Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Fellbacher Besinnungsweg (Teil 6)

FELLBACH-OEFFINGEN – Auf dem Besinnungsweg sind bislang neun Kunstwerke zu sehen – mitten in der Landschaft. Wer von Ort zu Ort wandert, erlebt eine Mischung aus Natur, Kunst, Religion und Philosophie. Auch Andachten und Gottesdienste finden hier statt.

Fellbach-Oeffingen. Besinnungsweg. Foto: Werner Kuhnle.Fellbach-Oeffingen. Besinnungsweg. Foto: Werner Kuhnle.

An diesem frühen und sonnigen Sonntagmorgen im Juni sind auf den Feldwegen um Oeffingen einige Leute unterwegs. Sie gehen zu Fuß oder fahren mit dem Rad auf ein Ziel hin. Denn demnächst beginnt die ökumenische Andacht zur Sommersonnwende auf dem Fellbacher Besinnungsweg.

Vom Friedhof geht es auf dem alten Verbindungsweg nach Waiblingen an der Kreuzkapelle und Feldern vorbei zum Besinnungsort des Tages: Zeit. Inge Mahn hat ihn 2001 hier geschaffen. Es ist ein Segment einer riesigen Sonnenuhr. Ein steinernes Kreuz in T-Form, in einiger Entfernung davon sind sechs Stelen aufgereiht, an denen der Lauf der Sonne ablesbar ist.

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Heute ist das Grundstück mit rotweißem Band eingezäunt, 50 weiße Plastikstühle wurden aufgestellt; es gibt coronabedingt nur einen Zugang zum Gelände. Vorne rechts spielt eine Saxofonistin. Am Eingang werden die Gäste einzeln begrüßt von Paul Rothwein, dem Vorsitzenden des Fördervereins. Im Laufe der Jahre ist hier eine kleine Gemeinschaft entstanden, die über Fellbach und Oeffingen hinausreicht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Begrüßung manchmal auch ein bisschen länger ist.

Besinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Besucher der Andacht und „Erinnerung/Vergessen“. Foto: Werner KuhnleBesinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Besucher der Andacht und „Erinnerung/Vergessen“. Foto: Werner Kuhnle

Die Saxofonistin spielt weiter, inzwischen werden die Stühle knapp. Aber Paul Rothwein und das Team sind gewappnet. Sie stellen weitere 30 Stühle auf, mit dem gebotenen Abstand, die schnell besetzt sind. Inzwischen ist es sieben Uhr, die Andacht kann beginnen. Das Thema: Keimen, Wachsen und Gedeihen. Geduld.

Geduld ist nötig

Geduld war und ist nicht nur in Corona-Zeiten nötig. Auch der Besinnungsweg selbst hat viel mit Geduld zu tun. Die Idee, Natur, Kunst, Philosophie und Religion miteinander zu verbinden, ist schon viel älter als die 21 Jahre, die es den Förderverein bereits gibt. Die Anregung dazu kam aus Teilen der Einwohnerschaft, der damalige Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Kiel übernahm die Schirmherrschaft. Zwölf Besinnungsorte sollen es werden, gestaltet von renommierten Künstlerinnen und Künstlern, die an der Biennale in Venedig oder auch bei der Documenta in Kassel beteiligt waren. Sie gestalten etwas zu einem Thema – Frieden zum Beispiel oder Schöpfung. Dazu kommen dann noch jeweils eine Bibelstelle und ein Zitat aus der Literatur, eines von beidem wählt jeweils der Künstler oder die Künstlerin aus. Beide Texte sind vor Ort auf Metalltafeln angebracht. Es ist natürlich gut, dass Paul Rothwein Bauunternehmer ist. Wer sonst hätte es organisieren können, dass meterlange und -breite Stahlplatten in die Landschaft montiert werden. Oder wer hätte sehen können, dass das rote Haus aus Stahl noch eine Stütze braucht? Selbstverständlich ist es für Rothwein gewesen, die Abwicklung zu übernehmen. Darüber schreiben, meint er, müsse man eher nicht. Und aufs Foto will er nur, wenn‘s denn sein muss. Es muss.

Besinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Immer wieder laden Bänke zum Verweilen ein. Foto: Nicole MartenBesinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Immer wieder laden Bänke zum Verweilen ein. Foto: Nicole Marten

Von vielen Stellen auf dem Weg ist die „Freiheit“ zu sehen. Sie steht auf einem künstlichen Hügel, der inzwischen auch bei Mountain-Bikern beliebt ist. Aus der Ferne wirkt das Kunstwerk wie die Kinderzeichnung eines Tieres. Wenn man ganz nah dran ist, hat man einen grandiosen Rundumblick, bis tief ins Remstal hinein. Paul Rothwein sammelt eine leere Flasche auf, die Feiernde hier hinterlassen haben. „Die trinken nur Wodka hier“, sagt er schulterzuckend und lächelt dabei. Er, seine Frau und einige andere aus dem Verein gehen den Weg regelmäßig ab, um ihn sauber zu halten.

Manche kommen zum Feiern

Irgendwann kommt man am Besinnungsort „Grenzen“ vorbei. Hier steht zurzeit noch kein Kunstwerk, nur ein alter Baumstumpf. Insgesamt fehlen auf dem Weg noch drei Skulpturen. Das hat vor allem einen Grund: Zwar werden die Grundstücke von der Stadt Fellbach kostenlos zur Verfügung gestellt, aber die Kunstwerke muss der Förderverein selbst bezahlen. Eine große Aufgabe für die 130 Mitglieder.

Vor über 20 Jahren schien ein Weg mit zwölf Kunstwerken unerreichbar. Nicht nur finanzell. Bei aller Initiative vor Ort gab es auch scharfe Kritik. Weshalb man denn für so etwas überhaupt Felder verwenden müsse, war eines der Themen. Mittlerweile ist das Schnee von gestern, „wir haben schon längst ein gutes Verhältnis“, sagt Rothwein.

Wie groß die Akzeptanz ist, ließ sich während der Ausgangsbeschränkungen in diesem Frühjahr beobachten: Weil die Spielplätze geschlossen waren, hielten sich Familien mit Kindern aus dem Ort bei einzelnen Kunstwerken auf. □

 

Besinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Das rote Haus lädt zum Spielen ein. Foto: Nicole Marten.Besinnungsweg Fellbach-Oeffingen. Das rote Haus lädt zum Spielen ein. Foto: Nicole Marten.

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