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Franziskusweg im Deggenhausertal - Schöne und informative Wanderwege

DEGGENHAUSERTAL – Er ist ein Geheimtipp für diese Zeit, in der man nur allein oder in kleinen Gruppen wandern kann: der „Franziskusweg“ im Deggenhausertal hat gerade auch im Winter viel zu bieten. Eine kleine Wanderung für Körper und Seele.

Stapfen durch den tiefen Schnee, immer wieder an Kreuzen vorbei. Foto: Brigitte GeiselhartStapfen durch den tiefen Schnee, immer wieder an Kreuzen vorbei. Auf einem steht: „Vor Blitz, Hagel und Ungewitter bewahre uns der Herr.“ Foto: Brigitte Geiselhart

Im Sommer geht es hier über saftige grüne Fluren, üppige Streuobstwiesen und dichte Wälder und man darf sich an wunderschönen Sonnenblumenfeldern erfreuen. Doch diese rund sieben Kilometer lange Wanderung ist im Winter nicht weniger reizvoll. Vielleicht gerade deswegen, weil die Natur sich in einer Art Ruhezustand befindet und weil man in dieser fast mystischen Atmosphäre dem Namensgeber des Weges, seiner Spiritualität und seiner zurückgezogenen Lebensweise ganz besonders gut nachspüren kann.

Der „Franziskusweg“ im Deggenhausertal. Startpunkt ist beim Parkplatz in der Nähe des Rathauses in Wittenhofen. Es hat über Nacht leicht geschneit. Alles scheint wie in Zuckerwatte eingepackt zu sein. Hier und da blickt die Sonne ein wenig durch. Das Tau-Kreuz weist von Anfang an den Weg. Ein Buchstabe, der sowohl im hebräischen als auch im griechischen Alphabet vorkommt – und im Alten wie im Neuen Testament (Ezechiel 9,6 und Offenbarung 7,3) eine Rolle spielt. Das Tau ist aber auch ein Segenszeichen, das Franz von Assisi sehr wichtig war. Er malte es an Wände, ritzte es in Baumrinden und setzte es wie ein Siegel unter seine Briefe.

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Franziskusweg im Deggenhausertal - Eine fast mystische Atmosphäre

Der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Schuhen. Es geht bergauf, dann in einen Feldweg hinein. „Gepriesen seist Du, alles erschaffende Kraft. Gütiger, liebender Gott wagen wir Dich zu nennen. Du allein gibst den Segen. Dein ist das Lob und die Ehre.“ Der erste von insgesamt zehn Bildstöcken ist erreicht, auf denen jeweils ein Vers des Sonnengesangs zu lesen ist, den Franziskus kurz vor seinem Tod im Jahr 1226 niederschrieb – seine zentrale Dichtung. In zeitgemäße Sprache gebracht und auf Holztafeln eingraviert wurden die Worte von der örtlichen Künstlerin Inge Klawiter. Die zu den Texten passenden Keramiktafeln haben Schüler der fünften Klasse der ehemaligen Hauptschule Wittenhofen modelliert.

Franziskusweg im Deggenhausertal - "Tal der Liebe". Foto: Brigitte GeiselhartFranziskusweg im Deggenhausertal - "Tal der Liebe". Foto: Brigitte Geiselhart

Zeit, um ein wenig innezuhalten. Auch an den nächsten Stationen. Die bereitgestellten Holzbänke sind mit Schnee bedeckt. Deshalb mag man eine Rast an diesem kalten Wintertag doch lieber im Stehen verbringen – und den Blick über weite Felder in die unberührte Schneelandschaft schweifen lassen. Und ein Schluck warmen Tees aus der mitgenommenen Thermoskanne tut in jedem Fall gut.

