Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Kapellen im Schwarzwald (Teil 3)

SCHONACH – Früher hatte fast jeder Bauernhof seine eigene Kapelle. Der Kapellenweg im Ferienland im Mittleren Schwarzwald lädt ein, sie zu entdecken und sich von ihnen ein wenig verzaubern zu lassen. Immer wieder stehen dort auch Getränke für Wanderer bereit.

 Bruder-Klaus-Kapelle. Foto: Andreas SteidelBruder-Klaus-Kapelle. Foto: Andreas Steidel

Mitten in einer Waldinsel bei Schonach steht die Bruder-Klaus-Kapelle. Ein kleines Kirchlein mit Glockenseil und Schindeldach, Schwarzwälder Granit und einem Altar aus Fichtenholz. Unter dem Altar liegen zwei Tafeln mit den Zehn Geboten, geschnitzt aus Lindenholz.

2007 haben Wolfgang und Susi Wehrle aus Schonach die wunderbare kleine Kapelle errichtet. Ein Dank für vieles, aber auch eine Erinnerung an die, die verstorben sind. Eine kleine Hütte gibt es hier, eine Grillstelle, eine Wiese, auf der man Spiele machen kann. Das Besondere aber: Die Wehrles haben ganz und gar nichts dagegen, wenn Wanderer bei ihnen vorbeikommen. Im Gegenteil: Wer immer den Weg ins Schneckenloch findet, darf sich bei ihnen dazusetzen.

Schonach, Bruder Klaus Kapelle, Susi Wehrle. Foto:Andreas SteidelGastfreundschaft und Naturgenuss: Susi Wehrle am Glockenseil ihrer Kapelle. Foto: Andreas Steidel

Es gibt kostenlose Getränke für Wanderer, Teelichter, die sie in der Kapelle anzünden können. Rund um die Uhr ist die Bruder-Klaus-Kapelle geöffnet. „Wir haben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt Susi Wehrle. Jede Kapelle auf dem Kapellenweg hat ihre eigene Geschichte. Die der Bruder-Klaus-Kapelle in Schonach ist relativ jung. Schon 150 Jahre hingegen hat die Judas-Thaddäus-Kapelle hinter sich. Sie ist einem Apostel gewidmet, nicht dem, der Jesus verraten hat (Judas Ischariot), sondern einem Heiligen, der in ausweglosen Situationen angerufen wird.

Die Thaddäus-Kapelle steht in einer Wegbiegung am Ortsausgang von Schonach, eine Wiese mit frischgemähtem Gras umgibt sie, es duftet nach Landleben und würzigen Kräutern. Immer wieder fährt ein Traktor vorbei, kommen Wanderer des Weges, die durch den Schwarzwald streifen. Es ist der badische, der katholische Schwarzwald. Die meisten Kapellen sind ein Ausdruck des tief verwurzelten Glaubens, der Anbetung der Heiligen, von denen man sich Hilfe erhofft. Bruder Klaus gilt als Friedensstifter. In der Schweiz wird er als Nationalheiliger verehrt doch über das riesige Bistum Konstanz verbreitete sich sein Name einst bis weit in den Schwarzwald.

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24 Kapellen liegen am Kapellenweg. Er ist kein beschilderter Wanderweg, sondern ein Routenvorschlag in vier Varianten, der sich mit Hilfe einer Broschüre erschließt. Schonach, Furtwangen, Schonwald und St. Georgen gehören dazu. St. Georgen ist der einzige Ort mit einer protestantischen Vergangenheit, weil er lange Zeit zum Herzogtum Württemberg gehörte.

Schwarzwald, Schonach, Josefs-Kapelle. Foto: Andreas SteidelJudas-Thaddäus-Kapelle. Foto: Andreas SteidelJosefs-Kapelle und Judas-Thaddäus-Kapelle. Foto: Andreas Steidel

Die Touren sind nicht ganz kurz und auch nicht als Rundwanderweg angelegt. Aber man kann sich ja mit dem gedruckten Wanderführer in der Hand seine eigene Strecke zusammenstellen. Eines der lohnenswertesten Ziele ist dabei die rund sieben Kilometer lange Rundwanderung zum Blindensee und zur Wendelinkapelle.

Man beginnt sie am Parkplatz „Weißenbacher Höhe“ in Schönwald. Von dort folgt man einfach den Schildern Richtung Blindensee, am besten auf der Route des bekannten Westweges. Rund 1000 Meter hoch liegt die Landschaft hier, eine Sommerfrische und ein Wintermärchen, wenn es richtig geschneit hat.

Der Blindensee ist ein Mysterium. Inmitten eines alten Hochwaldes taucht er auf, dunkel und flach, ein mooriges Gewässer, das weder Zunoch Abfluss besitzt. Ein Bohlenweg führt über den morastigen Untergrund, geleitet die Wanderer zu einer Sitzbank, an der sie verweilen können.

Schwarzwald. Mystisches Moorgebiet Blinder See. Foto: Andreas SteidelMystisches Moorgebiet Blinder See. Foto: Andreas Steidel

Die nächsterreichbare Kapelle ist die Wendelinkapelle. Man verlässt einfach den Westweg und geht über die Wiese zum Farnbauernhof hinunter (Farnberg 7, Schönwald). Ein kleiner Schlenker auf dem Rückweg vom Blindensee, der sich lohnt. Man darf auch mit dem Auto dorthin fahren, es gibt sogar spezielle Parkplätze.

Die Wendelinkapelle ist ein richtiges Bauernhofkirchlein. Eine kleine Glocke hängt in ihrem Dachreiter, dreimal am Tag wird sie geläutet: um 6 Uhr am Morgen, wenn es Zeit zum Aufstehen ist, um 11 Uhr, wenn die Bäuerin das Mittagessen vorbereitet, um 18 Uhr, wenn das Abendbrot wartet. Es ist ein fröhliches Gebimmel, das inzwsichen allerdings per Zeitschaltuhr erledigt wird.

Immer wieder verblüfft die Gastfreundschaft, die den Wanderern entgegengebracht wird. Eine Willkommenskultur der besonders erfrischenden Art mit einem kalten Brunnen und gekühlten Getränken, die hinter einer Schranktür warten: „S’Farnbura Trinkbrunne, gugg amol ni“ steht an der Schranktür neben der Wendelinkapelle zu lesen. So hat man am Ende auch gleich ein paar Brocken Badisch gelernt. □

Kapellenweg
Der Kapellenweg besteht aus vier Streckenwanderungen, die zahlreiche Kapellen der Region um Schonach, Schönwald, St. Georgen und Furtwangen verbinden. Die Strecken sind nicht speziell beschildert, aber mit Hilfe der kostenlosen Broschüre „Wandererlebnis Kapellenweg“ kommt man ganz gut zurecht. Erhältlich bei allen Touristinfos.

Die Bruder-Klaus-Kapelle
Zur Bruder-Klaus-Kapelle der Familie Wehrle kommt man nur zu Fuß. Der Weg zweigt an der Straße zur „Schönen Aussicht“ vor dem Gasthaus Karlstein links  ab. Kontakt: Telefon 07722-5313

Allgemeine Auskunft
Touristinformation Schonach, Telefon 07722-964810, Internet: www.dasferienland.de

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