Christliche Themen für jede Altersgruppe

Thomas, der Zwilling - zwei Seiten eines Jüngers

In der Bibel lesen wir recht wenig über den Jünger Thomas. Er ist derjenige, der die Auferstehung von Jesus anzweifelt. Der Zweifler kommt später bis nach Indien, um Menschen die gute Nachricht von der Auferstehung seines Herrn zu bringen. 

 

Stille Wasser sind tief. Das trifft besonders auf den Jünger Thomas zu. Wir wissen, dass er wie Simon und Andreas ein Fischer aus Galiläa gewesen ist. Er gehörte zum Zwölferkreis der Jünger Jesu. Im Gedächtnis ist Thomas geblieben durch seinen Zweifel an der Auferstehung. Zwilling, wie er auch genannt wird, war kein Beiname, sondern die Übersetzung des aramäischen Ta‘am, griechisch Thomas, was „Zwilling“ bedeutet.

Es ist die nachbiblische Überlieferung, in der Thomas eine außergewöhnliche Rolle zukommt: Wenige Jahre nach den Ereignissen in Jerusalem habe er den Auftrag erhalten, nach Osten zu gehen und jenseits der Grenzen des römischen Imperiums zu missionieren. Doch während wir von Paulus, dessen Missionsauftrag ihn in den Westen führte, genau wissen, wo er wirkte und was dort geschah, ist Thomas‘ Schicksal weitgehend verborgen. Die Legende erzählt, dass er bis ins heutige Südindien gelangte, nach Madras. Jerusalem – Madras, eine gewaltige  Entfernung! Als schließlich portugiesische Händler im 16. Jahrhundert die Stadt erreichten, trafen sie dort auf Christen.

Doch was ist das Einzigartige an Thomas? Wie bei fast allen Jüngerbeschreibungen in den Evangelien – Paulus und Petrus bilden die Ausnahme – wird nicht viel über ihn gesagt. Im Vordergrund steht die Frohe Botschaft. Die Jünger und Jüngerinnen treten nur dann hervor, wenn ihre Rolle etwas für das Evangelium aussagt. Und just in diesem Zusammenhang ist Thomas einer der Faszinierendsten. Er ist nämlich der Apostel der Zweifler: Als Jesus sich entschließt, nach Jerusalem zu gehen, ahnen die Jünger, dass dieser Weg in den Tod führt. Es ist Thomas, der dies am klarsten erkennt: „Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben“ äußert er nüchtern den anderen Jüngern gegenüber (Johannes 11,16). Thomas wusste, dass er, folgte er Jesus weiterhin, die Sache nicht überleben würde. Von Messias- oder gar Auferstehungshoffnung ist da nichts zu spüren. Und trotzdem bleibt er bei Jesus. Dieser Umstand ist bemerkenswert. Obwohl er dessen Vision scheitern sieht, geht er weiter. Die Gemeinschaft der Zwölf ist mitnichten eine Gemeinschaft der Jesusüberzeugten.

Im Grunde ist Thomas ein moderner Mensch. Einer, der nur glaubt, was er sieht, der sich objektiv zu sein wähnt und nüchtern urteilt. Ein Skeptiker. Der Evangelist Johannes spitzt das in der Geschichte zu, die Thomas berühmt gemacht hat. Als die anderen Jünger ihm erzählen, dass sie dem Auferstandenen begegnet sind, dass sich tatsächlich alle Verheißung bewahrheitet hat, glaubt er ihnen selbstverständlich nicht. Jesus aber, in den Kreis der Jünger tretend, erlaubt Thomas, seine Wunden zu berühren, damit er sich mit eigenen Augen überzeugen kann. Dieses einzigartige Privileg lässt den Zweifler überwältigt bekennen: „Mein Herr und mein Gott“ (Johannes 20,28).

Thomas, der Zwilling, hat zwei Gesichter: Der entschiedene Zweifler wird zu einem der wirkungsmächtigsten Apostel, zum Missionar einer fremden Welt. All das vollzieht sich in einer eigenartig stillen Weise, als sollte seine Geschichte zeigen, dass die großen Veränderungen nicht durch spektakuläre, weltgeschichtliche Ereignisse eintreten, sondern im Inneren eines Menschen stattfinden, wenn ihn Jesus dort anspricht.    

Uwe Metz           

 

 

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