Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zehn Gebote wirken bis heute

Seit 2500 Jahren gibt es die Zehn Gebote. Der Dekalog ist weltweit zu einer Ikone in den modernen Gesellschaften geworden. Fast jeder kann mit dem Begriff „Zehn Gebote“ etwas anfangen. Sie genießen Verehrung bei Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit ebenso wie bei denen, die sich zu keiner Religion bekennen. Sie haben Auswirkungen bis heute.


Vor dem Europarat in Straßburg steht ein Denkmal für die Menschenrechte. (Foto: akg-images)

Heute ist in der alttestamentlichen Forschung klar, dass die Zehn Gebote kein Dokument unmittelbarer Offenbarung Gottes in der Wüste sind. Sie sind Zeugnis davon, wie Israel auf die Krise des Exils reagierte. Und doch hat der Dekalog gerade als Glaubenszeugnis Israels universale Bedeutung. Was hat es damit auf sich?

Alles Recht ist im Alten Orient prinzipiell Königsrecht. Von den Pharaonen Ägyptens bis zu den Königen des Zweistromlands: Die Könige des Alten Orients sollen Werkzeug der Götter in der Durchsetzung des Rechts sein. Völlig anders der Dekalog: Ob am Horeb oder am Sinai – das Zehnwort ist Bundesurkunde einer Gemeinschaft, die keiner staatlichen Herrschaftsinstanzen bedarf. Nicht dort, wo die Herrschaftssymbole nationaler Identität zur Schau gestellt werden, sondern dort, wo durch Erfüllung der Zehn Gebote der Wille Gottes getan wird, ist Israel als Gottesvolk präsent.

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Die Selbstvorstellung Gottes, die den Dekalog eröffnet, ist verbunden mit dem Hinweis auf die Herausführung Israels aus Ägypten. Damit definiert Gott den Geltungsbereich des dekalogischen Ethos als eine Ethik der Befreiten. Und diese sollen nach dem Willen Gottes die Welt gestalten.

An dieser Stelle zeigt sich, dass die Alternative „‚säkulare Ikone‘ oder ‚Marginalisierung hinter Kirchenmauern‘?“ zu kurz greift. Der Dekalog und die ihn tragende Theologie hat eine Wirkungsgeschichte entfaltet, die bis in die rechtliche Gestaltung der Moderne reicht.

Die Bundestheologie der Hebräischen Bibel gründet Gemeinschaft nicht auf Herrschaft, sondern auf die aktive Weltgestaltung nach dem im Dekalog zusammengefassten Willen Gottes. Politische Freiheit durch Bindung an den Gotteswillen, der alle politischen Loyalitätsansprüche in die Schranken weist – diesem Gedanken wird erstmals im Alten Orient Raum gegeben. Auch auf diesem Fundament stehen die modernen Menschenrechte – nicht nur als Abwehrrechte gegen den Staat, sondern auch als Verpflichtung zum solidarischen Zusammenhalt der Gesellschaft.

Den Dekalog von seinem literarischen und damit theologischen Kontext in der Hebräischen Bibel abzulösen und als säkulare Ikone naturgegebener Sittlichkeit des Menschen zu verehren, ist ebenso verfehlt, wie ihn hinter Kirchenmauern zu verbannen. Gerade der biblische Horizont, in den die Entstehung des Dekalogs eingebettet ist, prägt die ethische Substanz der modernen Gesellschaft über alle Religions- und Konfessionsgrenzen hinweg. Um einer humanen Zukunft unserer Gesellschaft willen sollte dieser Zusammenhang für alle wachgehalten werden.

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