Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Halbinsel Höri (Teil 18)

HALBINSEL HÖRI – Pilgern und Genuss passen prima zusammen. Zum Beispiel auf der Bodensee-Halbinsel Höri. Bei einem Museums- und Kirchenbesuch kann man die Kunst von Otto Dix bewundern, fernab von Menschenmengen die Aussicht auf Landschaft und See auf sich wirken und zum Abschluss bei einem Pilgermenü die Erlebnisse Revue passieren lassen.

Die Höri hat weite Ausblicke und schöne Wege zu bieten. Foto: Brigitte GeiselhartDie Höri hat weite Ausblicke und schöne Wege zu bieten. Foto: Brigitte Geiselhart

Los geht’s in Hemmenhofen, einem beschaulichen Ortsteil der Gemeinde Gaienhofen im Landkreis Konstanz. Unweit des Seeufers steht auf einer Anhöhe das Museum Haus Dix, in dem Otto Dix, einer der bedeutendsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, von 1936 bis zu seinem Tod 1969 lebte und arbeitete.

Nach einer Besichtigung des Hauses, das unter der Leitung des Kunstmuseums Stuttgart heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist, lohnt sich auch ein Rundgang durch den wunderschönen Blumengarten. Auf der idyllischen Terrasse sitzend geht der Blick nicht nur über den Untersee, sondern vor allem auch zurück in die Vergangenheit. In eine düstere Zeit, in der die Höri nach der Machtergreifung durch die Nazis zum Zufluchtsort für viele verfolgte Künstler wurde. Walter Kaesbach, Helmut Macke, Erich Heckel, Max Ackermann und eben Otto Dix fanden hier nahe der Schweizer Grenze eine neue Heimat.

Zufluchtsort für verfolgte Künstler - Halbinsel Höri

Der in Gera geborene Dix hatte als Professor an der Kunstakademie Dresden gelehrt und war einer der ersten Kunstprofessoren, die entlassen wurden, weil seine als „entartet“ bezeichnete Kunst den neuen Machthabern ein Dorn im Auge war. Seine Bilder wurden aus Ausstellungen entfernt oder gar verbrannt. Otto Dix ließ sich in Hemmenhofen nieder und wandte sich unter anderem religiösen Themen zu. Neben dem Museum in Hemmenhofen hat er noch an einer anderen Stelle der Halbinsel Spuren hinterlassen.

Sehenswerte Kunst auf der Halbinsel Höri von Otto Dix gestalteten Kirchenfenster in Kattenhorn. Foto: Brigitte GeiselhartSehenswerte Kunst auf der Halbinsel Höri von Otto Dix gestalteten Kirchenfenster in Kattenhorn. Foto: Brigitte Geiselhart

Doch zuerst steht eine Wegstrecke auf dem Programm. Es ist also Zeit, die Wanderschuhe zu schnüren, und sich auf den „Panoramaweg“ in Richtung Wangen zu machen. Eine Tour, die ihrem Namen in jeder Hinsicht gerecht wird, kann man hier doch weite Aussichten ins schmaler werdende Tal des Bodensees, auf den Thurgauer Seerücken, bis zur Insel Reichenau und Konstanz genießen. Gerade die Distanz zum im Sommer von Menschen oft überlaufenen Bodenseeufer tut gut.

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Korn- und Sonnenblumenfelder säumen den Weg, viele Reben und Apfelplantagen – sogar Pfirsichbäume scheinen in diesem Klima prima zu gedeihen. Ganz besonders stolz ist man auf der Bodensee-Halbinsel aber auf eine spezielle Knolle: Die „Höri Bülle“ ist mehr als nur eine Zwiebel. Sie entwickelte sich über viele Jahrhunderte sogar zum Hauptanbaugemüse der Region und darf seit 2014 nur so heißen, wenn sie auch von der Höri stammt. Von anderen roten Zwiebelsorten unterscheidet sie sich durch ihre flache und bauchige Form, den milden Geschmack und die weiche Konsistenz. Die Knolle ist ein echter Star auf der Höri und wird beim jährlich am ersten Oktobersonntag gefeierten Bülle-Fest so richtig gewürdigt.

