Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ganz protestantisch - Amts- und Dienstverpflichtungen

Nach der Kirchenwahl wurden landauf, landab die neuen Gremien verpflichtet. Die Amts-verpflichtung für Kirchengemeinderäte deckt sich im Wesentlichen mit der Verpflichtung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Und das ist gut so, findet unsere Autorin Karoline Rittberger-Klas

Ordination, Evangelische Pfarrerin, Pfarrer

Eine Pfarrerin und ein Pfarrer bei ihrer Ordination. Fotos: privat/Roman Eisele, epd-bild

Als ich im Januar unseren neuen Kirchengemeinderat eingeführt habe, ist es mir wieder aufgefallen: Die Amtsverpflichtung der Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte in unserer Landeskirche finde ich sehr bemerkenswert!

Das liegt zum einen daran, dass der Wortlaut so gut wie identisch ist mit dem Ordinationsgelübde, das Pfarrerinnen und Pfarrer ablegen und als Amtsverpflichtung bei jeder Einführung in ein neues Pfarramt wiederholen. Nur ganz am Ende kommt ein kleiner Zusatz dazu, zu dem nur Pfarrerinnen und Pfarrer sich verpflichten müssen, Kirchengemeinderätinnen und -räte aber nicht: „das Beichtgeheimnis wahren“.

Als ich also den Mitgliedern des neuen Kirchengemeinderates ihre Amtsverpflichtung vorgesprochen habe, habe ich auch mein Versprechen wiederholt – und das finde ich großartig. Denn an kaum einer anderen Stelle zeigt sich so deutlich, dass es unsere Kirche ernst meint mit dem „Priestertum aller Getauften“, von dem Martin Luther so eindrücklich gesprochen hat: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht einem jeglichen ziemt, solch Amt auszuüben.“

So hat es der Reformator 1520 in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ formuliert. Die gewählten Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte, die Pfarrerinnen und Pfarrer, alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die dieselbe Verpflichtung ablegen wie die Mitglieder des Kirchengemeinderats – aber eben auch alle anderen Getauften, die kein besonderes Amt in der Kirche übernehmen: Wir alle haben zwar im einzelnen unterschiedliche Ämter und Verantwortungsbereiche, im Großen und Ganzen aber dieselbe Aufgabe und dasselbe Ziel.

  • Verpflichtung für Pfarrerinnen und Pfarrer  (§1 der Einführungsordnung – 400. Ordnung über die Einführung in kirchliche Dienste)

    „Im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche, bin ich bereit, mein Amt als Diener des göttlichen Wortes zu führen und mitzuhelfen, dass das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen der Reformation bezeugt ist, aller Welt verkündigt wird. Ich will in meinem Teil dafür Sorge tragen, dass die Kirche in Verkündigung, Lehre und Leben auf den Grund des Evangeliums gebaut werde, und will darauf achthaben, dass falscher Lehre, der Unordnung und dem Ärgernis in der Kirche gewehrt werde. Ich will meinen pfarramtlichen Dienst im Gehorsam gegen Jesus Christus nach der Ordnung unserer Landeskirche tun und das Beichtgeheimnis wahren.“

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Es geht um die Welt – auch vor Ort

Das macht auch der Inhalt der Amtsverpflichtung ganz deutlich: Es geht darum, so heißt es gleich am Anfang, mitzuhelfen, dass das „Evangelium von Jesus Christus ... aller Welt verkündigt wird“. Das ist ein großer Auftrag und – das fällt mir immer wieder auf – ein sehr weiter Horizont.

Die Verantwortung von Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäten ist nicht begrenzt auf die eigene Gemeinde. Im Gegenteil: Es geht um „alle Welt“, für die das Evangelium erfahrbar werden soll. Ich verstehe das so: Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte sollen – wie Pfarrerinnen und Pfarrer – bei all ihrem Tun bewusst auch diejenigen im Blick haben, die zwar vor Ort, aber nicht im Dunstkreis der Kirchengemeinde sind. Es geht also darum, Verantwortung für das ganze Gemeinwesen zu übernehmen.
Und es bedeutet auch, dass sich der Kirchengemeinderat bei seinen Entscheidungen nicht nur der eigenen Gemeinde verpflichtet fühlen darf, sondern sich als Teil der weltweiten Kirche verstehen soll. Um des Evangeliums willen ist es nötig, auch über den eigenen Kirchturm hinaus zu denken, auf andere zu hören und gegebenenfalls gemeinsam zu handeln – seien es Nachbargemeinden im Bezirk, ökumenische Partner vor Ort oder in der weltweiten Ökumene.

