Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Jesus lernen

Matthäus 11,28–30 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Kantate: Matthäus 11,25–30.  Von Frieder Dehlinger


Frieder Dehlinger ist Pfarrer in der Christusgemeinde Eislingen-Ottenbach und Pfarrer für Kirchenmusik im Kirchenbezirk Göppingen.


Mitten in der österlichen Freudenzeit nun der Sonntag Kantate. Als Predigttext: der Heilandsruf Jesu.

Kommt alle her zu mir, nehmt auf euch mein Joch, sagt Jesus. Ein Joch will ich eigentlich nicht. Den Lastbalken im Genick – wie bei einem Gespann Ochsen oder einem einfachen Bauern, der selbst ins Geschirr geht und den Pflug zieht. Wer will unters Joch! Wir kommen doch von Ostern her, sind mit dem Auferstandenen aufgestanden, sind mit Christus frei geworden: frei vom Tod, frei von der Lebensangst, frei zu lieben, vertrauensvoll zu beten und zu singen! Die Osterlieder sind voll von Freude, Jubel und Tanz. Aber wie könnte einer mit einem Joch auf den Schultern tanzen und singen?

Sieben Sonntage sind es zwischen Ostern und Pfingsten. Sieben Wochen österliche Freudenzeit. Und doch ist für viele Ostern am Osterdienstag vorbei: Die Osterlieder verklingen, der Alltag ist da. Der Alltag mit den Lasten, die wir zu tragen haben, mit den Karren, die wir zu ziehen haben. Mit zwickenden Bandscheiben und schmerzenden Schultern.

Kommt alle her, die ihr euch abmüht und beladen seid. Ich will euch erquicken.

Die Weisheit des Kirchenjahres: sieben Wochen Zeit für uns, dass die Osterfreude in uns Wurzeln schlagen kann! Sieben Wochen, dass unsere Seele die Osterlieder auswendig lernt und sich an Ostern erquickt.

Kommt her zu mir. Nehmt auf euch mein Joch. Lernt von mir. Mein Joch ist sanft, meine Last ist leicht.

Jesus macht sich hier Worte aus den weisheitlichen Schriften des Alten Testaments zu eigen (Sirach 51,31?–?35): „Kommt her zu mir und geht bei mir in die Schule! Beugt euren Nacken unter das Joch der Weisheit. Seht mich an: Ich habe eine kleine Zeit Mühe und Arbeit gehabt, und habe großen Trost gefunden.“ Hier wird deutlich, wie Jesus aus dem Alten Testament auswählt und schöpft und gerade auch die weisheitlichen Traditionen weiterführt.

Doch auch hier im Buch Sirach: Ohne Joch scheint es nicht zu gehen. Und in der Tat sind wir nicht von Gott so geschaffen und gemeint, dass wir arbeiten und uns abmühen sollen, dass wir Äcker zu beackern, Lasten zu tragen und Karren zu ziehen haben? Doch nicht jedes Joch ist gleich! Und wir sollen klug sein und uns nicht vor jeden Karren spannen lassen.

Das Joch Jesu bedeutet: von Jesus lernen. Mir gefällt es, wie klar hier Jesus als Lehrer auftritt, als Weisheitslehrer. Dass dieses „Nehmt auf euch mein Joch“ auch ganz nahe ist an Matthäus 16,24 „Wer mir nachfolgen will, der nehme auf sich sein Kreuz“. Das soll nicht verdecken, dass es hier beim Joch nicht um die Nachfolge im Leiden geht; sondern hier geht es um das Üben und Lernen eines von der Weisheit Gottes getragenen guten Lebens.

Kommt alle her zu mir und lernt von mir, sagt Jesus. Lernt von mir Sanftmut, lernt von meiner Demut. Wie wenn es nichts Wichtigeres gäbe als Sanftmut und Demut! Gleich nach diesen Worten Jesu erzählt uns Matthäus in Kapitel 12 zwei Beispiele für das sanfte Joch der Weisheit Jesu: den Sabbatgang durchs Kornfeld und die Sabbatheilung des Menschen mit der verdorrten Hand im Tempel. Zwei Beispiele für Jesu Sanftheit. Aber auch für seine Entschlossenheit, die Freundlichkeit Gottes zu leben. Entschlossen setzt Jesus sich über den Wortlaut der Gebote hinweg: Am Sabbat darf man Gutes tun. Und Barmherzigkeit ist wichtiger als Opfer!

Vielleicht wird in diesen beiden Beispielen erkennbar, was das sanfte Joch ausmacht: Das Gebot ist nicht aufgehoben. Aber es ist eingebettet in den größeren Horizont der unmittelbaren Barmherzigkeit Gottes: Gutes tun ist immer erlaubt.

Das sanfte Joch Jesu. Nun haben die meisten von uns in ihrem nachösterlichen Alltag keine Wahl. Der Beruf, Haushalt und Familie, das Ehrenamt: Die Aufgaben und Lasten liegen fest – und längst nicht immer liegen sie sanft. Manchmal müssen wir ein Joch abwerfen, um Jesu Joch aufnehmen zu können. Meist aber geht es darum, dass wir von Jesus lernen: dass wir lernen, unter unserem Joch die Osterlieder zu singen oder mit unserm Joch auf die schwungvollen Dreiertakte der Osterlieder zu tanzen.

Der Kirchenvater Augustin formulierte es im fünften Jahrhundert so: „Was auch immer hart ist in dem, was uns auferlegt ist, die Liebe macht es leicht.“


 

Ihr Gebet

Gebet


Schöpfer des Himmels und der Erden
dich preisen alle deine Werke.
Lass uns nicht stumm bleiben
unter den Geschöpfen, die dich preisen,
sondern mach unser Leben zu einem Lobgesang
auf deine wunderbare Macht und Güte.
Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD