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Schöne informative Wanderwege - Die Krone am Albtrauf: Burg Hohenzollern

ONSTMETTINGEN (Dekanat Balingen) – Traufgänge heißen die Wanderwege in Albstadt, die dicht an der Steilkante der Schwäbischen Alb entlangführen. Von dort hat man einen grandiosen Blick ins Land hinein sowie auf eine Burg, die ebenso preußisch wie ökumenisch ist.

Echt majestätisch: Der Ausblick vom Zeller Horn auf die Burg Hohenzollern ist atemberaubend. Bis 1991 war die Burg die letzte Ruhestätte des Preußenkönigs Friedrich II.. Foto: Andreas Steidel, Katja Pfrommer

Als der junge preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1819 eine Reise in den Süden unternahm, da bestieg er einen Berg. Es war der Hohenzollern, im Südwesten der Schwäbischen Alb. Auf seiner Spitze fand er eine Ruine, die verfallenen Reste einer alten Burg, die seit Kurzem den Preußen gehörte.

Der Sonnenuntergang, den er dort erlebte, prägte sich tief in sein Gemüt ein. Jahrzehnte später würde der, den sie den Romantiker auf dem Thron nannten, sich schließlich jenen Jugendtraum erfüllen und die Burg Hohenzollern wiederaufbauen. 1850 begannen die Arbeiten, 1867 wurden sie vollendet.

Wenn man am Zeller Horn sitzt und den majestätischen Ausblick auf die Burg Hohenzollern genießt, dann möchte man dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. heute noch dankbar sein für seine Beharrlichkeit. Wie das Neuschwanstein Baden-Württembergs liegt die Burg Hohenzollern vor dem Auge des Betrachters. Mit Türmchen und Zinnen und einer wehenden Preußenfahne, wenn der Hausherr mal wieder auf der Burg ist.

Hohenzollern - Romantiker auf dem Königsthron

Das Zeller Horn ist einer jener magischen Orte am Albtrauf, an denen man ewig verweilen könnte. Seine Spitze ragt soweit ins Land hinaus, dass die Burg fast zum Greifen nahe ist. Ihre exponierte Lage auf einem Bergkegel im Albvorland hat sie zu einer unverwechselbaren Landmarke gemacht.

Seit ein paar Jahren erschließt ein Netz von zertifizierten Rundwanderwegen den Höhenzug rund um Albstadt. „Traufgänge“ werden sie genannt, ein durchaus passender Begriff für die verschlungenen Pfade entlang der Steilkante der Schwäbischen Alb. Wer sie erwandert, muss kein Draufgänger sein. Hochalpine Verhältnisse gibt es hier nirgends, die Wege sind allesamt gut zu begehen und nicht wirklich gefährlich. Es sei denn, man wagt sich zu weit vor und unterschätzt die Kante, hinter der es oft senkrecht in die Tiefe geht.

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Der Traufgang zum Zeller Horn trägt den Titel „Zollernburg-Panorama“. Er beginnt bei Albstadt-Onstmettingen und führt in einer 16 Kilometer langen Schleife über den Höhenzug der Alb. Man kann ihn nach Belieben verkürzen und variieren, wer nur mal eben vom Parkplatz am Nägelehaus zur Burg hinüberlugen möchte, kann auch die Kurzverbindung über die Wiese nehmen.

Naegelehaus, Wanderheim. Schwaebische Alb. Maultaschen. Foto: Andreas SteidelNägelehauses am Raichberg. Fotos: Andreas Steidel, Katja PfrommerPreußenkönigs Friedrich II. hatte sich einst für die Kartoffel stark gemacht. Maultaschen hingegen sind die Stärke des Nägelehauses am Raichberg. Fotos: Andreas Steidel, Katja Pfrommer

Das Nägelehaus ist ein Wanderheim des Schwäbischen Albvereins, ein Höhengasthof der etwas größeren Art, der selbst Gruppen reichlich Platz bietet. Insbesondere die Auswahl an Maultaschen ist beeindruckend, es gibt sie dort in der Brühe, geschmelzt, überbacken oder nach Art des Hauses.

