Christliche Themen für jede Altersgruppe

Fränkische Beharrlichkeit - Reformationsweg in Crailsheim

CRAILSHEIM – Im hohenlohischen Crailsheim blieb der Pfarrer auch auf Reformationskurs, als es den fränkischen Markgrafen mulmig wurde. Ein Reformationsweg erinnert dort an die erstaunlich frühen Anfänge und an einen entschlossenen Prediger namens Adam Weiß.

Station auf dem Crailsheimer Reformationsweg: Die Johanneskirche mit dem spätgotischen Altar. Foto: PressebildStation auf dem Crailsheimer Reformationsweg: Die Johanneskirche mit dem spätgotischen Altar. Foto: Pressebild

1526 ist ein Schlüsseljahr in der Glaubensgeschichte Crailsheims. Vier Jahre lang war da der neue Pfarrer schon in der Stadt. Seit 1522 hatte er im evangelischen Sinne gepredigt und drei Jahre später erlebt, wie nach dem Bauernkrieg sein Markgraf wieder ins Schwanken kam. Sollte man nicht besser zum alten Glauben zurückkehren? Zumal die Bauern offenbar die evangelische Botschaft falsch verstanden hatten, als Aufforderung zur Auflehnung gegen die Obrigkeit.

Doch Adam Weiß ließ sich nicht abbringen. Kaum ein Jahr nach dem Bauernkrieg tat er das, was an seiner evangelischen Gesinnung keinen Zweifel ließ: An Ostern 1526 feierte er das Abendmahl in beiderlei Gestalt, mit Brot und Wein. Kurze Zeit später heiratete er und brach damit den Zölibat.

Crailsheim - Im Krieg fast völlig zerstört

Crailsheim war zu jener Zeit Teil der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Eine fränkische Stadt, der man das bis heute anhört, der Dialekt der Menschen klingt ganz anders als im benachbarten urschwäbischen Ellwangen. Markgraf Georg ist früh beeinflusst von den Ideen Luthers und schickt deshalb schon 1521 den evangelisch gesinnten Pfarrer Weiß nach Crailsheim.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Der Ort ist eine Nebenresidenz des Fürstenhauses. Noch heute kündet der Schlossplatz von diesen Zeiten und einer Stadt, die bis 1945 ein Schmuckstück war. Dann wird sie so gründlich zerstört wie kaum ein anderer Ort dieser Größenordnung. Als die Amerikaner im April 1945 Crailsheim schon erobert hatten, holten sich die Deutschen die Stadt zurück – mit verheerenden Folgen. Von der Altstadt blieben fünf Prozent übrig.

Rathausturm Crailsheim, Station auf dem Reformationsweg. Foto: Andreas SteidelJohanneskirche Crailsheim. Foto: Pressebild, Andreas Steidel

Rathausturm Crailsheim und Johanneskirche, Stationen auf dem Reformationsweg. Foto: Andreas Steidel

Es grenzt an ein Wunder, dass die große Johanneskirche den Bombenhagel überlebt. Sie ist heute die erste Station eines Reformationsweges in Crailsheim, der an zwölf verschiedenen Punkten die Glaubensgeschichte lebendig werden lässt. Um das „Bekenntnis“ geht es an der Johanneskirche, am Fuße einer Stele sind die vier reformatorischen Prinzipien eingraviert: Sola fide, sola gratia, sola scriptura, solus Christus – nur der Glaube, die Gnade, die Schrift und Jesus zählen.

Dementsprechend werden fast alle Heiligenaltäre verkauft. Doch die Crailsheimer sind Lutheraner und in der Bilderfrage nicht so streng. Deswegen bleibt der große spätgotische Passionsaltar im Chor der Johanneskirche erhalten. Er ist heute dort der wertvollste Schmuck, ein Werk aus der Nürnberger Werkstatt Michael Wolgemuts, bei dem schon Dürer in die Lehre ging.

