Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Insel Reichenau (Teil 12)

REICHENAU – Klosterinsel, Gemüseinsel, ein Ort zum Baden und Entspannen: Die Insel Reichenau, größte Insel des Bodensees, ist nicht nur im Sommer ein beliebtes Touristenziel. Wer über die Insel wandert, kann an einem Tag die vielen Facetten der Reichenau erleben.

Insel Reichenau, Bodensee. Münster St. Maria und Markus mit Kräutergarten. Foto: Brigitte GeiselhartInsel Reichenau, Bodensee. Münster St. Maria und Markus mit Kräutergarten. Foto: Brigitte Geiselhart

Es duftet: nach Liebstöckel und Petersilie, nach Pfefferminze und Salbei. Man sieht leuchtend roten Schlafmohn. Sogar Zuckermelonen gedeihen hier prima. Und den Wildbienen scheint’s ausgesprochen gut zu gefallen. Aber nicht nur ihnen: Der historische Kräutergarten im Schatten des Münsters St. Maria und Markus ist auch ein idealer Ort, um sich innerlich nochmal ein wenig zu sammeln, bevor die Tageswanderung auf der Reichenau in Angriff genommen wird. Am besten frühmorgens, wenn es auch am nahegelegenen Yachthafen noch ganz ruhig zugeht.

Schon die Anfahrt zur größten Bodenseeinsel hat einen besonderen Reiz. Die letzten paar hundert Meter führen über einen von Pappelreihen gesäumten Damm. Er wurde vor mehr als 180 Jahren angelegt und ist der Endpunkt der Deutschen Alleenstraße, die auf 2900 Kilometern von Rügen bis an den Bodensee führt. Auf beiden Seiten des Damms breitet sich das Wollmatinger Ried aus – es ist mit einer Fläche von 750 Hektar das größte Naturschutzgebiet auf der deutschen Bodenseeseite.

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Natur und Geschichte ergänzen sich auf der Reichenau in genialer Weise. St. Maria und Markus geht auf das Jahr 724 zurück, ist die ehemalige Klosterkirche der Benediktinerabtei und gehört neben St. Peter und Paul sowie St. Georg zu dem Trio der romanischen Kirchen, von denen jede für sich ein Meisterwerk menschlicher Schaffenskraft ist. Nicht umsonst wurde die Reichenau im Jahr 2000 von der Unesco als Weltkulturerbe ausgewiesen.

Dass die Klosterinsel aber auch ihrem Ruf als Gemüseinsel in jeder Hinsicht gerecht wird, das darf man auf dem rund zehn Kilometer langen Fußweg, der in westlicher Richtung um die halbe Insel führt, immer wieder feststellen. Man sieht nicht nur viele Gewächshäuser, auch auf dem Freiland wird an diesem schönen Sommermorgen schon fleißig gewerkelt. Gurken und Zucchini sind groß geworden, auch die Stangenbohnen haben eine beachtliche Höhe erreicht.

Gartenbau hat auf der Reichenau eine jahrhundertlange Tradition. Der Kräutergarten des Klosters wurde vor 30 Jahren nach dem historischen Vorbild innerhalb der alten Mauern neu angelegt. Schon im neunten Jahrhundert gingen von Abt Walahfrid Strabo entscheidende Impulse für die Gartenkultur vom Kloster Reichenau aus. Zwischen 830 und 840 schrieb Strabo sein Lehrgedicht „De cultura hortorum“, in dem er den Kräutergarten des Klosters ausführlich darstellt. Im gleichen Jahrhundert sollen unter Abt Heito I. auch die ersten Reben gepflanzt worden sein. Nach der Legende durfte damals jeder Mönch täglich einen Viertelliter Wein trinken – und an Feiertagen soviel er wollte. Eine bemerkenswerte Festtagskultur, vor allem auch deshalb, weil es damals auf der Insel 150 Feiertage im Jahr gab.

Der Bodensee zeigt sich von seiner besten Seite – eine Einladung zum Bootfahren oder einfach nur dazu, aufs Wasser zu blicken. Foto: Brigitte GeiselhartDer Bodensee zeigt sich von seiner besten Seite – eine Einladung zum Bootfahren oder einfach nur dazu, aufs Wasser zu blicken. Foto: Brigitte Geiselhart

„Ja, die Reichenau ist ein wunderbarer Ort“, sagt Heike Schuster von der Evangelischen Landeskirche in Baden, die sich unter anderem um spirituelle Gruppenangebote kümmert. Beim „Pilgern auf Badisch“ stehe nicht das Abspulen von Kilometern oder Askese im Vordergrund, sagt sie. Ganz im Gegenteil: „Es geht um Leib und Seele und um Wohlfühlambiente. Auch gutes Essen und Trinken soll nicht zu kurz kommen.“ Ob sie einen Lieblingsplatz auf der Insel hat? Auch hier fällt Heike Schuster die Antwort nicht schwer: „Beim Campingplatz Sandseele gibt’s den schönsten Sonnenuntergang, den man sich vorstellen kann“, sagt sie. „Und man kann hier wunderbar die Füße im See und die Seele gen Himmel baumeln lassen.“

Es wird Mittag, als über schmale und idyllische Fußwege der Campingplatz erreicht ist. Hier kommen Jung und Alt, Familien mit Kindern genauso auf ihre Kosten wie Wassersportler. Schuhe und Strümpfe auszuziehen und bis zu den Knien im glasklaren Bodenseewasser zu stehen, das muss nun auch für den Wanderer einfach drin sein. Eine Runde schwimmen? Warum nicht. Ein ruhiges Plätzchen und ein wenig besuchter kleiner Kiesstrand sind unweit des Campingplatzes schnell gefunden. Und anschließend den Seglern, den Kanufahrern oder den Stand-up-Paddlern ein wenig zusehen und den Blick auf die Hegau-Vulkane Hohentwiel, Hohenstoffel und Hohenhewen schweifen lassen – auch das tut der körperlichen und geistigen Entspannung gut.

Insel Reichenau. Kräutergarten für alle Sinne. Foto: Brigitte GeiselhartInsel Reichenau. Kräutergarten für alle Sinne. Foto: Brigitte Geiselhart

Gut die Hälfte der Strecke ist längst geschafft. Auf dem Rückweg in Richtung Münster lohnt sich ein kurzer Schwenk auf die Stedigasse. Wieder ein Kräutergarten, und was für einer! Er wurde von der „Pfiffikus Gutes von der Reichenau GmbH“ angelegt, einemn Unternehmen, das für qualitativ hochwertige, vegane Lebensmittel aus biologisch kontrolliertem Anbau steht. Der Kräutergarten und ist für jedermann frei zugänglich. Ein spezieller „Barfußweg“ lädt dazu ein, ihn mit allen Sinnen zu erkunden. „Blumen sind die Liebesgedanken der Natur“ steht auf einem Schild beim „Schattigen Lieblingsplatz“, der wirklich nicht zu viel verspricht. Augen und Nase auf Ysop, Wermut, Rosmarin oder Schwarzkümmel richten und sich dabei im bereitgestellten Liegestuhl zurücklehnen. Fast zu schade, dass man hier auch wieder irgendwann aufbrechen muss. Der Weg führt zurück zum Münster. Im leeren Kirchenschiff Platz zu nehmen und Gott für einen herrlichen Tag zu danken, fällt heute nicht schwer.

Der anschließende Milchkaffee im nahegelegenen Museums-Café schmeckt lecker. Eins darf vor der Heimfahrt aber nicht vergessen werden: ein Stopp an einem der vielen kleinen Hofläden, die frisch Geerntetes zum Verkauf anbieten. Ein prächtig grüner Salatkopf, ein weißer Rettich und ein paar rote Tomaten sind Garant dafür, dass man beim Abendessen einen knackigen gemischten Salat auf dem Tisch hat und daran denkt, möglichst bald auf die Gemüseinsel im Bodensee zurückzukehren.

 

 

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