Zu den spektakulärsten Punkten am Traufgang „Zollernburg-Panorama“ gehört der „Hangende Stein“. Ein Erdbeben hat hier vor 600 Jahren den Fels ins Wanken gebracht. Seither geht ein 200 Meter langer Riss durch die Landschaft, eine zwei Meter breite Felsspalte, die heute von einem kleinen Steg überbrückt wird. Angeblich sind in früheren Zeiten allzu Neugierige schon hineingefallen und jämmerlich verhungert.

Pd bild Preussenkoenig Friedrich II.Das freilich gehört auch in den Bereich jener Geschichten, die man sich gerne am Albtrauf erzählt. Die Geschichte von Friedrich Wilhelm IV. geht so weiter, dass er nach seinem jugendlichen Abstecher auf die Schwäbische Alb eine katholische Prinzessin heiratete (Elisabeth Ludovika von Bayern). Das allerdings unter der Bedingung, dass sie anschließend zum evangelischen Glauben übertreten würde.

Doch die weigerte sich zunächst, die Konfession zu wechseln. Erst nach einem vierjährigen diplomatischen Hin und Her gestand man ihr eine Übergangszeit zu, in der sie sich in die neue Lehre einfinden durfte. 1826 wurde geheiratet und 1829 war dann endlich auch die Prinzessin und spätere Königin von Preußen protestantisch geworden.

Preußenkönig Friedrich II. Foto: pb-bild

Das Nebeneinander von evangelischer und katholischer Tradition ist auch heute noch auf der Burg Hohenzollern gegenwärtig. Die Hausherrschaft teilen sich die protestantischen Preußen, denen zwei Drittel der Anlage gehört, mit den schwäbisch-katholischen Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, die zu einem Drittel Eigentümer sind.

Von Anfang an hat es deshalb zwei Kapellen auf der Burg gegeben: Eine katholische mit dem Namen St. Michael und eine evangelische, die den Titel Christuskapelle trägt. Die Michaelskapelle ist der einzige Ort der neugotischen Burg Hohenzollern, in dem ein Stück Mittelalter bewahrt werden konnte. Die Christuskapelle sollte aus ganz anderen Gründen in die Geschichte eingehen: Hier stand fast 40 Jahre lang der Sarg Friedrichs des Großen, ehe er nach der Wiedervereinigung 1991 nach Sanssouci in Potsdam überführt wurde.

Die Burg-Kapellen üben bis heute einen eigentümlichen Charme aus. Ein warmes Himmelblau dominiert die evangelische Kirche, ein Rot-Ton hingegen die katholische. Unter der Christuskapelle findet sich sogar noch eine orthodoxe Kapelle, die Louis Ferdinand von Preußen Mitte des 20. Jahrhunderts für seine russische Ehefrau Prinzessin Kira hier bauen ließ.

Friedrich Wilhelm IV. hat die Vollendung seiner Burg nicht mehr miterlebt. Er starb 1861, die Bauarbeiten hingegen waren erst 1867 abgeschlossen. Man hätte ihm den Blick vom Zeller Horn auf sein Werk wahrhaftig gegönnt.

Information

Es gibt in Albstadt zehn Premiumwanderwege mit dem Titel „Traufgänge“. Ein guter Wegbegleiter ist eine quadratische Broschüre mit Plan und Einkehrtipps, erhältlich bei den Touristinfos: Telefon 07431-1601204, Internet: www.traufgaenge.de

Die Burg Hohenzollern ist voraussichtlich ab 1. Dezember wieder täglich geöffnet. Statt eines Weihnachtsmarkts soll es vom 1. Dezember bis 31. Januar einen stimmungsvollen „Königlichen Adventszauber“ geben. Internet: www.burg-hohenzollern.com

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