Nach der Verpflichtung des neuen Kirchengemeinderats in Bonfeld.  (Fotos: privat/Roman Eisele, epd-bild)

„Aller Welt“ – der weite Horizont ist eine Herausforderung, die auch zur Überforderung werden kann. Aber dem beugt die Amtsverpflichtung in ihrer Wortwahl, wie ich finde, klug vor. Es geht nicht darum, alles selbst zu machen. Es geht darum „mitzuhelfen“. Oder, wie es später – und auch in der Amtsverpflichtung der Synodalen – heißt: „in meinem Teil“ dafür zu sorgen. Das bedeutet auch, dass jeder und jede auf andere Weise dazu beiträgt. So wie er oder sie es kann. Mit den Gaben, die ihm oder ihr gegeben sind. Auch daran, denke ich, sollten wir uns immer wieder erinnern, wenn wir als Christen zusammenarbeiten – im Kirchengemeinderat, in der Synode oder anderswo.

  • Verpflichtung für Kirchengemeinderäte  (§ 34 Kirchliche Wahlordnung)

    „Im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche, bin ich bereit, mein Amt als Kirchengemeinderat zu führen und dabei mitzuhelfen, dass das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen der Reformation bezeugt ist, aller Welt verkündigt wird. Ich will in meinem Teil dafür Sorge tragen, dass die Kirche in Verkündigung, Lehre und Leben auf den Grund des Evangeliums gebaut wird, und will darauf achthaben, dass falscher Lehre, der Unordnung und dem Ärgernis in der Kirche gewehrt wird. Ich will meinen Dienst im Gehorsam gegen Jesus Christus nach der Ordnung unserer Landeskirche tun.“

Die Kirche soll wachsen

Auch Landessynodale werden auf ihr Amt verpflichtet – bei der konstituierenden Sitzung. Dazu liest der Landesbischof das Gelübde vor, während die gewählten Synodalen an ihrem Platz stehen. Danach geht jeder neue Synodale nach vorn (Foto). Der Landesbischof verpflichtet sie auf ihre Aufgaben in den kommenden sechs Jahren.

Die Synodalen, die schon in einer der vorangegangenen Legislaturperioden dem Gremium angehörten, werden an ihr Gelübde erinnert. Zwei Drittel der insgesamt 91 Kirchenparlamentarier sitzen erstmals in der Synode.

Foto: Julian Rettig

„Ohne dieses Gelöbnis und ohne diese Verpflichtung können Sie dieses Amt nicht ausführen“, betonte Landesbischof Frank Otfried July. Die Verpflichtung der Landessynodalen unterscheidet sich von den Formulierungen her von den Verpflichtungen für Kirchengemeinderäte und Pfarrerinnen: Die Landessynodalen erarbeiten und beschließen die Ordnungen der Kirche, auf die Pfarrer und Kirchengemeinderätinnen verpflichtet werden.

In den drei Verpflichtungen heißt es: „Im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche.“ Das verbindet die Amtsträger, über Meinungsunterschiede hinweg.

  • Verpflichtung der Landessynodalen:  (§ 15 Kirchenverfassungsgesetz)

    „Ich gelobe vor Gott, mein Amt als Mitglied der Landessynode im Aufsehen auf Jesus Christus, den alleinigen Herrn der Kirche, zu führen. Ich will in meinem Teil dafür Sorge tragen, dass die Kirche in Verkündigung, Ordnung und Leben auf den Grund des Evangeliums gebaut werde, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen der Reformation bezeugt ist, ich will die Verfassung der Kirche gewissenhaft wahren und darauf achthaben, dass falscher Lehre, der Unordnung und dem Ärgernis in der Kirche gewehrt werde. So will ich treulich mithelfen, dass die Kirche in allen Stücken wachse an dem, der das Haupt ist, Christus.“

◼ Die Sitzungen der Landessynode sind im Hospitalhof in Stuttgart; die Sitzungen sind öffentlich.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen