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Kepler-Planetenweg (37) - Schöne, informative Wanderwege

WEIL DER STADT – Zu Ehren seines berühmten Sohns Johannes Kepler hat Weil der Stadt seit 2012 einen Planetenweg. Maßstabsgerecht verkleinert sind hier die Abstände zwischen den Planeten dargestellt und vermitteln auf diese Weise die gewaltigen Dimensionen unseres Sonnensystems. Eine Erkundungstour mit doppelter Lichtgeschwindigkeit.

Tafeln informieren über die Planeten und zeigen sie im Maßstab 1:557 Millionen. Foto: Martin JanottaTafeln informieren über die Planeten und zeigen sie im Maßstab 1:557 Millionen. Fotos: Martin Janotta

Wer einmal durch das ganze Sonnensystem reisen möchte, braucht dafür nicht unbedingt ein Raumschiff. Festes Schuhwerk und etwas Proviant reichen aus. Zumindest wenn man sich mit dem verkleinerten Sonnensystem zufriedengibt, dass in Weil der Stadt seit 2012 an Johannes Kepler erinnert.

Weil der Stadt nennt sich selbst „Keplerstadt“. In der früheren freien Reichsstadt ist man stolz auf den berühmten Sohn, der als studierter evangelischer Theologe später Hofmathematiker wurde und, neben der berühmten „Keplerschen Fassregel“, auch die drei „Keplerschen Gesetze“ zur Planetenbewegung entwickelte. So berechnete Kepler, dass Planeten sich nicht auf kreisförmigen, sondern auf elliptischen Bahnen bewegen. In Keplers Geburtshaus am Weil der Städter Marktplatz gibt es ein Museum zu ihm und seiner Wissenschaft. Für einen Besuch dort braucht man aber Zeit, und heute geht es ja ums Wandern. Also zum Startpunkt des Johannes-Kepler-Planetenwegs. Zur Sonne.

Die Uhr der Kirche ist die Sonne

Die Sonne ist die Kirche. Genauer gesagt die Uhr der katholischen Stadtkirche St. Peter und Paul. Sie gibt mit ihrem Durchmesser von 2,5 Meter gleichzeitig den Maßstab für den ganzen Planetenweg vor: 1:557 Millionen. Sprich: jeder Meter des Planetenwegs entspricht 557 Millionen Metern in der Realität.

Das heißt: jeder kleine Schritt für den Wanderer ist umgerechnet ein großer Schritt für die Menschheit – nämlich die Distanz von der Erde zum Mond. Das Gehtempo entspricht etwa der doppelten Lichtgeschwindigkeit. Das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit, der Traum in vielen Science-Fiction-Geschichten: hier ist er Realität.

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Kein Wunder, dass der erste Planet, der Merkur, bereits nach wenigen Minuten erreicht ist. Beim Alten Kloster von Weil der Stadt, immer noch innerhalb der alten Stadtmauern. Auch zur Venus ist es nicht weit, einfach ein paar Meter weiter. Die Kirchturmuhr, die „Sonne“, ist von beiden aus gut zu erkennen.

Ebenso von unserer guten alten Erde, die sich an der Ampelkreuzung beim Festplatz befindet. Die Informationstafel erläutert den Größenunterschied. Nimmt man die Kirchturmuhr mit ihren 2,5 Metern Durchmesser als Richtgröße für die Sonne, ist die Erde nur etwa so groß wie eine 1-Euro-Münze. Der Mond hat nur noch Erbsengröße. Tatsächlich entspricht die Größe der echten Sonne, von der Erd-Tafel aus gesehen, ungefähr der Größe der Kirchturmuhr.

Hinweisschilder, Keppler-Planetenweg. Foto: Martin JanottaDer Mars ist am Weil der Städter Bahnhof, die Kirchturmuhr wirkt von hier aus schon deutlich kleiner. Und hat man bisher alle paar Minuten einen Planeten erreicht, wird es nun richtig weit im Universum. Vom Mars aus geht es durch ein Industriegebiet raus ins Grüne. Parallel verläuft die Landstraße, zur Rechten liegt das Naturschutzgebiet Merklinger Ried. Ein Kuckuck ist zu hören, ansonsten ist es recht ruhig. Wären nicht die vielen ungeduldigen Radfahrer, denen Wanderer mit doppelter Lichtgeschwindigkeit offenbar immer noch zu langsam sind.

Vom Jupiter aus ist der Blick zur Kirchturm-Sonne inzwischen leider zugewachsen. Überhaupt täte es dem Planetenweg gut, wenn er an manchen Stellen etwas aufgefrischt würde. Viele Tafeln und Wegweiser sind ein wenig ausgeblichen.

