Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Truthahn und Tante Polly

Die amerikanische Variante von Erntedank heißt Thanksgiving. Es ist ein nationaler Feiertag und das wichtigste Familienfest in den USA. Sein Ursprung geht auf die Landung der Pilgerväter zurück, die damals angeblich mit den Indianern einen Truthahn verspeisten. 


Der erste Winter war hart für die Puritaner. Im März 1621 an der Ostküste angekommen, waren ihre Vorräte bei Anbruch der kalten Jahreszeit fast aufgebraucht. Die Mitglieder des Wampanoag-Stammes retteten sie vor dem sicheren Hungertod, teilten ihre Jagdbeute und ihre Feldfrüchte. Willkommen in der Neuen Welt!

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Kein Mensch weiß, ob sich das wirklich so zugetragen hat. Doch die idealisierte Verbrüderung am Essenstisch mit den Ureinwohnern gehört zu den Gründungsmythen der USA. Die Geschichte ist Ausgangspunkt eines Festes, das die Amerikaner regelmäßig am vierten Donnerstag im November feiern: Thanksgiving. Auf dem Tisch stehen dann ein gefüllter Truthahn, Süßkartoffeln, Kürbiskompott und Cranberries (Kranbeeren). So wie es auch 1621 gewesen sein soll und vermutlich sicher nicht war. Aber das ist zweitrangig: Thanksgiving gehört heute so selbstverständlich zur amerikanischen Identität wie die Flagge mit den Sternen und Streifen und der Wilde Westen.

Zum gemeinsamen Truthahnfest werden Verwandte und Freunde eingeladen. Alle sitzen um einen Tisch, mampfen, plaudern und beten, Tante Polly aus Pennsylvania genau wie Onkel Sam aus Süddakota. Viele von ihnen sieht man das ganze Jahr sonst nicht.

Der Präsident kündigt ein paar Tage zuvor das Fest offiziell an und zieht eine Bilanz der Ereignisse des Jahres. Des Weiteren wird ihm von der „National Turkey Federation“ ein Truthahn überreicht. Es ist der einzige Truthahn, der mit dem Leben davonkommt, denn es gehört zu den offiziellen Gepflogenheiten, dass das Präsidentenexemplar anschließend begnadigt wird.

Etwa 70 Millionen Truthähne verspeisen die Amerikaner rund um Thanksgiving und das Weihnachtsfest. Beide Ereignisse hängen in gewisser Weise zusammen, weil das Thanksgiving-Wochenende eine Art Startschuss für die Vorweihnachtszeit darstellt. Denn der Freitag danach wird für die ersten Weihnachtseinkäufe genutzt, in den Läden gibt es dann kräftige Rabatte und Sonderaktionen.

Womöglich ist das eine Erklärung für den späten amerikanischen Erntedanktag. George Washington hatte ihn noch am 3. Oktober gefeiert. Abraham Lincoln verlegte das Fest dann in den November, doch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gab es unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesstaaten. Schließlich beschloss 1941 der Kongress einheitlich den Termin für das gesamte Staatsgebiet der USA.

An verschiedenen Orten gibt es auch Thanksgiving-Umzüge, wenigstens war das in der Zeit vor der Corona-Krise so. Etwa in New York oder in den Freizeit- und Vergnügungsparks von Disney. Dort darf dann auch der begnadigte Truthahn aus Washington mitparadieren.

Ein eher gespaltenes Verhältnis zu Thanksgiving haben die amerikanischen Ureinwohner. Denn das, was dem ersten gemeinsamen Mahl folgte, war größtenteils nicht friedlich. Die Weißen übernahmen das Land komplett, in dem sie 1621 noch Gast waren.

Auch die Kanadier feiern Thanksgiving. Deutlich früher als in den USA, am zweiten Montag im Oktober. Das liegt auch daran, dass Kanada weiter im Norden liegt und die Ernte früher eingebracht wird.

 

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