Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erscheinungsfest: Epiphaniasfest

Das Erscheinungsfest ist hierzulande nicht sehr bekannt, das unterscheidet uns von den orthodoxen Kirchen. Das hat verschiedene Gründe. Doch wie kommt das Erscheinungsfest überhaupt zu seinem Namen?

Das griechische Wort „Epiphanias“ heißt „Erscheinung“. Am Epiphaniastag,dem 6. Januar, wird der Taufe Jesu im Jordan gedacht. Eine Taufe, so wie Christen sie kennen, gab es zur Zeit Jesu nicht. Vielmehr vollzogen gläubige Juden ein Tauchbad, um sich von ihren Sünden symbolisch zu reinigen. Dieses Tauchbad ist der Ursprung der christlichen Taufe. In der Zeit Jesu gab es in Judäa einen Propheten namens Johannes, der den Beinamen „der Täufer“trug. Er lebte am Ufer des Jordans und unterzog diejenigen, die zu ihm kamen,jenem Reinigungsbad. Johannes war berühmt in Palästina, weil er sein Leben ganz und gar auf Gott ausrichtete. Seine Ausstrahlung zog Menschen aus allen Schichten und allen Landesteilen an. Die Gottesherrschaft war in der Zeit Jesu und Johannes ein gängiger Begriff unter den Juden. Israel war aufgeteilt in römische Provinzen, das Volk Israel, die Juden, in aller Herren Länder zerstreut und der Glaube an den Gott Israels besaß kaum Bedeutung gegenüber den zahlreichen Religionen der Antike. Die Vision von der Gottesherrschaft besagte, dass Israel wieder eins würde und der Gott Israels wieder Herr des Landes. Johannes glaubte, dass die Herrschaft Gottes aber erst dann aufgerichtet würde, wenn das Volk Israel sich von seiner Schuld gereinigt hätte und sich aufrichtig zu Gott bekennen würde.

Im Alter von etwa 30 Jahren, so berichtet die Bibel, wanderte Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich taufen zu lassen. Als er untertauchte,erschien der Geist Gottes in Form einer Taube – deshalb ist die Taube das Symbol für den Heiligen Geist in unseren Kirchen. Eine Stimme sagte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Das sprach sich herum und ab da hatten Jesu Predigten bei den Menschen in den Provinzen Palästina seine große Bedeutung.

Exkurs: Die bulgarisch-orthodoxe Kirche bezieht sich besonders deutlich auf die Taufe Jesu. Der 6. Januar heißt dort auch „Jordanstag“. Es ist Brauch, dass der Priester ein hölzernes Kreuz in ein Gewässer wirft,das anschließend von jungen Männern wieder ans Ufer gebracht wird.Auf diese Weise wird einerseits an die Taufe Jesu erinnert und andererseits das Gewässer geheiligt, in das das Kreuz geworfen wurde.

Für die gesamten orthodoxen Ostkirchen ist der 6. Januar neben Ostern der wichtigste Tag im Kirchenjahr. Dann wird dort das Weihnachtsfest begangen.Das hängt mit der unterschiedlichen Kalenderzählweise der Kirchenfeste im Westen und im Osten zusammen. In den Ostkirchen gilt nach wie vor der julianische Kalender, so genannt nach Julius Caesar, der ihn einführte.Im Westen gilt seit dem 16. Jahrhundert der gregorianische Kalender,benannt nach Papst Gregor XIII., der ihn durch einen päpstlichen Erlass (Bulle)im Jahr 1582 offiziell verordnete. Grund für die Kalenderreform war, dass der unflexible julianische Kalender sich im Lauf der Jahrhunderte immer mehr vom Sonnenjahr unterschied, heute sind es bereits 13 Tage. Der gregorianische Kalender ist dem Sonnenjahr besser angepasst. Aus diesen unterschiedlichen Kalendern folgt die Doppeldatierung des Weihnachtsfestes.Der ältere julianische Kalender zählt den 6. Januar als Geburtstag Jesu, der jüngere gregorianische den 25. Dezember.

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In unseren Breiten ist Epiphanias eher unter seinem zweiten Namen bekannt:Heilige Drei Könige oder Dreikönigstag. Dieser Name geht auf den Bericht im Matthäusevangelium zurück, dass drei hochrangige Persönlichkeiten aus dem Morgenland den neugeborenen König Israels suchten, um ihn zu ehren. Im Matthäusevangelium ist die Rede von „Weisen“, also sternkundigen Gelehrten, die vermutlich aus Persien, einem Gebiet östlich von Palästina, kamen. Die Legende hat aus den drei Weisen Könige werden lassen.Die Weisen vermuteten den neuen König logischerweise zunächst im Palast des Herrschers Herodes in Jerusalem. Am Hofe erfuhren sie dann,dass nicht die Hauptstadt, sondern der Ort Bethlehem in der Nähe von Jerusalem gemeint war. Dort, in einer einfachen Herberge, also an einem Ort,der weniger unangemessen für einen König nicht sein konnte, fanden sie ihn und überreichten ihre Ehrengeschenke: Gold, wertvolles Weihrauch-Harz und Myrrhe, ebenfalls ein kostbares Duftharz.

