Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wovon kann man leben? - Impuls zur Predigt

Johannes 6,1-15 (in Auszügen; aus der BasisBibel) Hier ist ein kleines Kind. Es hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon für so viele Menschen? Jesus nahm die Brote und dankte Gott. Dann verteilte er sie an die Leute, die dort saßen. Genauso machte er es mit den Fischen. Alle bekamen, so viel sie wollten.

Wovon kann man leben?

Impuls für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 6,1-15.

Von Veronika Bohnet

Veronika Bohnet ist Pfarrerin der Kirchengemeinde Johannes unter dem Kreuz in Waiblingen. Foto: Privat

Menschen kommen, um Jesus zu sehen. Sie haben viel von ihm gehört. Er hat ihnen geholfen. Er hat Kranke gesund gemacht. Deshalb sind sie ihm auf die andere Seite des Sees Genezareth gefolgt. Die Gegend ist unbewohnt und unwirtlich. Sie sind keine reichen Bürger aus Jerusalem, sondern verarmte Bauern aus Galiläa. Landvolk, Arbeitslose oder Leiharbeiter, verachtete, für nutzlos gehaltene Menschen, stumm und verzweifelt. Die Politiker planen über ihre Köpfe hinweg. Soldaten zertrampeln ihre Felder oder holen sie nachts grundlos aus ihren Häusern. Keine Besatzungsmacht hat je mit ihnen verhandelt. Um ihre Nöte hat sich keiner gekümmert. Viele wissen nicht, was sie morgen ihren hungrigen Kindern zu essen geben sollen. Sie haben kaum etwas zu verlieren. Deshalb haben sie ihre Hoffnung auf einen gesetzt, von dem sie sich eine bessere Zukunft erwarten.

Pfarrerin Veronika Bonet, Waiblingen. Foto: privat„Gebt ihnen etwas zu essen!“, fordert Jesus. Die Jünger rechnen verzweifelt. Aber wo kaufen und von welchem Geld? Da kommt ein Kind und bietet Jesus vertrauensvoll seinen ganzen Besitz an: fünf Brotfladen und zwei Fische. „Kindern gehört das Himmelreich“, hat Jesus gesagt, und genau so ein Vertrauen hat er gemeint. Wird dieses Kind nun auch hungrig zu Bett gehen oder geschieht ein Wunder?

Wunder findet man dort, wo ein Mensch Gott sein Leben anvertraut. Wo jemand es wagt, alle Sicherheiten aufzugeben, wo eine auf ein Wort hin ihr Leben für andere riskiert. Das Unglaubliche geschieht: Eine Volksmenge wird bis zum Abwinken mit Brot versorgt und sogar mit gebratenem Fisch, damals ein Luxusartikel. Sie bekommen, was Menschen zum Sattwerden brauchen: Nahrung und menschliche Gemeinschaft dazu. Es wird für alle reichen, sie müssen nicht drängeln, sie müssen nicht kämpfen, sie können sich Zeit lassen. Ihre Teller werden nicht weggezogen, ehe sie nicht ganz satt geworden sind.

Ganz satt werden – das ist das Entscheidende, wonach wir alle uns sehnen. Satt von Hunger und Durst, aber auch satt an Liebe, an Geborgenheit, an Fürsorge und Gebrauchtwerden. Satt an Menschlichkeit, satt an Schönheit und sanfter Geduld. Satt an Musik und an Bildern der Seele.

Ganz satt werden

Satt an dem, was jeder Mensch auch zum Leben braucht: Lieben dürfen und geliebt werden. Brauchen dürfen und gebraucht werden. Hoffen dürfen und eine sein dürfen, auf die andere hoffen. Vertrauen dürfen und eine sein, der andere vertrauen. Ich kenne keinen Menschen, der sich danach nicht von Grund auf sehnt. Ich kenne keinen, der nicht irgendwann zerbricht, wenn er oder sie das nicht bekommen kann.

Ein Kind hat angefangen, und das Wunder geschieht: Alle haben gegessen, alle sind satt geworden. Gott schenkt mit vollen Händen, verschwenderisch, überschwänglich, überfließend und viel mehr, als wir zum Leben brauchen. Das ist Gottes Logik – wenn wir miteinander teilten würden, wenn wir weltweit füreinander sorgen würden, anstatt einander zu bekämpfen, dann würden die Erträge dieser Welt ganz gewiss für alle reichen, die auf ihr wohnen – mehr als genug. Leben in Fülle, aus Liebe und Vertrauen gegeben. „So wird es im Himmel aussehen“, sagt Jesus.

Schmetterling. Foto: pixabay/Gerd AltmannFoto: pixabay/Gerd Altmann

Gebet

Lieber Herr, gib mir einen fröhlichen Mut, Lust und Freude.

Denn dieses Gut zu haben ist deine Gabe, die ich von mir selbst nicht haben kann, wenn du sie mir nicht gibst.

Darum bitte ich dich um Christi willen, gib mir einen fröhlichen Mut, eine reine Freude und Lust, dass ich heute mit meinen Freunden guter Dinge sei, doch ohne Sünde.

Martin Luther