Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mut anschaulich machen - Internet-Ausstellung "Widerstand!?"

Die Internet-Ausstellung „Widerstand!?“ bietet seit 2011 Informationen über den evangelischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Seite wächst immer weiter. Nun gibt es mehr Informationen über zwei Württemberger: Julius von Jan und Alfred Leikam.

Evangelischer Widerstand. Das Design der Seite lädt zum Entdecken ein. Foto: GemeindeblattDas Design der Seite lädt zum Entdecken ein.. Foto: Gemeindeblatt

Widerstand hat viele Gesichter. Auch der evangelische Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es gab Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer oder Württembergs Landesbischof Theophil Wurm. Es gab aber auch eher lokal bekannte Pfarrer, Lehrer oder Beamte, die vor Ort dem NS-Staat getrotzt haben. An die verschiedenen Widerständler erinnern und ihre Handlungen in den geschichtlichen Zusammenhang einordnen – ein Ziel der Internet-Ausstellung „Widerstand!? Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus“. Träger ist die Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte der EKD. 2011 ging die Internetseite www.evangelischerwiderstand.de erstmals online.

Auf drei Ebenen – Zeiten, Menschen und Grundfragen – geben kurze Texte, von Wissenschaftlern verfasst, einen Überblick. Fotografien von Personen und Originaldokumenten, teils sogar Audio und Videobeiträge sind zugänglich. Interaktive Elemente laden Nutzer zum selbstständigen Entdecken ein, gerade Schüler. „Wir haben registriert, dass der in Schule und Bildungsarbeit bislang übliche Zugang über Zeitzeugen zunehmend schwieriger wird. Deshalb haben wir uns eine neue Form der Präsentation überlegt“, sagt Siegfried Hermle. Mit Erfolg: „Die Zugriffszahlen der Internetseite sind hoch“, berichtet Hermle. Viele Religionslehrer nützten die Ausstellung für den Unterricht.

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Siegfried Hermle gehört zum Geschäftsführenden Ausschuss des Projekts. Der gebürtige Ludwigsburger ist Professor am Institut für Evangelische Theologie der Universität zu Köln. Er kümmert sich unter anderem um die regionalen Widerstands-Geschichten aus Württemberg. Politischen Widerstand im engeren Sinne habe es dort aus evangelischen Kreisen kaum gegeben, sagt er. Es seien oft eher „Resistenzen“ gewesen. Zum Beispiel hätten manche Pfarrer den vorgeschriebenen Eid verweigert, andere versteckten jüdische Menschen oder klagten Unrecht an.

So wie Julius von Jan, Pfarrer aus Oberlenningen, der in seiner Bußtagspredigt 1938 die Ausschreitungen der Pogromnacht verurteilte. Im Gedenken an Julius von Jan hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es gab Ehrungen vor Ort und die Aufnahme als „Gerechter unter den Völkern“ der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel im Oktober 2020. Zudem ist kürzlich im Evangelischen Verlag Stuttgart erstmals eine Biografie über ihn erschienen. In der Internet-Ausstellung wurden die Inhalte über Jan nun erweitert und aktualisiert.

Gerechter der Voelker. Alfred Leikam. foto: PrivatNeu aufgenommen in die Ausstellung wurde Alfred Leikam. 1915 in Korb geboren, war er schon früh in der christlichen Jugendarbeit aktiv, in der Hitler-Jugend verweigerte er als Einziger den Hitler-Gruß. In einem Streit 1937 offenbarte sich Leikam als Gegner des Nationalsozialismus. Von November 1938 bis November 1943 war er im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Dort rettete er dem jüdischen Mithäftling Max Nebig das Leben. Für diese Tat wurde Alfred Leikam posthum 2002 als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.

„Solche Personen dürfen nicht vergessen werden“, sagt Siegfried Hermle. Dabei gehe es bei der Ausstellung keineswegs um „Heiligen-Geschichtsschreibung“. Auch die Brüche mancher späterer Widerständler kommen zur Sprache, einige hätten den Nationalsozialismus anfangs begrüßt – wie die Mehrheit der Protestanten. Wichtig bei der Auswahl der Personen sei etwas anderes gewesen: „Wo haben sich Menschen eine gewisse Zivilcourage bewahrt? Wo haben sie deutlich gemacht, von ihrem christlichen Glauben her, dass es Zumutungen gibt, denen sie nicht nachkommen können oder dürfen?“ Eine Haltung, die immer Mut erforderte – und heutige Menschen vor die Frage stellt, wie sie damals gehandelt hätten. □

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