Christliche Themen für jede Altersgruppe

Uneingeschränkter Trost - Impuls zur Predigt

Jesaja 42,3-4 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung.

 

Uneingeschränkter Trost

Impuls für den 1. Sonntag nach Epiphanias: Jesaja 42,1-9.

Von Steffen Tim Hoinkis

Steffen Tim Hoinkis ist Pfarrer in Weil im Schönbuch.

Steffen Tim Hoinkis ist Pfarrer in Weil im Schönbuch. Foto: PrivatSo klingen Worte aus einem Trostbuch. Ein Auszug aus einem der vier Gottesknechtslieder. Ein uneingeschränkter Trost, den ein unbekannter Prophet ausspricht. Kein kraftloser oder billiger Trost, der schnell gesagt wird. Wirkliche Sympathie spricht der unbekannte Prophet aus. Das griechische Wort „sympatheia“ bedeutet „mit-leiden“. Auf die Frage, mit wem der unbekannte Prophet mitleidet, gibt es mehrere Antworten: Zum einen kann es kollektiv gedeutet werden und bezieht sich somit auf das ganze Volk Israel oder eine Gruppe von Exilanten, die im 6. Jahrhundert vor Christus nicht mehr in der prächtigen Stadt Jerusalem leben, sondern sich in bitterer Armut befinden. Weit entfernt von der alten Heimat im fernen Exil. In einem fremden Land ohne Mut, Zuversicht und Hoffnung. Zum anderen kann es eine individuelle Deutung haben und sich auf eine einzelne konkrete Person beziehen.

Wenn die Adressaten dieser tröstlichen Worte das Volk Israel sind, dann vergleicht der unbekannte Prophet das ganze Volk Israel im Exil mit einem geknickten Rohr und einem glimmenden Docht. In der Regel kann ein geknicktes Rohr nicht mehr verwendet werden. Es ist nutzlos, wird normalerweise in kleine Stücke gehackt und im Feuer verbrannt. Ähnlich verhält es sich mit dem glimmenden Docht. Dieser wird ausgeblasen und wird kalt. Was keinen Nutzen hat, wird entfernt. Was bis heute sehr zutreffend unsere Gesellschaft und ihr Konsumverhalten beschreibt.

Ganz anders sind die Worte des Propheten: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ Beide Bilder veranschaulichen die Treue und Wertschätzung Gottes zu dem scheinbar Nutzlosen, Verbrauchten oder Wertlosen. Wenn diese beiden Gegenstände bei Gott bereits einen solch hohen Stellenwert haben, wie wertvoll und geachtet muss dann erst sein eigenes Volk Israel sein. Das Volk, das er aus dem Land Ägypten in eine neue Heimat gebracht hat und mit dem er zahlreiche Krisen und Erlebnisse zusammen durchgestanden hat. Gerade in der Situation der absoluten Wertlosigkeit im Exil, fern ab von der Heimat, erfährt das Volk Israel durch den unbekannten Propheten eine Wertschätzung. Gott erachtet die Menschen nicht als verbraucht oder wertlos. Er hält zu ihnen und wird sie wieder aufrichten.

Gott hält die Treue

Das geknickte Rohr wird er wieder gerade machen und der Docht wird wieder entzündet. Gott hält die Treue zu seinem Volk Israel, so wie er es bereits tat.

Christinnen und Christen deuten diese tröstlichen Worte nicht auf ein einzelnes Volk, sondern beziehen es eindeutig auf eine Person: Jesus Christus. Er kam nicht zum „Bestrafen und Zerstören“, sondern er kam sanft und milde in unsere Welt. In der Bibel finden sich zahlreiche Begebenheiten, in denen Jesus das „Zerbrochene und Glimmende“ nicht zerstört, sondern aufrichtet, heilt und neu macht, wie den blinden Bartimäus. Ob das Gottesknechtslied lediglich einzeln oder auf ein ganzes Volk bezogen verstanden wird, ist nicht entscheidend. Das Maßgebliche in beiden Fällen ist Gott, der die eingreifende und handelnde Person ist. Er richtet den Schwachen wieder auf. Das soll uns ermutigen, wenn wir, bildlich gesprochen, uns in einer Situation des „Glimmens“ befinden. Gott lässt uns dann nicht zerbrechen, sondern er stärkt und tröstet uns. □

Betender Mann. Foto: pexels, pixabayFoto: pexels, pixabay

 

Gebet

Barmherziger Gott, dankbar wende ich mich dir zu.

Auf deine Gegenwart vertraue ich.

Richte du mich wieder auf.

Schenke mir Kraft und Liebe für den heutigen Tag.

Amen.