Christliche Themen für jede Altersgruppe

Veränderung ist möglich - Impuls zur Predigt

Epheser 4,22-25 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.

Veränderung ist möglich

Impuls für den 19. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 4,22-32.

Von Peter Schaal-Ahlers

Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster. Foto: Privat

 

Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster. Foto: Privat„Du kannst dich ändern“, sagt der Predigttext. Das ist ein schöner Gedanke, weil er das Leben offen und weit macht. Schlimm wäre es, wenn wir uns nicht ändern könnten. Davon erzählt eine Kurzgeschichte von Bertolt Brecht: „Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ‚Sie haben sich gar nicht verändert.‘ ‚Oh!‘ sagte Herr K. und erbleichte.“ Vielleicht war der Satz sogar als Kompliment gemeint? Im Sinne von: „Sie haben Ihre Figur gut gehalten.“ Oder: „Sie sehen immer noch so frisch und gepflegt aus wie vor Jahren.“ Herr K. hört den Satz anders. Er hört den Vorwurf, dass er im Leben keinen Schritt weitergekommen sei.

Der bayrische Kabarettist Günter Grünwald sagt am Ende seiner Sendungen gewöhnlich: „Bleiben Sie wie Sie sind, was anderes bleibt Ihnen eh nicht übrig.“ Der Epheserbrief widerspricht diesem pessimistischen Abschiedsgruß mit einem starken Bild: Legt von euch ab den alten Menschen und zieht den neuen Menschen an. Nun geht es bei diesem Bild vom Kleiderwechsel nicht darum, dass Christen immer die neueste Mode tragen sollten. Wobei nachlässige und langweilige Kleidung auch kein Glaubensbekenntnis ist. Um das Bild vom Kleiderwechsel zu verstehen, muss man sich die frühchristliche Taufpraxis vor Augen führen. Getauft wurden damals meist Erwachsene. Vor der Taufe legten die Täuflinge ihre alten, schmutzigen Kleider ab. Nach der Heiligen Taufe, bei der sie ganz untergetaucht wurden, bekamen die Getauften neue weiße Kleider. Die weißen Gewänder waren ein Zeichen für das neue Leben mit Christus, das mit dem Geschenk der Taufe begonnen hatte. Es berührt mich immer wieder, wie wichtig es vielen Eltern ist, dass ihr Kind zur Taufe ein schönes weißes Taufkleid trägt.

Bild vom Kleiderwechsel

Das neue Leben in Christus ist von Gerechtigkeit und Heiligkeit geprägt. Als erste Frucht des Geistes nennt der Epheserbrief, dass man nicht lügen soll. In der Mediengesellschaft heute sind Lügen fast allgegenwärtig. Weil es in den sozialen Medien schwer ist, Fakten von Falschmeldungen zu unterscheiden, gibt es mittlerweile Faktenchecks. Lügen vergiften jede Gemeinschaft, weil sie das Vertrauen zerstören. Manchmal sind Lügen sogar lebensgefährlich. So beispielsweise die Lüge, dass Urin vom Kamel und Limone wahre Wunderwaffen gegen das Sars-Cov-2-Virus seien. Wohl dem, der seriöse Informationsquellen nutzt.

Tiefsinnig hat Bernard Shaw bemerkt: „Die Strafe des Lügners ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt, sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann.“ Diese Erfahrung hat auch der Jünger Petrus gemacht. Stets wollte er der eifrigste Nachfolger Jesu sein. Als Jesus verhaftet wird, versagt er kläglich. „Ich kenne diesen Menschen nicht“, sagt er kleinlaut. Als der Hahn kräht, wird ihm klar, dass er gerade seinen Meister verleugnet hat. Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Aber sie geht weiter. Der auferstandene Jesus begegnet Petrus erneut. Drei Mal fragt er ihn: „Liebst du mich?“ Drei Mal antwortet Petrus: „Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus sagt zu ihm: „Weide meine Schafe!“ Da wird Petrus klar: „Ich kann mich ändern.“ Gott sei Dank. □

Berggipfel. Kreuz. Foto: Constantin Mutaf/UnsplashBerggipfel. Kreuz. Foto: Constantin Mutaf/Unsplash

Gebet

Gib mir einen reinen Geist, damit ich dich sehe, einen demütigen Geist, damit ich dich höre, einen liebenden Geist, damit ich dir diene, einen gläubigen Geist, damit ich dich lebe.

Du, den ich nicht kenne, dem ich doch zugehöre. Du!

Gebet nach Dag Hammarskjöld


Peter Schaal-Ahlers ist Pfarrer am Ulmer Münster.

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