Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Frucht des Samens

Lukas 8,4–8 (in Auszügen) Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten‘s. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä: Lukas 8,4–8. 
Von Gabriele Arnold

Gabriele Arnold ist geschäfts­führende Pfarrerin in Bad Mergentheim.





Die alte Dame, die ich besuchte, saß strahlend in ihrem Sessel. „Heute Morgen bin ich mit einem wunderbaren Traum aufgewacht. Ich hörte die Musik aus dem Weihnachtsoratorium, und ich erinnerte mich im Traum genau an die Worte der Arie. Ich will nur dir zu Ehren leben. Genauso möchte ich den Rest meines Lebens verbringen. Gott zu Ehren. Er hat mir so viel in meinem Leben geschenkt.“

Wenige Stunden später sitze ich in einem Trauerhaus. Wir versuchen, die Beerdigung der Verstorbenen zu planen. Da bricht es aus dem Sohn heraus. „Ach, sagen Sie halt irgendwas. Ich kann mit Gott und dem ganzen religiösen Zeugs eh‘ nix anfangen.“ Unterschiedlicher geht es kaum. Aber genauso ist die Wirklichkeit.

Es gibt Menschen, die können einfach nicht glauben. Es ist, als ob ihnen ein Gen für Glauben, für Gott, für Religion fehlt. Religiös unmusikalisch sagen wir dazu. Und andere Menschen leben ganz selbstverständlich im Glauben. Das Vertrauen auf Gott gehört ganz einfach dazu, so natürlich, wie es bei anderen Menschen fehlt. Immer schon haben sich Menschen gefragt, warum das wohl so ist.

Das Gleichnis vom Sämann versucht eine poetische, bildliche Antwort. Offenbar gibt es Menschen, bei denen die Botschaft von Gottes Liebe und Treue nicht ankommt. Der Sämann streut aus, breit wirft er den Samen, und überall fällt etwas hin. Doch mancher Wurf bleibt folgenlos. Es gibt keinen Boden, keinen Haftpunkt.

Sicher manchmal sind die Säleute schuld. Ich begegne nicht selten Menschen, die im Religionsunterricht oder im Konfirmandenunterricht schlecht behandelt wurden. Solche Erfahrungen sitzen tief und können in einer Familie lange lebendig bleiben und verstellen den Zugang zu Gott und zur Kirche. Aber ebenso oft helfen der netteste Religionslehrer, der beste Konfirmandenunterricht und das frömmste Elternhaus nicht, den Glauben zu wecken. Das macht traurig, besonders wenn es die eigenen Kinder oder Enkel sind.

Die Fragen werden umso drängender, wenn wir Paulus und Luther folgen, die sagen, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist. Sein Wirken und Werk. Warum erreicht Gott denn nicht alle? Das bleibt dunkel und ist irgendwie verstörend.

Aber wie wäre es, wenn wir das Gleichnis ein wenig anders interpretieren. Wir sind das Ackerfeld. Jede und Jeder ein Ackerfeld Gottes. Und Gott sät. Er wirft mit seinem Wort, mit seiner Liebe, mit den Begabungen und Gaben, die wir haben, nur so um sich. Er sät in uns. Aber nicht alles geht auf. In vielem bleibe ich hinter meinen Möglichkeiten zurück. Manches in mir ist harter Fels, da bin ich unerreichbar, dann gibt es Dornen und Disteln, die dem Leben, wie Gott es für mich erträumt hat, die Stacheln zeigen. Wie vieles hat mit großer Begeisterung begonnen, um dann schnell im Sand zu verlaufen.

Aber da gibt es auch vieles, was aufgeht, was blüht und Früchte bringt. Eine Frucht ist vielleicht der Glaube. Und bei anderen etwas anderes. Aber Gott der Sämann sät nicht nur einmal. Gott sät immer. Und was heute nicht aufgeht, geht vielleicht später auf, vielleicht erst viel später. Die Hoffnung darauf wollen wir nicht aufgeben. Denn da gibt es noch etwas. Im Johannesevangelium sagt Christus, dass er das Weizenkorn ist, das in die Erde fällt und stirbt und viel Frucht bringt. Das berechtigt uns zu großen Hoffnungen. Denn er ist gekommen, um zu suchen, was verloren ist. Und ich will darauf vertrauen, dass Christus am Ende alle findet und keiner verloren geht. Ich will darauf vertrauen, dass er auch in mir viel Frucht bringt und harten Boden erweichen kann und dass mancher Same auch unter den Dornen aufgeht und auf wundersame Weise mein Leben erneuert.

Und vielleicht kann ich am Ende meiner Tage dann auch fröhlich summen: Ich will nur dir zu Ehren leben. Das wäre eine schöne Frucht.

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr, unser Gott,
wecke uns auf durch dein Wort:
damit wir dein heilendes Wort spüren
und die Gaben deiner Liebe mit wachen Sinnen empfangen.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 289.