Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die evangelische Welt geeint - Augsburger Bekenntnis

Das Augsburger Bekenntnis wurde von Kaiser Karl V. für widerlegt erklärt. Doch was auf den ersten Blick wie eine Niederlage für die protestantische Bewegung aussah, entpuppte sich später als Erfolg: Es wirkte auf die vielen protestantischen Strömungen als einigendes Dokument.

Windsheimer Konfessionsbild: Übergabe der Confessio Augustana an Kaiser Karl V. Gemälde von Andreas Herneisen (1538 ‒ 1610). Foto: akg-images

1529/1530 stand es schlecht um die reformatorische Bewegung. Die Einigung zwischen den Schweizer und oberdeutschen Richtungen einerseits und den lutherischen Territorien in Nord- und Ostdeutschland drohte an der Abendmahlsfrage zu scheitern – die Lutheraner hielten dafür, dass Jesus Christus in Brot und Wein leibhaftig gegenwärtig ist, die Reformierten verstanden diese Gegenwart eher symbolisch. 1529 war es in Marburg in dieser Frage zu einem Zerwürfnis zwischen den Reformatoren Martin Luther und Huldrych Zwingli gekommen.

Gleichzeitig hatte der – altgläubige – Kaiser ein Interesse daran, die Einheit seines Reiches zu wahren. Dies war überlebenswichtig, weil Deutschland von den türkischen Heeren des Sultans Suleiman bedroht war, zugleich aber die Franzosen unter François I. immer mächtiger wurden.

Die Religionsfrage sollte auf dem Reichstag von Augsburg einer Lösung zugeführt werden. Kaiser Karl V. – zwar katholisch, aber mit dem Papst aus politischen Gründen zerstritten – sah sich eher als Schiedsrichter und forderte die Parteien auf, ihre Position darzulegen.

Suche nach einheitlicher Lösung

Für die evangelische Seite waren Philipp Melanchthon und Johannes Brenz federführend. Sie formulierten einen Text, der am 25. Juni 1530 dem Kaiser übergeben und später als das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) bekannt wurde.

Martin Luther konnte nicht nach Augsburg kommen, weil er noch in der Reichsacht war. Er verfolgte den Reichstag von der Festung Coburg aus. Er schreibt sinngemäß an die Freunde, dass er mit dem Text ganz einverstanden ist und keine Änderungsvorschläge hat.

Der Text selbst atmet den Geist einer Suche nach einer einvernehmlichen Lösung. Er betont, wo immer möglich, die Gemeinsamkeiten mit der römischen Kirche. Abweichende Meinungen und „Irrlehren“ werden in Übereinstimmungen mit den alten Bekenntnissen „verworfen“.


Der erste Teil enthält die Lehrinhalte, die die evangelische Kirche aktiv bekennt. Der zweite Teil benennt die „Missstände“ aus evangelischer Sicht in der Kirche – hier geht es meist um Liturgie oder kirchenorganisatorische Fragen. Aus heutiger Sicht ist die Definition entscheidend, was für die Einheit der Kirche notwendig ist: Dass das Evangelium unverfälscht gepredigt und die Sakramente – Taufe und Abendmahl – dem Evangelium gemäß gereicht werden. Alles weitere ist nicht kirchentrennend.

Stark gemacht wird im Augsburger Bekenntnis die evangelische Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade und ohne eigenen Verdienst. Dabei gilt auch der Glaube nicht als Verdienst, er wird von Gott als Geschenk gewirkt. Ebenfalls typisch evangelisch ist die Auffassung, der Christ sei Bürger zweier Welten. In der Welt sorgt die von Gott eingesetzte Obrigkeit für ein geordnetes Zusammenleben, im Reich des Evangeliums regiert nur Gott.

Erstunterzeichner des Textes waren neben den großen reformatorischen Territorien die Reichstädte Nürnberg und Reutlingen, noch während des Reichstages traten mehrere süd- und südwestdeutsche Reichsstädte bei, auch Heilbronn. Der Kaiser beauftragte dann die katholischen Theologen Johannes Fabri und Johannes Eck mit der Abfassung einer Gegenschrift. Nach deren Eingang erklärte er das Augsburger Bekenntnis für widerlegt.

Auf den ersten Blick schien dies eine Niederlage für die protestantische Bewegung, zumal das Ergebnis eine politische Schwächung darstellte. Auf lange Sicht entfaltete der Text von 1530 aber eine ungeheure einigende und glaubensstärkende Wirkung, so dass 1555 im Augsburger Religionsfrieden die Anhänger des Augsburger Bekenntnisses auch reichsrechtlich anerkannt wurden. Bis heute verbindet es die lutherischen Kirchen weltweit.

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