Christliche Themen für jede Altersgruppe

Pilgerweg der Lebenszeit (45) - Schöne, informative Wanderwege

WEISSBACH (Dekanat Künzelsau) – Die Kirchengemeinden Weißbach und Crispenhofen haben einen ökumenischen Pilgerweg zwischen ihren Gemeinden erstellt. Acht Stationen mit Inspirationen zur Besinnung und Meditation laden zur kleinen Auszeit vom Alltag ein.

 Region um Weißbach. Foto: Friederike HöhnRegion um Weißbach. Foto: Friederike Höhn

Die große Sonnenuhr im Kirchhof der evangelischen Fachwerkkirche in Weißbach funktioniert nicht, denn die Sonne fehlt. Vielleicht ist das aber genau richtig heute, denn auf dem Pilgerweg „Lebenszeit – Zeit zum Leben“ geht es um Abstand vom Alltag, um Ruhe und innere Einkehr.

„Alles hat seine Zeit“ – die Worte aus dem Prediger Salomo (3,14) stimmen ein auf einen etwa zweieinhalbstündigen Spaziergang durch die Teilorte der kleinen Gemeinde am Kocher. Von Weißbach geht es über den Weiler Halberg in das Dorf Crispenhofen und wieder zurück. Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden haben den spirituellen Rundweg von 7,5 Kilometern gemeinsam initiiert. An acht ausgewählten Plätzen laden Hinweisschilder zum Innehalten und Nachdenken über die Zeit, das Leben und die persönliche Beziehung zu Gott ein.

Los geht es an der 1394 erbauten Kirche in der Ortsmitte. Ein Pilgerflyer mit Wegbeschreibung liegt aus. Festes Schuhwerk ist unbedingt zu empfehlen, denn es geht nicht nur steil bergab und bergauf – 240 Meter hoch und wieder hinunter –, sondern auch über teilweise unbefestigte Wege. Schon gleich zu Beginn führt der Weg den Berg hinauf. Am Schützenhaus vorbei geht es auf einem alten gepflasterten Pfad schon nach wenigen Metern in einen wilden und verwunschenen Wald.

Sich behütet auf den Weg machen

An einer Kurve taucht schnell die zweite Station auf: ein Hirtenschrein am Wegesrand, übersät mit Türmen und Pyramiden aus Steinen. Eine Einladung zum Gebet, um emotionales Gepäck abzuladen und sich behütet auf den weiteren Weg zu machen.

Ein Waldweg führt weiter am Hang entlang, schon nach wenigen Metern ist die dritte Station erreicht. Zwischen alten Steinriegeln – Zeugen einstmaligen Weinbaus im Ort – öffnet sich der Blick auf die Flussschleife und das Tal bis ins benachbarte Forchtenberg, wo 1921 Sophie Scholl geboren wurde. Ein Moment um innezuhalten und den Blick schweifen zu lassen.

Mehrere Ameisenhaufen säumen den weiteren Weg, Schmetterlinge flattern vorbei, Pilze sprießen am Wegesrand. Wandern umgeben von Gottes Schöpfung in all ihrer Pracht. Im Sommer nach einem kleinen Regenschauer leuchten Wald und Wiesen in sattem Grün, die Luft ist feucht und diesig. Es riecht nach Wald, nach Natur, nach Auszeit.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Nach einem Abstecher durch das Wohngebiet Halberger Ebene geht es zurück an den Waldrand, eine mächtige Eiche grüßt neben einem Kirschbaum, der trotz Blitzeinschlags seine Lebenskraft nicht verloren hat und ein üppiges Blätterkleid trägt.