Die Gemeinde Deggenhausertal im Norden des Bodenseekreises grenzt auch an die beiden Landkreise Sigmaringen und Ravensburg. Zu ihr gehören die bis 1972 selbständigen Ortschaften Deggenhausen, Homberg, Roggenbeuren, Untersiggingen, Urnau und Wittenhofen, die alle ihren ganz eigenen Charme haben. Das Gemeindegebiet erstreckt sich zwischen dem Rand der Hochfläche des Höchsten und dem Gehrenberg und ist Teil des Oberschwäbischen Hügellands. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf einer Meereshöhe von 832 Metern, der tiefste auf 457 Metern.

Warum das Deggenhausertal auch „Tal der Liebe“ genannt wird, um diesen Gedanken ranken sich viele Geschichten. Dass man sich zwischen dem Höchsten und dem Gehrenberg und in direkter Nähe zum Bodensee in lieblicher landschaftlicher Umgebung befindet, das wird dem Wanderer schnell klar. In der ländlich geprägten 4000-Seelen-Gemeinde fernab vom Trubel auf viele Bauernhöfe, Gaststätten und malerische Kirchen zu treffen, das macht das Deggenhausertal auch für Urlauber äußerst reizvoll und liebenswert. Manche vermuten aber auch einen Zusammenhang mit der schlechten Versorgungslage nach dem Zweiten Weltkrieg. Demnach sollen viele Hilfesuchende – gerade Frauen und Kinder – große Fürsorge von den Bauern im Deggenhausertal erfahren haben. Nicht zuletzt geht das hartnäckige Gerücht um, dass die jungen Damen im Deggenhausertal sehr ansprechende Eigenschaften besessen haben sollen. So soll manch ein Jüngling nach einem Abstecher ins Tal verheiratet in seinen Heimatort zurückgekehrt sein. Sofern er überhaupt zurückkehrte und nicht gleich für immer im „Tal der Liebe“ blieb.

Deggenhausertal das "Tal der Liebe" - Zeit für Stille

Zurück auf den Franziskusweg, der als ein Projekt der lokalen Agenda 21 auch von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, dem Förderverein und der Gemeindeverwaltung Deggenhausertal geplant und unterstützt wurde. Inzwischen hat man gut die Hälfte der Strecke hinter sich gebracht. Außer zwei Spaziergängern mit ihren Hunden scheint hier an diesem Vormittag kaum jemand unterwegs zu sein. Verschiedene Tierspuren im Schnee verstärken den Eindruck, dass sich in dieser idyllischen Umgebung Fuchs und Hase nicht nur sprichwörtlich „Gute Nacht“ sagen. Eine Einsamkeit, die als wohltuend und innerlich beruhigend empfunden wird.

Fünfte Station: „Gepriesen seist Du Gott für Schwester Wasser, nützlich und kostbar, köstlich und rein, Ursprung und Anfang, Quelle des Lebens – Dir gleich.“ Nach einigen etwas anstrengenderen Abschnitten darf man sich jetzt ein wenig ausruhen und die Bergabstrecke genießen. Aber gerade hier zeigt sich, dass gutes Schuhwerk auf dem rutschigen Untergrund unabdingbar ist. Dann führt der Franziskusweg noch einmal in den Wald hinauf, bevor das Ziel der Wanderung fast schon in Sicht ist. Zehnte Station: „Lobet und preiset Gott und danket und dienet ihm mit großer Demut und Freude am Leben.“

Deggenhausertal. Tal der Liebe. Franziskusweg. Foto: Brigitte GeiselhartDeggenhausertal. Tal der Liebe. Franziskusweg. Foto: Brigitte Geiselhart

Jetzt ist der Ausgangspunkt in Wittenhofen erreicht. Sieben Kilometer an Wegstrecke und knapp 200 Höhenmeter sind geschafft. Die Stimmung der beiden Wanderer ist nach wie vor gut. Zwei Stunden sind schnell vergangen. Zwei Stunden, die Körper und Seele gutgetan haben. Ein Gedanke bleibt im Hinterkopf: In ein paar Monaten an die gleiche Stelle zurückzukehren, um dann den Franziskusweg im Deggenhausertal im Sommersonnenlicht noch einmal ganz neu erleben zu dürfen.

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