Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo gehören wir hin?

1. Johannes 1,5-6+8–9 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln doch in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 

Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. 

Impuls zum Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis: 1. Johannes 1,5?2,6.  Von Simone Sander

Wenn ich als Kind in meiner Heimat auf den schwäbischen Fildern ältere Leute auf der Straße traf, die mich nicht kannten, fragten sie nicht, „Wie heißt du denn?“, sondern in breitem Schwäbisch: „Ja, zu wem gehörsch jetzt au du?“ Ich nannte dann immer den Namen meiner Eltern, und die Leute wussten so, wo ich hingehörte.

„Wem gehörst denn du?“ oder „Wo gehörst du hin?“ Diese Sätze fragen nach der Beziehung, in der wir stehen und dem Ort, an dem wir uns im Leben befinden. Beides prägt uns von Grund auf.

Der Verfasser des Johannesbriefes war sicher kein Schwabe, aber auch er fragt nach Orten und weiß um deren prägende Bedeutung. „Im Licht“ und „in der Finsternis“. Das sind Orts- und Beziehungsangaben für unser Leben. Zu wem gehöre ich eigentlich?

Die biblische Botschaft gibt eindeutig Auskunft darüber, zu wem wir grundsätzlich gehören: Zu Gott.

Wer in seinem Licht lebt und sich von diesem getragen weiß, spürt Geborgenheit, Zuversicht und kann hoffnungsvoll seine Wege gehen, auch wenn sie gelegentlich steinig sind. Dort, wo wir uns zu weit von unserer eigentlichen Herkunft als Kinder Gottes entfernen, wandeln wir nicht mehr im Licht, sondern in der Finsternis, so drückt es der Johannesbrief aus.

In der Finsternis kann man auf Dauer nicht gut gehen. Da „wandelt“ man auch nicht, da tappt man allenfalls mühsam, Schritt für Schritt. Der Lebensweg zeichnet sich nur bruchstückhaft ab. Wir drehen uns im Kreis, gehen am Leben und an uns selbst vorbei und verfehlen das, was wir eigentlich sein könnten: Kinder des Lichts. Das ist es, was die biblische Botschaft „Sünde“ nennt. Die Trennung von unserer eigentlichen Herkunft, von Gott. (Der Johannesbrief macht uns darauf aufmerksam: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns.“ )

Die Wahrheit bekennt sich zur Sünde. Ich denke an Petrus. Vollmundig versprach er Jesus, dass er ihn niemals verlassen werde, auch wenn er mit ihm sterben müsste. Nach Jesu Gefangennahme leugnete er gleich dreimal, ihn überhaupt gekannt zu haben.

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So schnell brechen manchmal die guten Vorsätze, die Versprechungen, das Bild, das man sich von sich selbst gemacht hat. Die Worte von gestern, „Auch wenn sie dich alle verleugnen, ich doch nicht“, sind in den Wind geredet. Eigentlich unverzeihlich. Aber Petrus kommt mir wieder nahe, als von ihm berichtet wird, dass er erschrak und über seinen Verrat bitterlich weinte. Dort, wo wir über unser Verhalten noch erschrecken können, zeigt sich, dass wir nicht perfekt sind. Das Wissen um die Wahrheit und ein Besseres leuchtet darin auf. Erschrecken und die Enttäuschung über uns selbst sind sicher keine angenehmen Gefühle. Aber oft sind es gerade sie, die uns zur Wahrheit führen. Das zeigt schon das Wort „enttäuscht“. Wenn man das Wort ganz wortwörtlich nimmt bedeutet „ent-täuscht“: Die Täuschung über uns und andere ist weg. Die Wahrheit steht nun da. Aber nur sie ist der feste Boden, auf dem wir auf Dauer weitergehen können. Täuschung und Illusion tragen auf Dauer nicht.

Jesus hat es nicht mit den „Ent-täuschten“, den Eingebrochenen und Suchenden schwer gehabt, sondern mit denen, die sich ihrer Sache immer ganz sicher waren, den Unbeirrbaren, den angeblich Makellosen. Dagegen schenkte er den Menschen, die über sich selbst und die Umstände dieser Welt noch erschrecken konnten, immer wieder einen neuen Anfang und neue Möglichkeiten zum Leben.

Petrus wird später zu dem Fels, auf dem Christus seine Kirche bauen möchte. Nun könnte man fragen, was denn das für ein merkwürdiger Fels ist, auf den Christus seine Kirche baut. Auf einen Verleugner, auf einen reuigen Sünder? Man könnte aber auch sagen: Was ist das für eine große Verheißung – auch für uns.

Gebet

Lebendiger Gott,

wir wollen dein Licht in unserem Leben spüren. Schenke uns das Vertrauen, dass wir bei dir die Wärme deiner liebenden Vergebung spüren können. Du eröffnest uns immer wieder Weite und neue Möglichkeiten für ein erfülltes Leben.

Amen.