Ganz ohne körperliche Anstrengung geht’s auf dem Panoramaweg nicht. Aber keine Angst: Die knapp 250 Höhenmeter, die überwunden werden müssen, sind gut machbar. Und irgendwann geht es zum Glück auch wieder bergab – in einen Schatten spendenden Hohlweg. Gut aufpassen muss man, wenn man die Abzweigung zum jüdischen Friedhof nicht verpassen will.

Er wurde 1827 angelegt. Heute sind noch 150 Grabsteine erhalten. Jüdische Bewohner lebten in Wangen schon seit dem 17. Jahrhundert. 1665 wird Baruch Moses Ainstein genannt – er war ein Vorfahre von Albert Einstein.

Halbinsel Höri - Ein eigenes Fest für die Zwiebel

Nach knapp zwei Stunden ist der kleine Ort Kattenhorn erreicht, der zu Öhningen gehört. Ein Zwischenstopp an der von außen eher unscheinbaren kleinen Petruskirche gehört zweifellos zu den Höhepunkten der Pilgertour. Hier hatten vor allem Flüchtlinge und Vertriebene mitten in der kargen Nachkriegszeit den Neuanfang in der evangelischen Kirchengemeinde gewagt. Mit überwältigender Mehrheit der damaligen Jury-Mitglieder war Otto Dix beauf-tragt worden, die großflächigen Fenster der 1959 erbauten Petruskirche mit seiner Interpretation von „Die Berufung des Petrus“, „Petrus und der Hahn“ und „Der Auferstandene und Petrus“ künstlerisch zu gestalten.

Bodensee. Am Ufer der Halbinsel Höri. Foto: Brigitte GeiselhartBodensee. Am Ufer der Halbinsel Höri. Foto: Brigitte GeiselhartBodensee. Am Ufer der Halbinsel Höri. Foto: Brigitte Geiselhart

Mittlerweile ist der größte Teil des Wegs längst geschafft. Die letzten beiden Kilometer führen entlang des Bodenseeradwegs. Wanderer sollten auf jeden Fall noch einen Abstecher zur Blasius-Kapelle im alten Schlossturm von Kattenhorn machen, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Dort ergänzen sich moderne Kunst und historischer Kapellenraum in sehenswerter Weise.

Bald ist die Schiffsanlegestelle in Öhningen erreicht. Eine halbe Stunde dauert die Schifffahrt zurück zum Ausgangspunkt.

Zum Abschluss dieses genussvollen Tages wird zum Pilgermenü ins Hotel Höri eingeladen, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schiffsanlegestelle in Hemmenhofen befindet. Wie immer präsentiert Küchenchef Jörg Hentzgen den müden Wanderern etwas Besonderes. Heute gibt’s als Vorspeise einen mit Honig karamellisierten Ziegenfrischkäse, zum Hauptgang Sauerbraten mit gebackener Topinambur und Alblinsenragout und danach ein leckeres Nussbuttertörtchen. Wer kann dazu schon „Nein“ sagen?

Die Halbinsel Höri liegt zwischen dem badischen Radolfzell und dem schweizerischen Stein am Rhein im Untersee und zeigt mit ihrer Spitze bei Horn zur Insel Reichenau. Rund 10 000 Einwohner leben auf einer Fläche von 63 Quadratkilometern in den Gemeinden Moos, Gaienhofen und Öhningen. Der Name Höri wird erstmals 1155 in einer Urkunde von Kaiser Barbarossa als ein zum Bistum Kon-stanz gehöriges Gebiet genannt. Im Volksmund erzählt man sich aber viel lieber die Sage, nach der Gott am Ende seines Schöpfungswerks die Kleinode dieser Erde, den Bodensee und zuletzt das hügelige und tälerreiche Wiesenland zwischen Zellersee und Rheinsee erschaffen hat. So gut schien ihm sein letztes Werk gelungen, dass er voller Stolz und Begeisterung ausrief: „Jetzt hör i uff“.

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