gerecht, anzunehmen, den Evangelien ginge es nur darum, seine Anfechtbarkeit vorzuführen, mit dem Ziel, hervorzuheben, dass der „Fels der Gemeinde“ auch nur ein Mensch ist? Das greift zu kurz.Die Frage ist, was mit einem geschieht, wenn man den Spuren Petrus‘ folgt? Der Leser wird direkt einbezogen von der ganzen Aufrichtigkeit der Schilderung und merkt sehr schnell, dass es nicht um ein Urteil seiner Person geht. Wäre man selbst auch aus dem Boot gestiegen? Wäre man selbst wach geblieben im Garten Gethsemane? Hätte man Jesus nicht verleugnet, als es um das eigene Leben ging?

Wer die Berichte so liest, erfährt auch: Weil Simon Barjona einem selbst nahegeht, tritt man über ihn in den Dialog mit sich selbst und mit Jesus Christus. Das Wort wird lebendig.

 

 

    

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