Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Gottes Wort in Gottes Natur (Teil 2)

KRESSBRONN (Dekanat Ravensburg) – Der „Kressbronner Bibelweg“ bietet nicht nur Aussichten auf den Bodensee und die Alpen, sondern auch spirituelle Impulse. Gestaltet hat ihn der ökumenische Männertreff. Ein Angebot, das ankommt – gerade in der jetzigen Zeit.

Die Anhöhe ist nach kurzem Aufstieg erreicht. Erst einmal durchschnaufen und auf einer Bank Platz nehmen. Der Blick geht in Richtung Horizont. Man genießt den Augenblick und das Panorama des Bodensees, schaut auf die hohen Gipfel der Schweizer Alpen und hinunter in das beschaulich anmutende Dorfzentrum. Die Weinstöcke haben ausgetrieben, stehen voll im Saft und versprechen im Herbst eine reiche Ernte. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Wo könnte dieses Wort aus dem Johannesevangelium greifbarer und präsenter sein als an diesem wunderschönen Fleckchen Erde, das wie geschaffen zu sein scheint, um innezuhalten, zur Ruhe und zur inneren Einkehr zu kommen.

Kressbronn. Ausblick über den Bodensee und die Alpen bietet Ruhe und Entspannung. Foto: Brigitte GeiselhartKressbronn. Ausblick über den Bodensee und die Alpen bietet Ruhe und Entspannung. Foto: Brigitte Geiselhart

Der Wanderer befindet sich beim Aussichtspunkt am „Ottenberg“, unweit der evangelischen Kirche. „Wahrer Glaube.“ Die erste von zwölf Stationen des „Kressbronner Bibelwegs“, der auf einer Länge von sieben Kilometern die schönsten Eckpunkte der südöstlichsten Gemeinde Baden-Württembergs beleuchtet – mit Bibelstellen, ergänzenden Texten oder Gebetsanregungen. Entwickelt und gestaltet wurde er vor zehn Jahren vom „Überkonfessionellen Männertreff“. Das sind Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeinden, der Freien Christen- und Baptistengemeinde aus Kressbronn und Umgebung, die den Wanderweg auch heute noch betreuen und pflegen. Eine entspannende Tour für Leute jedes Alters, die sich abseits des Trubels am See einen schönen Spaziergang in der Natur gönnen wollen. Und ein wohltuendes spirituelles Angebot, das von vielen Menschen immer wieder gerne angenommen wird – gerade auch in diesen schweren Zeiten.

Vorbei an Mühlen und Weinreben

„Zuversicht“ ist der Name der zweiten Station: „Der Herr ist mein Hirte; nichts wird mir fehlen.“ Der Weg führt zur Obermühle, einer von drei Mühlen im Nonnenbachtal. Idyllisch und verträumt gelegen. Mitten im Mühlenhof ein Weiher mit einer Bank. „Dieser Standort passt zu manchen menschlichen Erfahrungen“, schreibt der Autor der dazu passenden Erläuterung. „Oft müssen wir – bildlich gesprochen – hinabsteigen und ein seelisches Tal durchschreiten. Aber dann geht es auch wieder aufwärts, mit Gottes Hilfe und mit gesundem Selbstvertrauen.“ Weitere Informationen stehen in den Flyern, die an jeder Station für die Wanderer zum Mitnehmen bereitliegen.