An der nächsten Weggabelung fehlt das Schild. Wo geht es weiter? „An den entscheidenden Kreuzungen im Leben steht kein Schild“, meint die Mitwanderin. Die alte Wanderregel „Im Zweifel geradeaus“ erweist sich nach einigen Metern und einem Blick auf den Flyer als Trugschluss. Aber das ist kein Problem. Zwischen zwei Feldern verläuft ein kleiner Weg, der wieder an den Waldrand und direkt zur nächsten Station führt. Eine bequeme Bank mit Blick in die grüne Wildnis macht eine kleine Rast möglich. Überhaupt ist der Weg sehr gut mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet, so dass in kleinen Etappen gelaufen und immer wieder eine Pause zum Nachdenken eingelegt werden kann.

Weißbach, Pilgerweg, Station Wasser des Lebens. Foto: F. HöhnStation „Wasser des Lebens“ , woraus wir im Leben Kraft schöpfen können.

Durch kniehohes Gras geht es weiter am Waldrand. Begleitet vom steten Grollen eines sich anbahnenden Sommergewitters geht es Richtung Halberg, einer kleinen Ansiedlung von Bauernhöfen auf der Hohenloher Ebene. Alte Hofstätten säumen die einzige Straße. Mitten im Weiler steht eine beeindruckende Kastanie, daneben ein moderner Glockenturm. Hier ist die fünfte Station zu finden, die sich passend zum landwirtschaftlich geprägten Umfeld dem täglichen Brot widmet. Gerste, Hafer und Weizen sind gesät, aber gedeihen eher leidlich unter dem mächtigen Baum.

Zwischen Maisfeldern und Sonnenblumen führt der Weg weiter, die nächste Station verbirgt sich hinter einem Umspannhäuschen. Ab jetzt geht es fast nur noch bergab, zurück ins Tal. Immer steiler wird der Feldund Wiesenweg, durch den Regen ist er an manchen Stellen rutschig.

 Fachwerk und alte Obstbäume

Gut ausgeschildert schlängelt sich der Pfad den Berg hinunter. Kurz vor dem Ziel die vorletzte Station: Der Wald öffnet sich und durch ein großes Kreuz geht der Blick hinunter auf Crispenhofen. Das Hinweisschild bietet Denkanstöße zum Thema Grenzen: Was engt mich ein? Was öffnet mir den Blick?

Foto: Ulrike Becker, pixabay. Das mutige Fohlen lässt sich bereitwillig streicheln. Foto: Ulrike Becker, pixabay

Der schmale Weg führt an einer Pferdekoppel entlang. Ein neugieriges Fohlen nähert sich erst vorsichtig, dann immer munterer. Mit der Schnauze testet es mutig, ob Strom auf dem Zaun ist. Der Zaun ist aus, also streckt der junge Hengst seinen Kopf über die Absperrung und lässt sich bereitwillig die Blässe streicheln. Er hat die Grenzen seiner Koppel im Blick, aber weiß sie zu überwinden.

Unten im Dorf angekommen geht der Weg wieder vorbei an Hofstätten. Rechterhand eine eindrucksvolle Scheune, geradeaus taucht schon das imposante Pfarrhaus mit Fachwerk, bemalten Fensterläden und Holzwintergarten auf. Dahinter schließt sich der Kirchhof mit der im 14. Jahrhundert erbauten, mittlerweile evangelischen Kirche an – die letzte Station des Pilgerwegs. „Meine Zeit steht in deinen Händen“ ist sie überschrieben, sofort liegt das Lied von Peter Strauch auf den Lippen. Besinnung über das Zurückliegende und das Künftige. Ruhe kehrt ein.

Ein Rundgang durch das Dorf mit vielen Fachwerkhäusern, alten Obstbäumen und ländlichem Charme ist zu empfehlen. Danach geht es zurück bis zur Pferdekoppel und ein letztes Mal steil bergauf, um auf halber Höhe parallel zum Verlauf der Straße und des Langenbachs bequem zurück nach Weißbach zu gelangen. Der breite Wanderweg eignet sich zum abschließenden Austausch über die gesammelten Eindrücke. Vorbei an einem Fuchsbau geht es über den Fuchsberg hinunter zurück in den Dorfkern und zur Kirche. □