Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glaube kurz gefasst - Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Am Anfang der Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche steht kein selbstformuliertes Bekenntnis aus der Reformationszeit, sondern eine Sammlung von drei Bekenntnissen aus der alten Kirche: das apostolische, das nizänische und das athanasianische Bekenntnis.

Altar im niedersächsischen Landesmuseum Hannover, Barfüsseraltar

Der Göttinger Barfüßeraltar zeigt jeden der zwölf Apostel mit dem ihm im Mittelalter zugeschriebenen Abschnitt des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Zu sehen ist der Altar im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover. Foto: pd bild

Dass die Bekenntnisse der alten Kirche in unserer Kirche an erster Stelle stehen, ist kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung. Mit ihr ist der Anspruch verbunden: Der reformatorische Glaube steht in Übereinstimmung und in Kontinuität zum Glauben der alten Kirche.

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Das „Apostolische Glaubensbekenntnis“ wird im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt und immer wieder in Gottesdiensten gesprochen. Seinen Namen verdankt es der jahrhundertelangen Annahme, die Apostel selbst hätten es formuliert. Das stimmt jedoch nicht. Seine Bekanntheit und Durchsetzung verdankt es den Maßnahmen zur Kirchenreform durch Karl den Großen Anfang des 9. Jahrhunderts. Seither gehört es in den hiesigen Kirchen zum Grundbestand der christlichen Bildung. In der westlichen Christenheit ist es das am weitesten verbreitete Glaubensbekenntnis. Warum aber bekennen Christinnen und Christen in dieser Weise ihren Glauben?

Der Ursprung der Bekenntnisbildung kann bis ins Neue Testament zurückverfolgt werden. Die ersten Christen standen vor der Herausforderung, das biblische Bekenntnis zu dem einen Gott mit dem Glauben an Jesus Christus zu verbinden. Wie sie damit umgingen, kann man beispielsweise bei Paulus beobachten. Bei der Klärung einer Streitfrage der Gemeinde in Korinth zitiert er den Anfang des jüdischen Bekenntnisses „Sch´ma Jisrael“ (Höre, Israel!) aus 5. Mose 6,4-9. Er nimmt jedoch eine spannende Veränderung vor. Als der eine Gott und Herr werden nun Vater und Sohn genannt: „so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn“ (1. Korinther 8,6).

Das Bekenntnis: Maßnahme gegen Irrlehren

Insgesamt lässt sich im Blick auf das Neue Testament feststellen: zentral ist das Bekenntnis zu Jesus Christus, nicht aber ein bestimmter Wortlaut.

Die Entwicklung hin zu festeren Bekenntnisformulierungen steht im Zusammenhang mit der Taufe und ihrer liturgischen Gestaltung. Dies kann nicht zuletzt daran verdeutlicht werden, dass einigen Abschreibern der Apostelgeschichte die spontane Taufe des Kämmerers von Äthiopien wohl etwas zu schnell ging. So fügten sie an dessen Frage „Siehe, da ist Wasser; was hindert´s, dass ich mich taufen lasse?“ (Apostelgeschichte 8,36) einen kurzen Bekenntnisakt ein: „Philippus aber sprach zu ihm: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, ist es erlaubt. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“ (Apostelgeschichte 8,37 – in aktuellen Bibelausgaben meist als Fußnote angegeben).

Bekenntnisse: Den Kern der biblischen Botschaft festhalten und gemeinsam sagen.

Einen weiteren Schritt in Richtung Glaubensbekenntnis stellen die von manchen Kirchenvätern des 2. Jahrhunderts formulierten „Regeln des Glaubens“ beziehungsweise „Maßstäbe der Wahrheit“ dar. Dabei handelt es sich um kurze Zusammenfassungen der wichtigsten Glaubensinhalte. Sie haben allerdings keinen festen Wortlaut und auch keine kirchliche Verbindlichkeit. Interessant ist, dass sie teilweise – wie auch das Apostolische Glaubensbekenntnis – trinitarisch (Vater, Sohn, Heiliger Geist) aufgebaut sind.

Glaubensbekenntnis Christ

Foto: pixaby / congerdesign

Ihre besondere Bedeutung erlangten Glaubensbekenntnisse im 3. und 4. Jahrhundert, als sich das Christentum bereits weit ausgebreitet hatte. Die genaue Entstehung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses kennen wir nicht, aber aus dieser Zeit stammen Texte, die ihm schon sehr nahe kommen. In Auseinandersetzung mit problematischen Ansichten, ‚Irrlehren‘, die dem biblischen Zeugnis nicht gerecht wurden, mussten Synoden inhaltlich-theologische Fragen debattieren, um die Basics des gemeinsamen Glaubens nicht aufzugeben. Denn darin besteht der wichtigste Zweck des Glaubensbekenntnisses: Den Kern der biblischen Botschaft festzuhalten und gemeinsam auszusagen.

 

 

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