Vor dem Trip ins Weltall eincremen

Über die Würm geht es an einem Holzkreuz vorbei in Richtung Merklingen, beziehungsweise zum Saturn. Die allermeiste Zeit durch offenes Gelände. Es ist ein Frühsommermorgen, blauer Himmel und keine Wolken. Und es zeigt sich, dass der Wanderer auf der Tour durchs verkleinerte Sonnensystem dringend darauf Acht geben sollte, sich auch vor den Strahlen der echten Sonne zu schützen. Wer ins Weltall will, sollte sich vorher eincremen.

Nach einer Weile ist Merklingen erreicht und damit die Saturn-Tafel, bei der Lärmschutzwand des Neubaugebiets. Die Distanzen zwischen den Planeten werden jetzt spürbar länger. Das Universum ist offensichtlich ziemlich leer.

Zum Uranus etwa läuft man eine ganze Weile. Macht aber nichts, die Strecke ist abwechslungsreich. Schlehenhecken, weite Felder, Kastanienbäume, zwischendrin mal die ein oder andere kleine Steigung. Uranus selbst befindet sich kurz vor der alten Landesgrenze von Württemberg und Baden, etwa 200 Meter rechts des Hauptwegs an einem grasbewachsenen Wasserbehälter. Auf der Tafel ist zu erfahren, dass Uranus erst 1781 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Johannes Kepler, Namensgeber des Planetenwegs, kannte ihn also noch nicht. Die Teleskope waren zu seiner Zeit nicht gut genug.

Kepler-Planetenweg, WeilderStadt. Die Uranus-Tafel befindet sich abseits des Weges. Foto: Martin JanottaKepler-Planetenweg, WeilderStadt. Die Uranus-Tafel befindet sich abseits des Weges. Foto: Martin Janotta

Der Neptun liegt bereits in badischem Gebiet, und noch einmal sind einige Kilometer zu bewältigen. Am Wegesrand zum äußersten Planeten unseres Sonnensystems – als der Planetenweg 2012 eröffnete, war Pluto bereits zum Zwergplaneten herabgestuft – kann man zwischendrin die Hühner des Kleintierzuchtvereins Mühlhausen bewundern. Im Ort selbst geht es nach der Marienkapelle rechts, am Aussiedlerhof vorbei. Dann nochmal eine kurze Steigung. Und Neptun ist erreicht. Wieder an einem Wasserbehälter, passend zu seinem Namensgeber, dem römischen Gott des Meeres. Vor den Augen entfaltet sich das Panorama des Würmtals. Und sehr, sehr weit weg ist die Kirche von Weil der Stadt erkennbar. Würde auf Neptun jemand wohnen, sähe er die Sonne in der Größe der Kirchturmuhr. Sonderlich viel von ihr hätte er da wohl nicht. 

Eine Bank am Neptun lädt zum Pausemachen ein. Immerhin ist man bis hierher etwa drei Stunden lang gewandert. Das Licht der Sonne bräuchte nochmal drei Stunden mehr. Wer nun aber auf die Idee kommt, er könnte am Nachmittag noch den Weg zum nächsten Stern zurücklegen, wird an der Tafel eher ernüchtert. Selbst im kleinen Maßstab des Weges – 1:557 Millionen – wären es 70 000 Kilometer zur nächsten Info-Tafel. Dazu müsste man die Erde etwa zweimal umrunden.

Panoramablick nähe Weil der Stadt. Foto: Martin JanottaPanoramablick nähe Weil der Stadt. Foto: Martin Janotta

Ganz so viel Wegstrecke ist heute nicht mehr drin. Immerhin steht ja noch der Rückweg nach Weil der Stadt an. Statt den Planetenweg einfach zurückzulaufen, können Wanderer dazu einen Rundweg gehen. Und wer noch Lust auf einen weiteren Themenweg hat, geht vom Neptun aus einfach ein kurzes Stück weiter nach Heimsheim und probiert dort den Bibelweg aus. Auch der ist sehenswert.

Information

Der Planetenweg ist etwa 10 Kilometer lang, der komplette Rundweg etwa 24 Kilometer. Start in Weil der Stadt ist an der Stadtkirche St. Peter und Paul. Weil der Stadt ist von Stuttgart aus mit der S-Bahn-Linie S6 erreichbar. Von Ende des Wegs in Mühlhausen kann man mit der Buslinie 666 auch nach Weil der Stadt zurückfahren.

www.weil-der-stadt.de