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„Am Anfang schuf Gott die Welt, und er sah, dass alles gut war.“ An der Station beim Wasserbehälter am Nunzenberg geht es um das Thema Schöpfung. Wieder ein Ausblick, an dem man sich kaum sattsehen kann. „Das ist eine meiner Lieblingsstellen“, erzählt Hartmut Schütze. „Wenn ich hier um mich blicke, dann wird mir als Christ bewusst, wie wunderbar Gott alles gemacht hat“, sagt der pensionierte Kaufmann, der als ehemaliger Gebietsverkaufsleiter eines großen Mineralwasser- und Erfrischungsgetränkeanbieters von Haus aus eine große Affinität zum Wasser hat. Dass sich der Protestant, der im benachbarten Tettnang zuhause ist, im ökumenischen Kressbronner Männertreff so richtig wohl und aufgehoben fühlt, daraus macht Hartmut Schütze kein Hehl. „Männerarbeit war mir schon immer eine Herzensangelegenheit“, sagt er. Hierin ist er sich mit seinem katholischen Kollegen Ingolf Damhofer absolut einig.

Im Beisein von Frauen hätten Männer oft das Problem, „kein Visier herunterzulassen“, Gefühle zu zeigen, gegebenenfalls auch ihren Tränen freien Lauf zu lassen, betont der Hausverwalter im Ruhestand. Gerade deshalb seien die regelmäßigen Veranstaltungen des Männertreffs so wichtig. „Bei uns wird über alles gesprochen – über Glaubensthemen genauso wie über Probleme im Beruf oder in der Ehe, auch über Sexualität“, sagt Damhofer und ergänzt: „Aber alles, was besprochen wird, bleibt unter uns und geht nicht nach draußen.“

Siebte Station, „Lebendiges Wasser.“ Der Schlösslepark ist erreicht. Eine wunderschöne Parkanlage mitten in Kressbronn. Alte Baumbestände und gepflegte Beetanlagen. Der kleine Kressbach mündet in einen Weiher, in dem sich Fische tummeln. Wer will, zieht Schuhe und Strümpfe aus und gönnt seinen müden Füßen eine kleine Erfrischung in der Kneipp-Anlage. Bei konstanten acht Grad Celsius – Sommer wie Winter – ist für die gewünschte Abkühlung in jedem Fall gesorgt. „Ich bin das lebendige Wasser. Wer zu mir kommt, der wird nie mehr dürsten“, steht auf der zugehörigen Erklärtafel.

Es geht weiter. Eine riesige Thuja steht in der Nähe des „Alten Gemeindebads“. Ein Ort, der eine große Tradition hat. Hierher kommen die Menschen seit Generationen, um im See zu baden. Jüngere wie Ältere, auch Familien mit Kindern. Oftmals wird am Ufer gegrillt und ausgelassen gefeiert.

Im Schatten der Bäume lässt es sich trefflich erholen und entspannen. Getreu dem Wort aus Psalm 91: „Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen.“ Neunte Station. Abhängig vom individuellen Tempo und eventuellen Pausen ist nach zwei bis drei Stunden der Ausgangspunkt des Kressbronner Bibelwegs wieder erreicht. Jede Station ist als Einstieg geeignet – insbesondere die sechste Station beim Bahnhof. Dort stehen auch ausreichend kostenfreie Parkplätze zur Verfügung.

Dass sie vielfach belächelt worden seien, als sie bei der Einweihung des Bibelwegs vor zehn Jahren die von manchen als zu optimistisch eingeschätzte Anzahl von 1000 Flyern geordert haben, wissen Hartmut Schütze und Ingolf Damhofer noch genau. Mittlerweile sind 70 000 Exemplare an den Mann oder die Frau gegangen.

Hartmut Schütze (links) und Ingolf Damhofer gehen selbst gerne den Bibelweg entlang. Foto: Brigitte GeiselhartHartmut Schütze (links) und Ingolf Damhofer gehen selbst gerne den Bibelweg entlang. Foto: Brigitte Geiselhart

Sie bekommen immer wieder positive Rückmeldungen von vielen Wanderern, das freut die Mitglieder des Überkonfessionellen Männertreffs besonders. Selbstredend, dass sie auch selbst öfters auf dem Kressbronner Bibelweg anzutreffen sind. „Ich gehe den Weg immer wieder gern. Er prägt mich und tut mir gut“, sagt Ingolf Damhofer.

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