Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trotzige Freude

Bibelstelle Philipper 1,18–21 

Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich erwarte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. 

Pfarrer Johannes Eißler

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Lätare: Philipper 1,15-21.  Von Johannes Eissler - Kirchengemeinde Eningen unter Achalm

„Aber ich werde mich auch weiterhin freuen!“ Es klingt ein wenig trotzig, wenn Paulus über seine Freude spricht. Schwäbisch würden wir vielleicht sagen: „Grad zom Bossa freu´ i mi!“ Eigentlich hat der Apostel nämlich wenig Anlass zur Freude. Er sitzt im Gefängnis und seine Stelle in Philippi haben Prediger eingenommen, die zum Teil unlautere Absichten verfolgen. Wer weiß, vielleicht wurden sogar Gerüchte gestreut, Paulus sei womöglich nicht ganz zu Unrecht in Haft genommen worden. Keine schöne Situation – zumal ungewiss ist, ob Paulus jemals wieder freikommt. 

Manchmal muss man sich und seiner Seele gut zureden. Freude stellt sich nicht immer von alleine ein. Wann haben Sie sich das letzte Mal richtig gefreut? Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn uns das Glück entgegenkommt und unser Herz am liebsten Sprünge machen würde. Auf einmal wissen wir wieder: Ja, es lohnt sich, auf der Welt zu sein. Manchmal sind es nur Momente, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern: der Blick eines Kindes, die tiefstehende Sonne am späten Abend oder Musik von Mozart.  

Manchmal aber spricht alles dagegen. Manchmal zeigt sich das Leben von seiner unwirtlichen Seite. Sollten wir darüber trübsinnig werden? Paulus stemmt sich gegen den Sog, der ihn runterziehen will. „Ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird“, sagt er. Er behauptet nicht, dass es gut ausgehen wird. Aber, was auch geschieht, es wird ihm zum Heil – wörtlich: zur Rettung – dienen. Dieses „ich weiß“ erinnert mich an den Römerbrief, wo Paulus schreibt: „Ich bin gewiss, dass nichts mich trennen kann von der Liebe Gottes.“ (Röm 8,3f.)

Was für ein Geschenk, wenn man in dunklen Zeiten eine Basis hat, auf der man stehen kann! Wenn der Glaube an den lebendigen Gott Halt bietet. Aber Paulus baut nicht allein auf diese persönliche Verbindung zu Gott. Er weiß sich gehalten durch das Gebet der Brüder und Schwestern und er rechnet mit dem Heiligen Geist als Beistand, als tröstende und Rücken stärkende Kraft. 

Ich schätze es, dass in der katholischen Kirche in der Fürbitte oft an den Bischof und an den Papst gedacht wird. Ich wünschte mir, dass wir in unseren Gemeinden für unsere Kirchenleitung beten. Wie wäre es, wenn wir für „Gefangene des Monats“ Fürbitte hielten oder „Briefe gegen das Vergessen“ schrieben? Was wären wir ohne das Netzwerk des Gebetes?

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Mich beschäftigt, dass wir Christen nicht fröhlicher sind. Dass uns die Freude nicht aus allen Knopflöchern lugt. Gehen Sie einmal in Gedanken durch Ihren Ort. Haben wir das Gefühl, dass wir Christen die fröhlicheren Leute sind? „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen“, sagte Friedrich Nietzsche. 

Paulus fliegt die Leichtigkeit und Fröhlichkeit auch nicht einfach zu. Aber er lässt persönliche Verletzungen und widrige Umstände nicht unnötig Macht über sich gewinnen. „Ich werde mich auch weiterhin freuen!“ Na ja, manchmal muss man es halt ein bisschen trotzig sagen. 

Einmal nahm mich ein Kirchengemeinderat beiseite und fragte nach meinem Ergehen. „Du hast auch schon entspannter gewirkt“, sagte er. Selber merkt man es möglicherweise zu spät, dass einem die Freude und Leichtigkeit abhandenzukommen droht. Achtsames Nachfragen, Anteilnehmen und Aufmuntern empfinde ich als wertvolles Geschenk. Paulus geniert sich nicht, an die Christen in Philippi zu appellieren: „Freut euch in dem Herrn! Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrießt mich nicht und macht euch umso gewisser.“ Und wenige Zeilen später: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ 

Öffnen wir unsere Herzen und spannen wir die Flügel unserer Seele weit aus, um Platz zu machen für die Freude. 

Gebet für den Sonntag Lätare: Philipper 1,15-21

Gebet für den Sonntag Lätare: Philipper 1,15-21.

Gott allen Lebens, danke für jeden Tag, an dem ich aufstehen und leben und lachen kann. Schenke, dass ich mich selbst nicht zu wichtig nehme. Gib mir Freude, die von innen kommt.  Mach du mein Leben hell. 

Amen.

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Lätare - Mitten in der Passionszeit gibt es einen Freudensonntag

Mitten in der Passionszeit gibt es einen Freudensonntag, den Sonntag Lätare. Der Name (auf Deutsch: „Freut euch“) ist das erste Wort des Leitverses zum Sonntag und steht in Jesaja 66,10: „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie liebhabt.“ Dem Leitvers folgt in der Liturgie der Psalm 84, in dem Gott gelobt wird: „Der Herr gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.“

Die Sonntage in der Passionszeit haben oft die „Nachfolge Jesu“ zum Thema. Am Sonntag Lätare wird die Nachfolge zwar angesprochen, aber es sind die Folgen dieser Lebenshaltung.

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