In der katholischen Kirche gedenkt man an Epiphanias der Heiligen Drei Könige (eine ausführliche Erklärung zum Brauchtum an diesem Tag finden Sie im Beitrag „Katholische Feiertage für Evangelische“ am Ende des Buches).Die Überlieferung hat ihnen auch drei Namen zugedacht: Caspar,Melchior und Balthasar. Die Zahl Drei hängt vermutlich mit den drei Geschenken zusammen, die Jesus überbracht wurden. Überhaupt hat sich im Zusammenhang mit den Weisen im Lauf der Zeit Einiges an Symbolik entwickelt:Balthasar wird oft als Greis, Melchior als Mann mittleren Alters und Caspar als junger Mann dargestellt, was auf die Lebensalter verweist. Außerdem ist Caspar traditionell dunkelhäutig. Er vertritt den Erdteil Afrika, Balthasar Asien und Melchior Europa – die drei in der Antike bekannten Kontinente.Damit soll gesagt werden, dass sich Menschen aus aller Herren Länder einfanden, um Christus zu ehren.

Bekannt sind hierzulande auch die Sternsinger, verkleidet als die drei Könige.Sie gehen ab dem 6. Januar von Haus zu Haus und sammeln Spenden für karitative Zwecke. Dabei ist es üblich, dass sie die Anfangsbuchstaben ihrer Namen mit Kreide auf den Türrahmen schreiben, C M B, dann folgt die Jahreszahl. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich der lateinische Satz „Christusmansionem benedicat“ („Christus segnet das Haus“). In der katholische nTradition wurden aus Caspar, Melchior und Balthasar Heilige. Ihre Reliquien werden im Dreikönigsschrein des Kölner Doms aufbewahrt.

Weil die protestantischen Kirchen die Heiligenverehrung ablehnen,spielt der Dreikönigstag bzw. Epiphanias in Gegend mit überwiegend protestantischerBevölkerung keine Rolle als eigenständiger Festtag. Das trägtwesentlich dazu bei, dass das Erscheinungsfest in vielen Bundesländern unbekannt ist.

Epiphanias nimmt Bezug sowohl auf die Geburt Jesu als auch auf die Taufe.Die Umstände der Geburt Jesu sind ohne seine Berufung nicht zu verstehen.Nicht ein „göttlicher“ Stand oder eine entsprechende Herkunft lassenihn den werden, der er ist, sondern die Berufung durch Gott, die rund 30 Jahrespäter durch die Taufe bekräftigt wird.

Ein alter urchristlicher Lobpreis besingt den Weg, den Jesus nahm. Paulus hat ihn in seinem Brief an die Philipper-Gemeinde zitiert: 

„Er, der von göttlicher Gestalt war, hielt nicht daran fest, gottgleich zu sein.

Sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave den Menschen gleich.

Sein Leben war das eines Menschen.

Er erniedrigte sich selbst, er war gehorsam bis in den Tod, ja, bis zum Todam Kreuz.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen,der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ,Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Philipperbrief, Kapitel 2, Vers 6–11).

Das Datum, der 6. Januar, bezeichnet kein tatsächlich historisches Datum.Wie der 25. Dezember war auch dieser Tag ursprünglich einer Gottheit gewidmet. Es war der Geburtstag des Sonnengottes Aion, dessen Kult in der ägyptischen Metropole Alexandria eine große Rolle spielte. Die frühen Christen in Ägypten übernahmen Datum und Fest und deuteten es von Grund auf um. Sie verknüpften die Geburt Jesu mit seinem Leben und dem Evangeliumalso der Frohen Botschaft, die er nach seiner Taufe zu verbreiten begann.Diese Deutung war unerhört für die Antike, weil als Herrscher nur Menschen göttlicher Herkunft infrage kamen, Heroen, also Menschen mit göttergleichen Kräften, oder – wie im Falle des Aion – Götter. Im Umkehrschluss war man in Ägypten, China und Japan der Überzeugung, Könige seien von göttlicher Herkunft; für manche Menschen in Japan gilt das bis heute.Dass die göttliche Erscheinung zugunsten des Menschseins ganz in den Hintergrund trat, dass Gott den Menschen gleich wurde, war für die Antike schlicht undenkbar. Mit fatalen Folgen für die ersten Christen: Weil ihr Glaube sich grundsätzlich von den bekannten Religionen unterschied, galten sie als„Atheisten“, als Menschen, die keinen Gott hatten. Das machte sie verdächtig und führte zu Verfolgung und Gewalt.

Die liturgische Farbe des Epiphaniasfestes und der sechs Sonntage, die ihm folgen, ist Grün, die Farbe der Hoffnung. Grün ist die häufigste liturgische Farbe im Kirchenjahr. Die Epiphaniaszeit und die „stille Zeit“ des Kirchenjahres, Trinitatis, sind durch sie gekennzeichnet.

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