Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Schöne auf dem Berg (48) - Schöne, informative Wanderwege

ELLWANGEN – An der Wallfahrtskirche auf dem Ellwanger Schönenberg beginnt der zwölf Kilometer lange Kapellenweg. Eine hügelige Rundwanderung zu Wiesen, Wäldern und kleinen Dorfkirchen. Ein wenig Orientierungssinn muss man mitbringen.

Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg in Ellwangen. Foto: H. Hach, pixabayWallfahrtskirche auf dem Schönenberg in Ellwangen. Foto: H. Hach, pixabay

Die Feuerzangenbowle. Als 1943 der Filmklassiker mit Heinz Rühmann gedreht wurde, lagen viele deutsche Städte schon in Schutt und Asche. Also musste man die Idylle simulieren und schnitt einige schöne Motive aus vom Krieg noch nicht betroffenen Kleinstädten hinein. Die Altstadt von Schwäbisch Hall gehörte dazu und Ellwangen mit der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg.

Goldgelb leuchten ihre Türme in der Nachmittagssonne. Eine barocke Landmarke, die schon von weitem sichtbar ist und heute noch genauso viel Charme wie zu Rühmanns Zeiten hat. Die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg ist Start und Ziel des Kapellenwegs, einer zwölf Kilometer langen Rundwanderung über die Ellwanger Berge, die in Wahrheit aber eher sanfte Hügel sind.

Landmarke mit den zwei Türmen

Es lohnt sich, der Kirche etwas Zeit zu widmen. Einen Blick auf ihre Barockorgel zu werfen, ihren Hochaltar, die Gnadenkapelle. 1639 wurde hier eine erste kleine Wallfahrtskirche errichtet, 1689 der prächtige Steinbau mit den Doppeltürmen ein- geweiht. Der Voralberger Baumeister Michael Thumb hinterließ seine unverwechselbaren Spuren.

1709 wurde die Kirche durch ein Feuer zerstört, aber schon wenige Jahre später wiederaufgebaut. Der württembergischen Königin Katharina ist es zu verdanken, dass sie nach der Auflösung der Fürstpropstei Ellwangen im 19. Jahrhundert nicht abgerissen wurde.

So steht sie noch immer stolz auf einem 530 Meter hoch gelegenen Hügel am Rande der Stadt. Von hier aus geht es nun auf schattigen Wegen in den Wald hinein. Man folgt immer dem Schild mit der gelben Kirche auf weißem Grund. Das klappt zuweilen gut, doch leider allzu oft auch nicht: Die Beschilderungslücken an wichtigen Wegkreuzungen sind zeitweise anstrengend. Wer die Augen offen hält, die gedruckte Faltkarte oder die Internet-Beschreibung mitnimmt, wird sich trotzdem nicht verlaufen.

Kressbachsee bei Ellwangen. Foto: Andreas SteidelFoto: Andreas Steidel

 

 

 








Fotos: Andreas Steidel

Die erste Station ist der Kreßbachsee. Er dient heute als Naturschwimmbad, ein großes Freizeitgelände, das man links umgeht, um dann nach rechts gleich wieder in den Wald einzubiegen. Vielfach folgt der Kapellenweg dem Jagst-Steig, bleibt aber stets auf breiten geschotterten Waldwegen.

Es geht nun sanft bergan, nach und nach sammelt man ein paar Höhenmeter. An einer Wegkreuzung sticht ein kleiner bemooster Obelisk ins Auge, gewidmet dem Oberjägermeister Freiherr von Knöringen. Hier zweigt der Kapellenweg nun nach rechts ab, bald danach wieder nach links in Richtung Stocken.

Der Wald weicht nun weiten Wiesen und prächtigen Sonnenblumenfeldern. Kurz vor dem Dorf Stocken steht ein Wegkreuz unter einer Linde. Ganz ruhig ist es hier, kaum ein Auto verirrt sich in diese abgelegene Gegend.

Kapelle St. Ursula in Stocken. Foto: Andreas SteidelSebastianskapellen in Eigenzell, Foto: Andreas SteidelFoto: Andreas Steidel

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Andreas Steidel

Die erste Kapelle ist St. Ursula gewidmet (Foto: li.). Sie steht in der Dorfmitte von Stocken, einem Ortsteil von Ellwangen. Wanderer können gleich neben ihr auf der Wiese Platz nehmen, wo sie Bank und Tisch erwarten. Ein idealer Ort, um zu rasten und die Blicke schweifen zu lassen. Hinter der Kirche hat ein Künstler eine Pferdeskulptur geschaffen, auf deren Rücken das Kirchenschiff ruht – das Ergebnis einer Ellwanger Kunstaktion mit dem Titel „Schwing die Hufe“.

Die darf man nun auch selbst schwingen, um den zweiten Teil des Kapellenwegs in Angriff zu nehmen. Stocken ist der Wendepunkt der Strecke, von hier geht es nun in weitem Bogen nach Süden. Erneut muss man nun aufpassen, die Abzweigungen nicht zu verfehlen. Am Dorfende geht es zuerst links und dann wieder geradeaus den Berg hoch. Fast hat man den Eindruck, als seien die Hinweisschilder immer genau dort platziert worden, wo man sie gerade nicht braucht

Zum Glück gibt es die weithin sichtbare Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Kurz vor Eigenzell sieht man ihre Silhouette. Ein majestätischer Anblick vor dem Hintergrund der staufischen Drei Kaiserberge, die sich hier nun ebenfalls am Horizont abzeichnen.

Die Sebastianskapelle von Eigenzell  (Foto: mitte) hat eine über 500-jährige Geschichte, auch wenn man es ihr rein äußerlich nicht ansieht. Zwei Gaststätten gibt es am Ort, die beide aber nur noch sporadisch geöffnet sind. Dafür bietet der Dorfmetzger gleich neben der Kirche seine Waren in einem Automaten feil.

Hier kann man das Landleben riechen, den Duft von Schweineställen und von Rindern, die auf einer Weide gleich neben der Dorfstraße stehen. Der letzte Abschnitt des Kapellenwegs ist malerisch. Ein Sträßchen schlängelt sich den Hang hinunter umgeben von Wäldern und Wiesen. Zwischen den Baumspitzen lugen die Doppeltürme der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg hervor. Nach rund vier Wanderstunden hat man sie wieder erreicht.

Derjenige, der sich ein paar mehr Kapellen auf dem Kapellenweg erhofft hatte, muss übrigens nur von der Wallfahrtskirche den Kreuzweg hinunterspazieren: Dort steht an jeder Station eine Rosenkranzkapelle, 15 pittoreske Häuschen, die Fürstprobst Franz Georg von Schönborn 1733/34 erbauen ließ.

Ein Kapellenweg im Kompaktformat für die Wallfahrer, die heute wie damals hin auf den göttlichen Schönenberg pilgern.

Der Ellwanger Kapellenweg ist zwölf Kilometer lang und beginnt an der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Es gibt genug Parkplätze, die Kirche ist täglich geöffnet.

Auf halber Strecke kann man im „Grünen Baum“ in Stocken einkehren (Telefon 07961-3578), geöffnet Mittwoch bis Samstag ab 16 Uhr, Sonntag ab 14 Uhr.

Eine kostenlose Wanderkarte kann bei der Touristinformation bestellt werden, Telefon 07961-84303, www. ellwangen-tourismus.