Ganz am Anfang seiner Crailsheimer Pfarrerzeit ist Adam Weiß den Ideen Zwinglis nicht abgeneigt. Doch das ist nur ein Intermezzo. Weiß gerät immer mehr unter den Einfluss des Schwäbisch Haller Predigers Johannes Brenz, eines überzeugten Lutheraners.

1529 begleitet Adam Weiß seinen Landesherrn zum Reichstag der Protestation in Speyer und ist auch 1530 mit von der Partie, als Brandenburg-Ansbach zu den Unterzeichnern des Augsburger Bekenntnisses gehört. Nun ist der Crailsheimer Pfarrer in der ersten Reihe der Reformatoren angekommen, doch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit: Bereits 1534 stirbt Adam Weiß. Er wird im Chor der Johanneskirche begraben.

Alte Bibliothek Crailsheim. Foto: Andreas SteidelVon Adam Weiß hat sich kein Bildnis und keine Predigt erhalten. Wohl allerdings gibt es noch die Bibliothek, die er mit zahlreichen Anmerkungen der Stadt vermacht hat. Jahrelang war sie in seinem Wohnhaus am Kirchplatz 6 untergebracht. Im 19. Jahrhundert wurde es durch einen Neubau ersetzt. Zum Gedenken an Weiß und seine Bücher heißt der Ort bis heute trotzdem „Liberei“ – die zweite Station auf dem neuen Reformationsweg.

Eine andere Stele der Reformation führt vor die Tore der einstigen Stadtmauer, zum alten Gottesacker, der ab 1545 neuer evangelischer Friedhof wird. Die Pest hatte die Bestattungen außerhalb der Innenstadt notwendig gemacht, doch kommt darin zugleich eine Veränderung der Friedhofskultur zum Ausdruck, die in engem Zusammenhang mit der Reformation steht: Die für Katholische wichtige Einheit von Lebenden und Toten, von geweihter Kirche und Kirchhof ist nun nicht mehr wichtig.

Rund 300 Jahre wird Crailsheim eine rein evangelische Stadt bleiben. Der 1717 errichtete, 57 Meter hohe Rathausturm soll an das 200-Jahr-Jubiläum der Reformation erinnern. Erst im 19. Jahrhundert, als Crailsheim über den Umweg Preußen und Bayern schließlich an Württemberg geht, beginnt sich allmählich auch eine katholische Gemeinde zu etablieren.

Stelen am Friedhof Crailsheim, am Schloßplatz und bei der Bonifatiuskirche. Foto: Andreas Steidel

Skulptur im Friedhof Crailsheim. Foto: Andreas Steidel

Denkmal am Schlossplatz, Crailsheim. Foto: Andreas SteidelCrailsheim, Denkmal an der Bonifatiuskirche. Foto: Andreas Steidel

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass sie sich am Reformationsweg in Crailsheim beteiligt hat, gehört zu den ganz erstaunlichen Tatsachen der jüngsten Vergangenheit. Eine Station liegt sogar direkt vor der katholischen Bonifatiuskirche. Auch der Bildhauer Rudolf Kurz, Künstler des Reformationsweges, ist ein Katholik, noch dazu aus dem schwäbischen Ellwangen. Das spricht für einen ökumenischen Geist sowie für einen, der Grenzen überwindet. □

Der Crailsheimer Reformationsweg hat zwölf Stationen: Es gibt Flyer zu den Einzelstationen sowie eine Gesamtübersicht. Über die Stadtinformation können Führungen auf dem Reformationsweg gebucht werden.

Die Johanneskirche mit dem Passionsaltar ist täglich geöffnet (Telefon 07951-947021, Internet: www.johanneskirche-crailsheim.de).

Sehenswert sind auch der Diebesturm an der alten Stadtmauer und der alte Gottesacker, der einstmals evangelischer Friedhof war.

Allgemeine Auskunft: Touristinformation, Telefon 07951-4030, Internet: www.crailsheim.de

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen